Frankenthal
Hambacher Forst: Theaterstück in Worms zu Protest der Umweltschützer
Die Thematik ist brandaktuell, das Interesse hingegen war beschämend gering. Vor gerade mal einem Dutzend Schülern wurde am Dienstagvormittag im Wormser Lincoln-Theater das hochpolitische und spannend inszenierte Stück „Tribute von Burgina“ gezeigt. Es spielt im Hambacher Forst und handelt vom umstrittenen Braunkohleabbau im Lichte des Klimawandels.
„Wir haben lange vor Ort recherchiert, alles entspricht der Wahrheit“, erklärte eingangs der Regisseur und Chef des Kölner Künstler Theaters, Georg zum Kley. Erstmals erwähnt wurde der Hambacher Forst in einer Urkunde vom 25. Juli 973 als Burgina, daher der Titel. Man habe Gespräche mit den Dorfbewohnern in dieser „extremen Gegend“ (knapp 30 Kilometer von Köln entfernt) geführt und den Eindruck gewonnen, es sei eine Atombombe gefallen. Mit seinem Team habe er sich auch in die bis zu 40 Meter hohen Baumhäuser gewagt, berichtete der Theaterwissenschaftler. Die Polizei habe im „Hambi“ sehr gewütet.
Krasse Übergänge
Die aufrüttelnde Botschaft des Stücks: „Wir sind noch da: bunt, laut, kreativ, widerständisch“. Die drei jungen Schauspieler Marie Dinger, Jonah Rausch und Paula Essan, die innerhalb einer Stunde in mehrere Rollen schlüpften, vermittelten diese mit natürlichem Spiel sehr authentisch. Prägnant waren die Dialoge, kurz die Szenen. Mit nur wenigen Requisiten wurden die Ortswechsel inszeniert – von der mit Vogelgezwitscher unterlegten Waldidylle zur weiß gedeckten Tafel im spießigen häuslichen Milieu eines RWE-Bosses. Das waren fürwahr krasse Übergänge.
„Der Widerstand muss weitergehen“, skandieren die beiden Aktivistinnen Peggy und Nala, die im Mittelpunkt der Handlung stehen und einen schier aussichtslosen Kampf gegen die Rodung des Forstes und für eine geschützte Umwelt führen. Und dabei auch in Kauf nehmen, inhaftiert zu werden. „Wenn jeder nur an einer kleinen Schraube dreht, verändert sich das große Ganze“, lautet ihre Überzeugung. Dass Aufklärung über die Folgen des natürlichen und des von Menschen gemachten Klimawandels dringend notwendig ist, wurde anhand einer Unterrichtsszene mit einfachen Worten verdeutlicht.
Sohn von RWE-Boss schließt sich Protest an
Es erwies sich als dramaturgisch geschickter Schachzug, dass sich mit dem smarten Cornelius ausgerechnet der Sohn des RWE-Vorstandes zu den beiden Aktivistinnen gesellt. Des Jurastudiums überdrüssig, gönnt er sich eine Auszeit und wirft alle familiär geprägten Meinungen wie das Credo „Wir sind auf die Braunkohle angewiesen“ über den Haufen. Er erkennt allmählich, dass Klimawandel und Ausbau der erneuerbaren Energien nur gelingen können, wenn die Menschen überzeugt werden und sich mitnehmen lassen.
Aufruf: „Gebt den Menschen den Wald“
Bei aller Ernsthaftigkeit des Stoffes fehlte es nicht an einigen erheiternden Momenten. Bei einer Rückblende ins frühe Mittelalter wurden plötzlich Karl der Große und sein Hofmusikant Arnold von Arnoldsweiler lebendig. Dieser bat – im Kölner Dialekt – den im Bürgerwald (dem heutigen Hambacher Forst) jagenden Frankenherrscher, ihm so viel Wald zu schenken, wie er während der Dauer eines Festmahles umreiten könne. Der Wunsch des listigen Arnold ging in Erfüllung. Sein Appell an Kaiser Karl „Die Tribute sind zu hoch, gebt den Menschen den Wald“ hat über die Jahrhunderte nichts an Aktualität verloren.