Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Gitarristin Jule Malischke kämpft mit dem Monster erstmals in der Pfalz

Viele Facetten hat das Gitarrenspiel von Jule Malischke – und für Gitarren-Nerds brachte sie Paul mit.
Viele Facetten hat das Gitarrenspiel von Jule Malischke – und für Gitarren-Nerds brachte sie Paul mit.

Musikerin Jule Malischke entdeckte die Pfalz, das Publikum in der Protestantischen Kirche Roxheim entdeckte eine ungewöhnliche Konzertgitarristin, die sich als Singer-Songwriter präsentierte. Am Ende gab es eine Überraschung.

Aktuelle Songs, die teils noch nicht offiziell veröffentlicht sind, gab es an diesem Abend im Konzert von Jule Malischke schon vorab zu hören. Lieder machten den Schwerpunkt des Programms aus. Es gab aber für die Gitarristen im Publikum noch ein paar Schmankerl.

Der „Cool Song“ lud zur Entspannung ein, das Publikum sollte mitschnipsen und ließ sich gerne darauf ein. Malischkes Gitarrenspiel hat viele Facetten. Zum einen ist da eine klassische Ausbildung, die sich positiv bemerkbar macht, aber ebenso hat die Musikerin auch neuere Spielweisen integriert, wie etwa perkussives rhythmisches Spiel auf dem Korpus der Gitarre. Aus dem Folk- und Fingerstyle-Picking kommt das Umstimmen der Gitarre; solche Open Tunings ermöglichen besondere Akkordklänge mit offenen Saiten. Die bekannteste Stimmung, die Malischke verwendete, war „Dadgad“, die oft im keltischen Folk verwendet wird. Damit spielte Malischke ein Stück, das sie für ein schottisches Gitarrenfestival geschrieben hat.

Bariton-Gitarre names Paul

Mit drei Instrumenten ist die Musikerin aus Dresden angereist: mit Paul, Olivia und Fuchsie. „Paul“ war wohl für die Gitarren-Nerds besonders interessant, das war nämlich die Bariton-Gitarre. Die gibt es schon mit Stahlsaiten in der Western-Fraktion eher selten, noch außergewöhnlicher ist so eine tiefe Gitarre aber mit Nylonsaiten. Der Hals ist etwas länger und die Stimmung fünf Töne tiefer – also zwischen Standardstimmung und Bass.

Auch Zuhörer, die ansonsten eher im jüngeren Pop zu Hause sind, wurden abgeholt: „Shape of You“ von Ed Sheeran werden die meisten gekannt haben. Bereits im RHEINPFALZ-Interview sagte Malischke, das „höher, schneller, weiter“ sei nicht ihr Ding. Das allerdings ist gerade in der modernen Akustik-Gitarre immer noch der Garant für ein staunendes Publikum. Von der Idee, möglichst viele Noten pro Takt zu spielen, ist Malischke weitgehend weg. Die Begleitungen zu ihren selbstgeschriebenen Liedern sind in erster Linie songdienlich und wirken geschmackvoll und atmosphärisch.

„Medusa“ lässt die Saiten glühen

Allerdings ganz ohne glühende Saiten und brennendes Griffbrett sollte der Abend doch nicht vorübergehen: Ein „Monster“ von Stück kündigte sie an, das war „Medusa“. Das Stück hat ihr Professoren-Kollege an der Dresdener Musikhochschule, Thomas Fellow, komponiert. „Mal gewinnt das Monster, mal ich“ erklärte sie dem Publikum. Das Stück rennt auch ordentlich los. Allerdings ging der Detailreichtum in den tiefen Registern der Gitarre ein bisschen verloren. Die Musikerin spielte verstärkt, und was sich bei den Liedern noch gut machte, klang bei den instrumentalen Stücken etwas verwaschen. Das war nicht wirklich schlimm, denn der Kampf mit dem Monster wirkte immer noch sehr eindrucksvoll und wurde vom Publikum auch mit sehr kräftigem Applaus belohnt.

Traumhaftes auf der Treppe

So richtig aufgefallen ist der suboptimale Sound, als die Musikerin die stürmisch geforderten Zugaben spielte. Da setzte sie sich ganz unverstärkt auf die Treppe im Altarraum und spielte. Das klang zwar etwas leiser, aber traumhaft schön, weil sehr transparent und ausgewogen. Und so war auch der Abschluss, „Guten Abend, gute Nacht“ noch mal ein echter Höhepunkt. Das ganze Publikum in der voll besetzten Kirche feierte die Musikerin mit stehendem Applaus.

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