Frankenthal
Fußball: Bezirksligist VfR Frankenthal mit dünnem Sturm und viel Potenzial
Der Anfang ist gemacht, jetzt darf es gerne ein bisschen mehr sein: Wenn Fußball-Bezirksligist VfR Frankenthal am 3. August (15 Uhr) gegen den ASV Maxdorf die Saison eröffnet, sind die Ambitionen schon andere als in der vergangenen Spielzeit als Aufsteiger. Und das, obwohl einige Leistungsträger den Verein verlassen haben.
Tim Graf macht einen entspannten Eindruck. Eigentlich war ja gar nicht geplant, dass er als Trainer federführend im Ostparkstadion ist. Doch Uwe Rebholz, vom Landesligisten VfR Grünstadt nach Frankenthal gewechselt, ist beruflich dermaßen eingespannt, dass Graf jetzt „in die Bütt“ darf – mit Rebholz als Co-Trainer an der Seite. Doch auch diese interne Umverteilung von Aufgaben macht Tim Graf, der vom SV Pfingstweide zum VfR kam, nicht nervös.
Er freut sich auf die Runde, peilt einen Platz unter den ersten Sechs an. „Und wenn wir Siebter werden, geht die Welt auch nicht unter“, sagt Graf, der aktuell noch an einem Muskelfaserriss im Oberschenkel laboriert und damit den Saisonstart gegen Maxdorf wohl verpasst. Er wolle kein Risiko eingehen, einer etwaigen noch längeren Pause aus dem Weg gehen. „Man muss realistisch sein“, betont Graf. Die Mannschaft brauche nach dem Personalwechsel noch eine Findungsphase. Mit einem guten Start könne aber eine gewisse Eigendynamik entstehen. Nach dem Auftakt gegen den ASV Maxdorf hat der VfR zwei weitere Heimspiele: gegen Südwest Ludwigshafen und die VTG Queichhambach. Erst am 24. August geht es im ersten Auswärtsspiel zum ESV Ludwigshafen.
Der Kader habe viel Potenzial. Die Mischung stimme. Es seien einige Junge dabei wie David Blarr, Marvin Bonomo und Nico Ksinzik, aber eben auch Akteure wie Rebholz und er mit der nötigen Erfahrung. Lediglich im Sturm ist die Personaldecke etwas dünn. Erst recht nach dem Abgang von Florian Kaiser, der zum Nachbarn DJK Schwarz-Weiss Frankenthal (A-Klasse Rhein-Pfalz) gewechselt ist. Aber der war auch eher als Spielmacher hinter den Spitzen eingesetzt.
Said Qadiry könnte das Loch vorne stopfen, meint Graf. „Matteo Randazzo kann vorne Bälle halten, ist aber kein klassischer Strafraumspieler“, erläutert der Coach. Auch Timucin Sürmen und Francisco Cetin gehören zur Offensivfraktion. „Mit diesem Vierer-Paket wollen wir den Sturm abdecken“, erläutert Graf. Das Kollektiv solle es richten. Stoßstürmer Nexhat Hajra, der die komplette vergangene Saison verletzt verpasste, ist noch nicht wieder so weit. Aber bis 31. August könne man ja noch nachbessern, meint Graf.
Die Spielmacherrolle soll Enes Sen übernehmen. Auch Uwe Klockner und Can Citak, ebenfalls beide mit Graf aus der Pfingstweide in den Ostpark gekommen, und Jacin Bensid sollen die Schaltzentrale mit ihrer Kreativität beleben. Auf den Flügeln sollen dann Graf, Fatjon Syla, Patrick Mann und Giuseppe Moncada für Betrieb sorgen. Letzterer hat in der vergangenen Saison auch nachhaltig unter Beweis gestellt, dass er weiß, wo das Tor steht. „Er ist extrem wendig, klein und hat so einen niedrigen Schwerpunkt“, zählt Graf Moncadas Vorzüge auf.
Als Innenverteidiger sollen Rebholz, Halil Kaya, Patrick Corell und Sven Weber (ebenfalls neu vom SV Pfingstweide) den Laden dicht halten. Auf den Außenverteidigerpositionen sieht Graf den VfR mit Nico Ksinzik, David Blarr, Fatih Sezgin und Florian Braun ebenfalls gut aufgestellt. Graf selbst könne notfalls hinten links spielen, Rebholz könne im defensiven Mittelfeld aushelfen. „Wir sind auf vielen Positionen variabel besetzt“, betont Graf. Jason Tack ist nach schwerer Verletzung ebenfalls wieder auf dem Weg der Besserung. Für die erste Mannschaft reiche es aber noch nicht, sagt der Coach. Die Defensivabteilung des VfR muss in dieser Runde ohne Tobias Winsel auskommen. Er wechselte zur DJK Eppstein in die A-Klasse.
In der Breite und qualitativ wohl am besten besetzt ist der VfR-Kader auf der Torhüterposition. „Uns stehen für die erste und zweite Mannschaft vier Keeper zur Verfügung“, sagt Tim Graf. Devin Karyagdi war in der vergangenen Spielzeit Stammkeeper. Eine Einsatzgarantie ist das aber nicht. Mit Marvin Bonomo ist aus der A-Jugend ein guter Torwart nachgerückt. Auch David Czerwinski, der nach langer Verletzungspause in der vergangenen Saison als Torwart der zweiten Mannschaft wieder den Anschluss geschafft hat, und Tobias Wilk buhlen um den Platz zwischen den Pfosten.
Vom System her bevorzugt er zwei Varianten: 4-4-2 und 4-2-3-1. „Je nachdem, wer gerade verfügbar ist“, meint Graf vielsagend und lächelt. Er lege wert darauf, früh zu stören. Heißt: Auf seine Spieler kommt viel Laufarbeit zu. „Stimmt. Wir müssen konditionell topfit sein“, betont er. Die Trainingsbeteiligung in der Vorbereitung sei gut gewesen. 16 bis 18 Mann habe die Gruppe regelmäßig umfasst. 27 Mann gehörten zunächst zum Kader. 23 oder 24 soll er während der Saison umfassen.
Als Kandidaten für den Aufstieg hat Tim Graf den BSC Oppau, die TSG Jockgrim und den FSV Schifferstadt ausgemacht. Wenn es um die unteren Regionen geht – es wird wieder vier Absteiger geben – hat er den ESV Ludwigshafen, die VTG Queichhambach und den im Umbruch befindlichen Ludwigshafener SC auf dem Zettel. Neuling SC Bobenheim-Roxheim traut er einen Platz im gesicherten Mittelfeld zu. Das erste Derby zwischen den beiden findet am 1. September im Ostparkstadion statt. Ob Tim Graf dann auch noch so entspannt ist?