Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Handwerker Fritz Koch: Im Beruf und im Hobby auf Teamgeist gesetzt

Fußball und sein Handwerk sind die Säulen des Lebens von Fritz Koch.
Fußball und sein Handwerk sind die Säulen des Lebens von Fritz Koch.

Hinter dem goldenen Meisterbrief von Fritz Koch steckt ein stattliches Lebenswerk: Ein halbes Jahrhundert Arbeit als Gas- und Wasserinstallateur – ein Berufsbild, das sich in dieser Zeit stark verändert hat.

Der Wandel in diesem Beruf spiegelt sich im Lebenslauf des Flomersheimer Handwerkers deutlich wieder: 1966 begann er als junger Mann seine Lehre bei der ehemaligen Firma Hartmann und Weygand in der Welschgasse – und erwischte damit eine Zeit des Umbruchs. Denn das war genau die Ära, in der sowohl die Fertigkeiten des Klempners sowie des Gas- und Wasserinstallateurs gefragt waren. Mit 23 Jahren machte sich Koch als jüngster Sanitär-Meister in Rheinland-Pfalz selbstständig. Um fünf Jahre darauf eine weitere Meisterprüfung abzuschließen. Dieses Mal im Zentralheizungs- und Lüftungsbauer-Handwerk.

In den 1970er-Jahren kam zu Heizöl zunehmend Gas als Brennstoff hinzu, der nach den Ölkrisen 1973 und 1979 an Bedeutung gewann. Und auch danach musste sich Koch weiterbilden, um Schritt zu halten. Im Zuge des Klimawandels war grüne Energie gefragt, regenerative statt fossile Energieträger sollten einen wichtigen Beitrag zur Rettung des Klimas leisten. Heute sind effiziente und ökologische Heizsysteme wie die Kombination von Solarthermie und Brennwerttechnik oder Photovoltaik, Batteriespeicher und Wärmepumpe angesagt. Würde Koch jetzt seinen Beruf erlernen, hieße der Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.

In Kochs Büro hängen 22 Urkunden, die er im Laufe seines Berufsweges erhalten hat. Neben den Meisterbriefen und Nachweisen für Fortbildungen belegen diese sein Engagement. Unter anderem war Koch lange Zeit Obermeister der SHK-Innung Vorderpfalz, die Versalien stehen für Sanitär, Heizung und Klimatechnik. Auch bundesweit war er aktiv – als Handwerkermarken-Botschafter und Vorstandsmitglied im Bundes-Berufs-Förderungswerk des Zentralverbands seiner Innung. Die höchste Auszeichnung erhielt der Frankenthaler 2015: Die frühere rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Eveline Lemke verlieh ihm die Wirtschaftsmedaille des Landes.

Ziel Profifußballer

Im Büro in der Freinsheimer Straße steht auch ein Tischkicker, der bezeichnend ist für Kochs Hobby. Als ambitionierter Mittelstürmer war er für den VfR Frankenthal der dritthöchsten und in die Regionalliga Südwest aktiv, damals die zweithöchste Spielklasse. Koch träumte von einer Karriere als Profifußballer. Er begann jedoch eine Lehre, als seine praktisch veranlagte Großmutter Katharina ihm riet, ein Handwerk zu erlernen. Sein Lieblingsverein ist der 1. FC Kaiserslautern, unübersehbar liegt im Büro die Fußmatte mit der Aufschrift „Home is, wo de Betze is“. Bis zu seinem 39. Lebensjahr war er als Fußballer aktiv und erinnert sich noch, wie er seine Zeit zwischen Meisterschule, Training und Turnieren aufteilen musste. Koch sieht Parallelen zwischen seinem Handwerk und Hobby: „Beides ist ein Mannschaftssport. Man muss sich auf sein Team verlassen, ehrgeizig sein und immer gegen seinen inneren Schweinehund ankämpfen.“

Kochs Mitarbeiterstab hatte die Größe einer Fußballmannschaft, im Schnitt arbeiteten bei ihm 14 Fachkräfte. Zwei Mitarbeiter habe er über 40 Jahre in seinem Unternehmen beschäftigt, blickt er zurück. „Und 20 Kollegen waren über 15 Jahre bei mir, da habe ich wohl nicht viel falsch gemacht.“ Er sei einer der ersten Handwerker im Bundesland gewesen, die für die betriebliche Altersvorsorge seiner Mitarbeiter gesorgt haben. Insgesamt 42 Auszubildende hätten bei ihm gelernt, elf davon sogar mit Meisterabschluss. „Mir war es immer wichtig, die Freude am Handwerk an die jüngeren Generationen weiterzugeben.“

14 Tage Urlaub im Jahr

Was Koch aufregt, ist das abfällige Vorurteil gegenüber seinem Berufsstand, das im Volksmund mit den drei Worten „Gas, Wasser, Scheiße“ ausgedrückt wird. „Ein dummer Spruch, der nicht mehr zeitgemäß ist. Das Beseitigen von Verstopfungen erledigen seit den 1980er-Jahren Firmen für Kanal- und Rohrreinigung.“ Auch beklagt der 73-Jährige die gesunkene Servicebereitschaft von Kollegen, die dem Handwerk den Ruf von Unzuverlässigkeit eingebracht hätten. „Meine Kunden mussten nie länger als 24 Stunden im Kalten sitzen. Selbst an Silvester bin ich gekommen, ohne Überstundenzuschlag. Und Urlaub habe ich mir nur 14 Tage im Jahr gegönnt.“

Vor zwei Jahren ist Koch in den Ruhestand gegangen. Seine Firma Koch Wasser & Wärme führt nun Theo Fath weiter – ein mehrfacher Handwerksmeister, der in Römerberg 2011 das Unternehmen Handwerker 2.0 gegründet hat und Handwerksbetriebe aus der Umgebung in das Unternehmen integriert, in denen keine Betriebsnachfolge innerhalb der Familie möglich ist. Auch aus seinen zahlreichen Ehrenämtern hat sich Koch zurückgezogen. Bis auf eine Ausnahme: Er bleibt Mitglied im Ehrenrat des 1. FC Kaiserslautern.

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