Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Geothermie: Lässt Mannheim Frankenthaler Projekt auflaufen?

Aus Thermalwasser soll nicht nur Lithium für E-Auto-Batterien gewonnen werden, sondern auch Fernwärme.
Aus Thermalwasser soll nicht nur Lithium für E-Auto-Batterien gewonnen werden, sondern auch Fernwärme.

In und um Mannheim verzögert sich der Bau mehrerer Geothermie-Heizwerke um Jahre. Was bedeutet das fürs linksrheinische Projekt, von dem auch Frankenthal profitieren will?

Aus Sicht von Vulcan Energy bleibt es dabei: In fünf, sechs Jahren soll aus dem Tiefenwasser im Oberrheingraben zwischen Ludwigshafen und Frankenthal nicht nur grünes Lithium für den Eigenbedarf herausgewaschen werden. Gewissermaßen als Beifang sollen die beiden Kommunen dem Wasserkreislauf vor seinem Rückfluss aus der geplanten Extraktionsanlage Wärme für die Fernwärmeversorgung entziehen dürfen. Neben einem zweiten Projekt, das wenige Kilometer weiter von der BASF-Kläranlage ausgehen soll, ist diese Quelle der zentrale Baustein auf dem Weg zur klimafreundlichen Energiewende in Frankenthal.

Das Karlsruher Unternehmen Vulcan Energy ist neben der BASF der zweite Partner bei der kommerziellen Verwertung des wertvollen Thermalwassers. Eines seiner gebundenen Elemente, das Lithium, ist für die E-Auto-Batterieproduktion interessant. In der Nähe der vom Chemiekonzern geplanten Anlage zur Herstellung von CO2-freiem Wasserdampf im großen Ausmaß soll daher eine eigene, zig Millionen Euro teure Anlage für seine Zwecke aufgebaut werden. In dem frühen Projektstadium, das Ende vorigen Jahres im Beisein der rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt (FDP) erstmals vorgestellt worden ist, wollen die Beteiligten die Investitionen noch nicht näher beziffern.

Verzögerung auf rechter Rheinseite

Auf der anderen Rheinseite hat Vulcan Energy nun für Irritationen gesorgt, weil sich ein nicht minder groß angelegtes Erdwärme-Projekt weiter verzögert. Ursprünglich wollte der Betreiber spätestens in diesem Jahr das erste von mindestens drei Heizwerken im Rhein-Neckar-Raum in Betrieb nehmen. Dafür waren die als „Vibro-Trucks“ bekannten Messfahrzeuge, die Anfang des Jahres auch in und um Frankenthal und Lambsheim für seismische Voruntersuchungen auf dem Asphalt gerüttelt hatten, Anfang 2023 in der Rhein-Neckar-Region unterwegs. Sie leisten die Pionierarbeit beim Aufspüren denkbarer Bohrlöcher für Tiefenbohrungen, um letztlich das bis zu 170 Grad heiße Wasser an die Oberfläche zu befördern.

Mit solchen Trucks ist Anfang des Jahres auch am Neumayerring der Untergrund vermessen worden.
Mit solchen Trucks ist Anfang des Jahres auch am Neumayerring der Untergrund vermessen worden.

Viel weiter ist Vulcan Energy rechts des Rheins in den vergangenen beiden Jahren nicht gekommen. Die Auswertungen der Datenmenge beanspruche Zeit, finale Standorte und Alternativen dazu würden geprüft. Sobald sie eingegrenzt sind, bleibt dem Antragsteller zwar ein langwieriges Planfeststellungsverfahren erspart, weil sein Vorhaben baurechtlich privilegiert ist. Aber jenseits dessen werden Belange zu berücksichtigen sein, von Eigentumsverhältnissen bis hin zum Naturschutz. Geschäftsführer Thorsten Weimann, der auch das Joint Venture mit der BASF begleitet, rechnet nun frühestens im nächsten Jahr mit Tiefenbohrungen im Mannheimer Raum. Erste Einspeisungen ins Wärmenetz des Mannheimer Energieversorgers MVV sind nicht vor 2029 zu erwarten und damit fast fünf Jahre später als zunächst avisiert.

Vorrang für linke Rheinseite?

Was bedeutet das nun für die Hoffnungen, die sich Oberbürgermeister und Stadtwerke-Aufsichtsratsvorsitzender Nicolas Meyer (FWG) für den Fernwärme-Ausbau in Frankenthal macht? Muss er die Rechnung für die Wärmeversorgung mit grüner Energie neu aufmachen? Oder profitieren der Frankenthaler Versorger und sein lokaler Zwilling, die Technischen Werke Ludwigshafen (TWL), womöglich vom Aufschub in Mannheim, weil Vulcan Energy Kräfte für das Mega-Projekt mit der BASF bündelt? „Verzögerungen in Mannheim haben keine Auswirkungen auf das BASF-Projekt – eine Priorisierung eines der Vorhaben ist nicht vorgesehen“, teilt eine Sprecherin auf Anfrage mit. Beide Projekte verfolgten zwar das gleiche Ziel, die Dekarbonisierung in der Region voranzutreiben und nachhaltiges Lithium für die europäische Automobilindustrie zu gewinnen. „Sie unterscheiden sich jedoch in Lage, Partnern und konkreten Anforderungen. Deshalb werden sie unabhängig voneinander mit eigenen Zeitplänen umgesetzt.“

Auch das warme Abwasser aus der BASF-Kläranlage wollen die Stadtwerke in ein nagelneues Fernwärmenetz einspeisen.
Auch das warme Abwasser aus der BASF-Kläranlage wollen die Stadtwerke in ein nagelneues Fernwärmenetz einspeisen.

Im Quartett der vier Player ist Vulcan Energy mit ersten seismischen 2D-Messungen in der Vorderpfalz in Vorleistung getreten. Ziel ist es, Bohrlöcher in relativer Nähe zum BASF-Stammwerk zu lokalisieren, um die Transportwege zu den beiden geplanten Anlagen auf dem Werksgelände und damit die Kosten der Millionen-Investition möglichst niedrig zu halten. Aktueller Stand in der noch frühen Planungsphase: Die gewonnenen Messdaten sollen bis voraussichtlich Ende Juni ausgewertet sein. Sie sind Grundlage für eine vertiefende 3D-Seismik, voraussichtlich im Winter. Dabei sollen die geologischen Tiefenprofile exakter sondiert werden, ehe dann zu konkreten Bohrungen angesetzt wird. „An unserem langfristigen Ziel, die Extraktionsanlage zum Jahrzehntwechsel in Betrieb zu nehmen, halten wir weiterhin fest“, bekräftigt die Vulcan Energy-Sprecherin.

Für Frankenthal, das kommerziell bislang im Wesentlichen mit fossilem Erdgas und -öl versorgt wird, könnte dann das ganze Jahr über aus zwei Richtungen eine Wärme in ein komplett aufzubauendes Verteilernetz fließen, die gewonnen wird, ohne dass das klimaschädliche Treibhausgas CO2 anfällt: aus dem Ludwigshafener Norden über das Joint Venture von BASF und Vuican Energy; und aus dem Frankenthaler Norden, wo das warme Abwasser aus der BASF-Kläranlage gewinnbringend über große Wärmepumpen ausgetauscht werden soll, ehe es abgekühlt in den Rhein fließt. Für diese zweite Großinvestition in Frankenthals Beitrag zur Klimaneutralität hat der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung grünes Licht gegeben.

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