Frankenthal
Gelbe Säcke: So will die FWG in Frankenthal Ordnung schaffen
Die Freie Wählergruppe (FWG) nimmt einen neuen Anlauf, um das Stadtbild von Frankenthal so wenig wie möglich durch den Anblick von Müllsäcken zu verschandeln. Nachdem die stärkste Fraktion im Stadtrat im Sommer mit ihrem Anliegen gescheitert war, das Leichtplastik durch stabile Tonnen zu ersetzen, legt Fraktionsvorsitzende Tanja Mester nun einen Plan B vor. Demzufolge soll die Stadt ein Pilotprojekt starten, in dem sie zunächst in der Innenstadt Erfahrungen mit der Sammlung von abholbereiten Gelben Säcken in einem zentralen Behälter machen soll. In seiner Dimension und Konstruktion ähnelt er den XXL-Wäschekörben in Krankenhäusern.
Einen entsprechenden Antrag stellt die FWG für die nächste Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses Ende November. Die bisherige Lösung zum Deponieren von Kunststoff-, Metall- und Verbundverpackungen steht aus mehreren Gesichtspunkten in der Kritik: Zum einen reißen die Säcke immer wieder auf, der Müll verbreitet sich in den Straßen, Essensreste locken Nager oder Krähen an. Zum anderen reichen die Rollen in der Praxis nicht an jeder Ausgabestelle aus, obwohl der rechnerisch ermittelte Bedarf für Frankenthal abgedeckt ist.
Manchen Verbrauchern sind die Abholintervalle zu lang, andere wollen unauffällig sperrigen Abfall entsorgen, der eigentlich in die kostenpflichtige Restmülltonne gehört. Und in dicht bebauten Gebieten stapeln sich oft schon am Vortag des Abholtermins Säcke an Hauswänden oder an Baumringen. Wenn dann über Nacht Wind aufkommt, findet sich das nicht ausreichend fixierte Abholgut am nächsten Morgen überall, aber nicht vor der Haustür.
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„Sichtbares und hygienisches Problem“
„Gerade in innerstädtischen Bereichen, in denen Aufenthaltsqualität, Einkaufen und Gastronomie aufeinandertreffen, stellen aufgestapelte Gelbe Säcke ein sichtbares und hygienisches Problem dar“, begründet Mester den zunächst begrenzten Aktionsradius für das Pilotprojekt. Ursprünglich wollte ihre Fraktion dieser Entwicklung Herr werden, indem sie im Stadtgebiet von Frankenthal auf die Einführung von Gelben Tonnen hinarbeitete. Eine Mehrheit der Bevölkerung hatte sich in einer von der Stadt in Auftrag gegebenen Umfrage allerdings gegen einen solchen Austausch ausgesprochen. Dagegen sprachen unter anderem das steigende Risiko, bequem Fremdstoffe zu entsorgen und fehlende Stellflächen für einen weiteren Müllbehälter.
Nun haben sich die Freien Wähler andernorts umgeschaut und sind in Geislingen an der Steige bei Stuttgart auf einen Kompromiss zwischen Sack und Tonne gestoßen: Seit Ende Oktober können die gelben Plastiktüten an drei Standorten in der Altstadt in stationären Rollcontainern zwischengelagert werden. Sie haben stabile Seitenwände und eine abschließbare, transparente Eisengittertür. Vorteil für die Müllabfuhr: Sie kann gezielt eine dieser Sammelstellen ansteuern. „Wenn diese Wägen gut angenommen werden, profitieren nicht nur die Anwohner, sondern das gesamte Stadtbild“, erwartet Oberbürgermeister Ignazio Ceffalia (parteilos).
Sammelstelle oder Haustür
Die Sammelboxen sind fest an drei Adressen verankert und werden jeweils zum Abholungstermin bereitgestellt. Wer sich aus diesen drei Straßen nicht bepackt auf den Weg machen will, dessen Säcke werden weiterhin vor der Haustür aufgelesen. „Die Stadt empfiehlt jedoch ausdrücklich, die neuen Sammelbehälter zu nutzen, um gemeinsam ein sauberes Stadtbild zu schaffen“, appelliert der Geislinger OB. Im Erfolgsfall soll das Sammelnetz ausgeweitet werden.
„Sowohl Anwohnende als auch Gewerbetreibende nutzen die neuen Rollwägen regelmäßig“, berichtet eine Sprecherin der Stadt auf Anfrage. „Wir verzeichnen bislang eine gute Befüllung bei gleichzeitig geringem Anteil an Fehlwürfen.“ Aus der Bevölkerung werde rückgemeldet, dass die Altstadt bereits sauberer wirke. Mit den zentral aufgestellten Wägen sei eine einfache Entsorgungslösung gefunden worden. Die Auswertung des Pilotprojekts laufe bereits. Nächstes Jahr soll dann entschieden werden, ob und in welchem Umfang das Modell auf weitere Zonen in Geislingen ausgeweitet werden könnte.
Über die Gelben Säcke hinaus gibt die Frankenthaler Verwaltung seit Anfang November Textilsäcke aus. Mit den transparenten Großbeuteln reagiert sie auf den angekündigten Rückzug mehrerer Auftraggeber von Altkleidersammlungen, darunter der Malteser Hilfsdienst. Wegen der stetig sinkenden Qualität und des Preisdrucks auf dem Markt ist diese Einnahmequelle nicht mehr lukrativ für sie. Weil Verbraucher aber einen gesetzlichen Anspruch auf kostenlose Entsorgung von Alttextilien haben, bereitet sich die Stadt nun auf die Übernahme dieser Pflichtaufgabe vor.