Frankenthal Höhenflug des Nonsens
„Alice im Wunderland“ ist das wohl witzigste Stück im Bereich des Kinder- wie auch des Erwachsenentheaters in diesem Jahr, und es ist sicherlich ein Höhepunkt in der 40-jährigen Geschichte des Theaterkreises Bobenheim-Roxheim. Mit größtmöglichem Aufwand auf der kleinen Bühne des Hoftheaters Haschmasch inszenierten Sabrina Korff und Fabian Schalk den Klassiker von Lewis Carroll mit überbordender Fantasie und viel Sinn für Unsinn.
Wenn man denkt, mehr geht nun wirklich nicht, kommt irgendwo ein Märzhase daher sowie ein verrückter Hutmacher und eine Schlafmaus, die eine wahnsinnige Teegesellschaft abhalten. Da gibt es zwar keinen Tee, dafür aber eine tägliche Nicht-Weihnachtsfeier mit albernem Gesang. Und aus dem unschuldigen „Häschen in der Grube“-Lied wird die pathetische Klage des traumatisierten Märzhasen: „Reite nicht immer auf meiner Vergangenheit herum! Ja, ich habe in einer Grube gelebt, und ja, es ging mir nicht gut!“ Auch Erwachsene können einen riesigen Spaß haben bei dieser „Alice im Wunderland“-Aufführung, in der die große Kunst des Nonsens zu Höhenflügen abhebt. Die Handlung ist den bekannten Büchern von Lewis Carroll entnommen, die oft als Kinderliteratur wahrgenommen werden, tatsächlich aber inzwischen auch wissenschaftlich anerkannte Klassiker der komischen (Erwachsenen-)Literatur sind. Alice folgt einem eiligen weißen Kaninchen, fällt durch ein Loch ins Wunderland und begegnet dort allerlei merkwürdigen Gestalten. So schwimmt sie in einer Tasse durch einen Tränenozean und trifft einen Hummer sowie eine Suppenschildkröte, die in einem Kochtopf vorbeitreiben. Eine grinsende Katze schlägt Kapriolen auf der Bühne, eine Raupe pafft auf einem riesigen Pilz an ihrer Wasserpfeife und erteilt den Waldtieren Ratschläge. Einem Frosch etwa gibt sie den Tipp, täglich ein Pfund Quark zu essen. Dramaturgisch geschickt baut „Alice im Wunderland“ darauf, von einem Gipfel des Quatsches aus den nächsten zu erklimmen, was sich bis zum Besuch im Palast der Herzkönigin steigert. Die ist eine aufbrausende Willkürherrscherin, die nach Belieben Wunderlandgestalten in den Kerker werfen lässt und beim Krocketspiel äußerst ungern verliert. Dabei dienen zwei Spielkartensoldaten als Tor, in das mit Flamingoschlägern ein zusammengekugelter Igel geschlagen werden muss – der leise leidend diese Aufgabe erträgt. „Ich hab wenigstens einen Job“, sagt der Igel. Wie Pingpongbälle fliegen die Dialogsätze hin und her, und man muss höllisch aufpassen, wenn man keinen Gag verpassen will. Die Aufführung ist ein großes Vergnügen für Jung und Alt. 14 Schauspieler der Jugendabteilung des Theaterkreises Bobenheim-Roxheim zeigen einmal mehr, mit welchen darstellerischen Nuancen sie einer Geschichte Leben verleihen können. Dabei sind die flotte Dramaturgie, einfallsreiche Pointen und die Spielfreude nur eine Seite. Die andere ist die verschwenderische visuelle Fülle mit aufwendigen Kostümen, die so bunt sind und perfekt den Figuren des Wunderlands ihre Gestalt geben. Ebenfalls bemerkenswert: die Bühnentechnik mit Drehkulissen und Vorhängen, die schnelle Wandlungen des Bühnenbilds ermöglichen. Und natürlich die Spezialeffekte. Im Wunderland wird Alice mal größer, mal kleiner, und auch das Tränenmeer muss erst einmal auf die Bühne gezaubert werden. All das gelingt ganz flüssig. Das Zusammenspiel aus Darstellern, Beamertechnik und Beleuchtung bekommt etwas ganz Natürliches – soweit es das Natürliche im Wunderland geben kann. Termine Weitere Aufführungen an allen Wochenenden im November: samstags um 17 Uhr, sonntags um 15 Uhr, im Hoftheater Haschmasch, Frankenthaler Straße 7, Bobenheim-Roxheim. Kartenvorverkauf montags bis mittwochs von 10 bis 12 Uhr unter Telefon 0151 23763237 oder im Internet unter www.theaterkreis1975.de .