Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel FSV bietet erstmals Schwimmtraining für hörgeschädigte Kinder an

Sich lang strecken, die Beine wie ein Frosch bewegen, das lernen die Kinder im Alter von sechs bis neun Jahren bei ihrer gehörlo
Sich lang strecken, die Beine wie ein Frosch bewegen, das lernen die Kinder im Alter von sechs bis neun Jahren bei ihrer gehörlosen Trainerin Gerda Reinhard.

Seit Beginn des Schuljahres bietet der Frankenthaler Schwimmverein (FSV) gehörlosen oder hörgeschädigten Kindern die Möglichkeit, schwimmen zu lernen. Mit Gerda Reinhard steht dem Verein dabei die erste Trainerin zur Verfügung, die selbst gehörlos ist.

Vor dem Training treffen sich alle im Vorraum des Ostparkbads. Wo mehrere Kinder aufeinander treffen, geht es sonst recht laut zu. Das ist am Dienstagabend anders. Wild gestikulierend kommunizieren die Sechs- bis Neunjährigen untereinander oder begrüßen ihre Trainerin. Gerda Reinhard hat Anfang des Jahres die Trainerlizenz erworben, um gehörlosen oder hörgeschädigten Kindern das Schwimmen beizubringen.

Insgesamt 15 Kinder hatten sich zum Kurs beim FSV angemeldet, fünf für den Kurs am Dienstag und sechs für jenen am Donnerstag. Später gibt es einen weiteren Kurs mit vier Kindern. Wo sonst die Geräuschkulisse recht hoch ist, nimmt der Beobachter an diesen Trainingstagen lediglich Geräusche, die das Wasser verursacht, wahr. Zunächst halten sich alle am Beckenrand des Nichtschwimmerbeckens fest und zappeln mit den Beinen. Spielerisch zeigt die Trainerin, wie die Beinbewegung richtig ausgeführt wird, dabei sind stets die Augen aller Kinder auf sie gerichtet. Den Kleinen macht es sichtlich Spaß, später noch mit bunten „Styropornudeln“ in dem nassen Element zu üben.

Reinhard hat Unterstützung durch Hannah Reutter, eine weitere Trainerin des FSV, die in einem Notfall nach Hilfe rufen kann. Der Wunsch der Frankenthalerin war es, mit maximal sechs Kindern pro Training zu arbeiten. Die Kurse der Stadtwerke sind normalerweise mit acht Kindern belegt und gehen über sechs Wochen. „Da sich so viele gemeldet hatten, wurden die Kurse der beeinträchtigten Kinder geteilt und dauern dadurch zwölf Wochen“, berichtet Rico Sauer, sportlicher Leiter des FSV. Sie kommen so auf die gleichen Trainingseinheiten.

Dozentin am PIH

Die 52-Jährige ist Dozentin für Gebärdensprache am Pfalzinstitut für Hören und Kommunikation in Frankenthal. In den Niederlanden, ihrer Heimat, war sie aktive Schwimmerin. Seit 1998 ist Reinhard im FSV, trainiert seither bei den Senioren. Seit 2017 ist sie Mitglied im Sportverein für Gehörlose (GSV) Heidelberg und gleichzeitig Leiterin der dortigen Schwimmabteilung.

Die Idee, für hörgeschädigte Kinder Schwimmkurse anzubieten, hatte Sauer Anfang des Jahres. Reinhard hatte sich sofort bereiterklärt, die neue Aufgabe zu übernehmen. Eine Förderung der Aktion Mensch ermöglichte es, die Kosten für Dolmetscher zu tragen und damit den Trainerschein zu erwerben.

Mit dem erweiterten Schwimmkursangebot des FSV erklärten sich die Stadtwerke als Betreiber des Bades einverstanden. Jedoch unter der Bedingung, dass auch hörenden Kindern Schwimmkurse angeboten werden. Reinhard selbst verständigt sich mittels Gebärdensprache. Mit den anderen Trainern im Frankenthaler Schwimmverein kommuniziert sie in Schriftform, „was ganz gut klappt“, wie Sauer versichert.

Erfolgreiche Platzierungen

In der Welt der Gehörlosen und Hörgeschädigten ist Augenkontakt besonders wichtig, da sich die Trainerin nicht auf andere Weise bemerkbar machen kann. Einige tragen ein sogenanntes Cochlea Implantat (CI). Es ist eine Art Hörprothese, mit der nicht alle Frequenzen umgesetzt werden, aber ein Hörergebnis von etwa 30 bis 60 Prozent erzielt wird.

In einer der Gruppen ist ein sogenanntes Coda-Kind. Es ist hörend, wächst jedoch mit gehörlosen Eltern auf. Diese Kinder leben sozusagen in einer stillen Welt, die auf Körpersprache und Augenkontakt basiert. Gleichzeitig in der Welt der Hörenden, mit Geräuschen und Sprache. Sie fungieren häufig als Kommunikator oder Übersetzer zwischen den beiden „Welten“.

Auch Reinhards zwölfjährige Tochter Lilia und der 17-jährige Danylo aus der Ukraine, beide hörgeschädigt, sind seit etwa einem Jahr ins Training der Leistungsschwimmer im FSV integriert. Sauer ist Trainer des älteren Danylo und berichtet, er habe sich einige Gebärden angeeignet. „Muss ich an seinem Schwimmstil etwas korrigieren, wird das am Beispiel von Mannschaftsmitgliedern übermittelt“, klärt er auf.

Beide Schwimmer starten inzwischen sowohl bei Wettkämpfen des Deutschen Schwimmverbandes, als auch bei der Deutschen-Gehörlosen-Meisterschaft und weisen bereits erfolgreiche Platzierungen auf.

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