Frankenthal Gute Aussichten am Ausbildungsmarkt
„Es gibt Betriebe, die ihren Auszubildenden sehr früh zusagen, und andere, die sich sehr viel Zeit lassen“, sagt Berufsberaterin Ruth Brauner im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Je größer die Unternehmen, desto früher gingen Info-Veranstaltungen und Auswahlverfahren über die Bühne. So sei das Ausbildungsjahr 2016 bei der BASF bereits Thema seit Mai dieses Jahres. Darauf müssten sich Interessenten einstellen. Brauner spricht aus Erfahrung: Seit 1991/92 arbeitet sie in der Geschäftsstelle Frankenthal der Arbeitsagentur. Die Agentur in Ludwigshafen lege ihre jährliche Ausbildungsbilanz zum 30. September vor, erklärt Pressesprecherin Monika Maczek, „und da waren es in den letzten Jahren im gesamten Agenturbezirk noch 50 bis 70 unversorgte Jugendliche“. Ende August sah es nach Angaben der Agentur so aus: 345 Ausbildungsstellen sind im Bereich der Geschäftsstelle Frankenthal seit September 2014 gemeldet worden; davon waren noch 95 unbesetzt. Auf der anderen Seite wurden von den 514 Jugendlichen, die eine Ausbildungsstelle suchten, noch 85 als „unversorgt“ geführt. Schaut man allein auf die Stadt Frankenthal, sehen die Zahlen so aus: Die Agentur kennt 284 gemeldete Lehrstellen; davon waren Ende August noch 76 unbesetzt. 363 Bewerber werden in der Statistik geführt; 67 von ihnen hatten noch keine Stelle gefunden. Für Frankenthal rechne sie damit, dass „die Zahl der Unversorgten am Ende unter zehn liegen wird“, sagt Ruth Brauner. Nachsteuern könne man erfahrungsgemäß immer noch: „Wir vermitteln bis Weihnachten.“ Schließlich komme es auch vor, dass Azubis mit Vertrag „wieder abspringen, und dann sind wieder interessante Stellen frei“. Beim Thema Ausbildung gehe es grundsätzlich um ein „ganzjähriges Geschäft“, weiß Brauner. Mit ihrem Kollegen Werner Grzeski hat sie sich die Aufgaben im Geschäftsstellenbezirk Frankenthal aufgeteilt, kümmert sich selbst um die Realschule plus in Bobenheim-Roxheim, die Integrierte Gesamtschule Robert Schuman und die Schiller-Realschule plus in Frankenthal. Zumindest ein Kurzgespräch könne sie mit 80 bis 90 Prozent der Schüler führen, die in das Berufsleben einsteigen wollten, schätzt sie. Die Erfahrung zeige: „Bei 25 bis 30 Prozent läuft es von Anfang an sehr gut. Andererseits gibt es eine große Gruppe, bei der der Gesprächsbedarf hoch ist.“ So hätten etwa „Ängste und Prüfungsstress zugenommen“. Dem könne man aber mit zusätzlicher Förderung begegnen. Nach wie vor sei es so, dass die Hälfte der Bewerber zunächst „Stellen in nur zehn Berufen sucht“, sagt Brauner. Dazu gehörten Klassiker wie Kfz-Mechatroniker oder Verkäuferin. „Manche sagen dann noch, sie wollen nur in die Drogerie, sie wollen mit Schmuck oder mit Damenoberbekleidung zu tun haben.“ Wer sich vorschnell festlege, schränke aber seine Chancen ein. „Man sollte auch bereit sein, nach rechts und links zu schauen“, rät Ruth Brauner. Mehr freie Stellen als Bewerber gibt es nach den Daten der Arbeitsagentur zurzeit in den Berufsfeldern Gastronomie, im Nahrungsmittelhandwerk (Bäcker, Fleischer), in der Pflege, „aber auch für Anlagenmechaniker, das sind die früheren Gas- und Wasserinstallateure“, wie Monika Maczek festhält. Um den Informationsaustausch zu verbessern, arbeite man auch mit der Handwerkskammer zusammen Praktika sind nach den Erfahrun-gen der Arbeitsagentur ein hervorragendes Mittel, um in die Berufswelt hineinzuschnuppern. Für Schüler könne es sich lohnen, mehr zu tun, als die Schule erwarte, und sich auch in den Ferien in Betrieben umzuschauen. „Aus etlichen Praktika sind schon Lehrverträge geworden“, weiß Ruth Brauner. Neu ist, dass die Agentur versucht, bereits in der achten Klasse den Schülern zu helfen, bei denen „der Hauptschulabschluss wackeln könnte“, wie Maczek sagt. An diese Gruppe wendet sich eine „Sommerakademie“: Für drei Wochen geht es in den Ferien nach Homburg; dort wird nicht nur gelernt, sondern es wird auch gemeinsam kreativ gearbeitet und ein Musical einstudiert. „90 bis 100 Prozent derer, die in den letzten zwei Jahren dabei waren, haben den Abschluss dann geschafft“, sagt die Agentur-Sprecherin. Unter der Überschrift „Zukunft läuft“ solle ab dem neuen Schuljahr 2015/16 schon zum Ende der 8. Klasse generell über Ausbildung gesprochen werden, kündigt Brauner an. Hier handle es sich um ein Projekt der Landesregierung gemeinsam mit der Regionaldirektion der Agentur für Arbeit. „Für schwierige Fälle“ hat die Agentur nach Angaben Maczeks einen spezialisierten Coach freigestellt, der sich intensiv um die Vermittlung von Bewerbern kümmert. „Nach vorne führen viele Wege“ sind Elternabende in Schulen überschrieben, die am 25. November wieder „mit Gast-Prominenten“ stattfinden sollen und dem Thema Berufsfindung dienen. „Das gibt es jetzt seit drei Jahren“, erklärt Maczek. Grundsätzlich gelte: Kinder und Eltern sollten das Thema lieber früher als zu spät angehen, Kontakt zur Arbeitsagentur suchen und „die Schulsprechstunden nutzen“. Auch die Eltern seien da selbstverständlich willkommen. INFO —Beratungstermine sollten mit der Arbeitsagentur über die kostenlose Servicecenter-Nummer 0800 4555500 vereinbart werden. —Viele Informationen der Arbeitsagentur zu Berufswahl und Bewerbung gibt es auf www.planet-beruf.de.