Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Haushalt 2021: Hebich und Leidig zwischen Hoffen und Bangen

Bis weit ins kommende Jahr hinein werde Schutz und Vorsorge im Zuge der Corona-Pandemie das Handeln auch der Verwaltung bestimme
Bis weit ins kommende Jahr hinein werde Schutz und Vorsorge im Zuge der Corona-Pandemie das Handeln auch der Verwaltung bestimmen, erwartet Oberbürgermeister Martin Hebich.

Den Haushalt zu planen, das ist schon unter normalen Umständen für Verwaltung und Politik ein Kraftakt. Haushaltsplanung in Zeiten von Corona allerdings – das ist noch einmal eine ganz andere Hausnummer. Die Frankenthaler Stadtspitze hat sich in der Ratssitzung am Mittwoch trotzdem um etwas (Zweck-)Optimismus bemüht.

Das Virus hat in diesem Jahr die Frankenthaler Finanzplanung infiziert und im kommenden Jahr wird das, so lautet die Prognose von Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU), nicht anders sein. Die Corona-Pandemie habe neben ihren Folgen für die Wirtschaft auch die Städte „in ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit“ schwer getroffen. Die Folge: Eigene Anstrengungen bei der Haushaltskonsolidierung würden von äußeren Einflüssen konterkariert. „Aus den Fugen geraten“, so empfindet der OB die Situation aus Sicht der finanziell und wirtschaftlich gebeutelten Kommunen. Derzeit sehe es so aus, dass sie bis ins Jahr 2024 mit geringeren Steuereinnahmen auskommen müssten.

Dass Verwaltungsarbeit und Kommunalpolitik in Frankenthal noch eine ganze Weile von Corona beeinflusst bleiben, darauf hat der OB am Mittwoch den Stadtrat eingeschworen: „Uns allen muss klar sein: Das Virus wird uns noch bis weit ins Jahr 2021 beschäftigen.“ Selbst wenn ein Impfstoff verfügbar sei, müssten Schutz und Vorsorge weitergehen. Ein Gegenmittel für die Folgen der Pandemie scheint aber erst einmal nicht in Sicht. Während Einnahmen vor allem aus der Gewerbesteuer fehlten, stiegen die Aufwendungen. Hebichs Befürchtung: Mit einer gewissen Verzögerung bekomme Frankenthal dann auch die sozialen Folgen der Krise zu spüren – „insbesondere dann, wenn es zu einer Pleitewelle kommt“.

Keine höheren Steuern

Unter anderem, um die Betriebe zu entlasten, ist für den Oberbürgermeister eins im kommenden Jahr undenkbar: ein weiteres Anziehen der Steuerschraube. Die Aufsichtsbehörden des Landes forderten zwar Verbesserungen auf der Ertragsseite. Dem will sich der Rathauschef aber nicht beugen. Hebichs Strategie: erst einmal wieder „auf Kurs kommen“. Höhere Steuern seien „gegenwärtig nicht vermittelbar“ und ein „falsches Signal“.

Stattdessen erneuerte Martin Hebich seine schon in früheren Jahren erhobene Forderung, die finanzielle Abhängigkeit der Kommunen von Bund und Ländern zu verringern. Anstelle von Förder- und Aktionsprogramme, für die komplexe Richtlinien gälten, sei es einfacher, Städten, Kreisen und Gemeinden mehr Steuereinnahmen zuzugestehen. Damit „wäre uns wirklich geholfen“, sagte der OB in seiner Rede.

Mehr Investitionen

Trotz aller Schwierigkeiten: Hebich versuchte auch, die positiven Aspekte des Etats 2021 herauszuarbeiten. Die Zahl dazu: rund 20 Millionen Euro. Diesen Betrag möchte die Stadt in den kommenden zwölf Monaten in Projekte investieren – fast die Hälfte davon in die Frankenthaler Schulen, weitere 1,7 Millionen in den Ausbau der Kindertagesstätten und anderthalb Millionen in den öffentlichen Nahverkehr. Rechne man zu diesen Investitionen noch Ausgaben für Sanierung und Unterhalt (4,3 Millionen Euro) hinzu, komme man auf 24 Millionen, die in Substanzerhalt und Schaffung neuer Vermögenswerte fließe, so der OB.

Martin Hebich skizzierte auch einige inhaltliche Schwerpunkte, die mit dem Zahlenwerk verknüpft seien: die Fortsetzung der Innenstadt-Entwicklung inklusive des Leichtturmprojekts Erkenbert-Museum, den Stadtumbau rund um den Hauptbahnhof, die weiteren Planungen für den Pilgerpfad auf Basis der Ergebnisse aus der Bürgerumfrage und das Vorantreiben des Wohnungsbaus. Der OB erinnerte an die von Fachleuten errechnete Zahl von rund 2000 Wohneinheiten, die Frankenthal bis 2030 brauche.

Debatte um Altschulden

Beigeordneter Bernd Leidig (SPD), der als Finanzdezernent dem Stadtrat die Eckdaten des Haushalts vorstellte, brachte die aktuelle Lage mit Humor auf den Punkt – mit dem Titel eines Buchs, das Texte von Karl Valentin enthält: „Hoffentlich wird es nicht so schlimm, wie es schon ist.“ Er wünsche sich vor allem, dass im Zuge der vom Coronavirus ausgelösten Krise die „Debatte um die Altschuldenproblematik“ wieder an Bedeutung gewinne. Im Plan 2021 seien rund 1,2 Millionen Euro des Defizits im Ergebnishaushalt (4,1 Millionen Euro) direkte Kosten infolge der Pandemie.

Auch wenn das Finanzloch im laufenden Geschäft etwas kleiner ausfalle. „Ob letztlich eine Trendwende eingeleitet werden kann, bleibt abzuwarten“, sagte Leidig. Aber auch er war bemüht, dem Zahlenwerk positive Aspekte abzuringen. Zwar verringere sich das 2009 auf 203 Millionen Euro taxierte Eigenkapital der Stadt auf 137,5 Millionen Euro bis Ende 2021. Aber: Damit sei „zumindest eine Verlangsamung des Kapitalverzehrs eingetreten“.

Zahlen & Fakten

Im laufenden Verwaltungsgeschäft, das der Ergebnishaushalt abbildet, stehen Erträgen von 146,1 Millionen Aufwendungen von 150,2 Millionen Euro gegenüber. Unterm Strich steht ein Jahresfehlbetrag von 4,1 Millionen Euro – eine gute Million weniger als im stark von Corona-Einflüssen geprägten Nachtragshaushalt 2020. Die Stadt rechnet mit Steuereinnahmen von 52,3 Millionen Euro – zweieinhalb Millionen Euro mehr als im laufenden Jahr. Zur Finanzierung der geplanten Investitionen (rund 20 Millionen Euro) braucht Frankenthal etwa 13,8 Millionen neue Kredite. Die Netto-Neuverschuldung der Stadt bezifferte Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) am Mittwoch mit 9,8 Millionen Euro. Der Frankenthaler Schuldenberg erhöht sich auf 262,2 Millionen Euro – davon entfallen 155,7 Millionen auf sogenannte Kassenkredite, mit denen die Verwaltung im laufenden Geschäft ihre Liquidität sichert, und 106,5 Millionen Euro auf Investitionskredite. Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt derzeit bei rund 5000 Euro und damit knapp unter dem Landesdurchschnitt. örg
Der Verwaltungschef warnte in seiner Haushaltsrede auch vor den sozialen Folgen der Krise. Sie könnten höhere Ausgaben für die K
Der Verwaltungschef warnte in seiner Haushaltsrede auch vor den sozialen Folgen der Krise. Sie könnten höhere Ausgaben für die Kommunen bedeuten.
x