Frankenthal
Frohsinn der besonderen Art: Theater-Fasching im TAW
An Fasnacht scheiden sich die Geister: Die Einen lieben die fünfte Jahreszeit mit ihren Sitzungen und Umzügen, die Anderen kann man mit institutionalisiertem Frohsinn eher jagen. Dass zwischen den Extremen noch ordentlich Luft ist für kreative Ideen, bewies der TAW-Theater-Fasching: Feiern für Individualisten.
Fast alle Besucher waren kostümiert. Ein buntes Völkchen aus Gangstern und Charleston-Girls, Clowns und Cowboys, Hippies, Hexen und Katzen bevölkerte das Foyer. TAW-Chef Jürgen Hellmann empfing die Gäste stilecht in Zylinder und Lila-Laune-Dress und schwor sein Publikum ein auf ein zweistündiges Nonstop-Programm mit anschließender Party.
Karnevalistisches Grundwissen
Auf der Bühne machte sich eine resolute Putzfrau (Marion Barchet) zu schaffen und gab dem bekennenden Faschings-Anfänger Hellmann Einstiegshilfe in karnevalistischem Grundwissen. Mit den ersten „Helau“- und „Ahoi“-Chören für die Närrinnen und Narren wurde das Theater zur Narrhalla, „der Stätte, wo Narren sich frei fühlen und feiern können“.
Den Anfang machte „Fräulein Breuer“ aus der Kult-Revue „Tipitipitipso“: Chic im Petticoat sang Maria Breuer von Paris als Stadt der Liebe und brachte mit dem Trude-Herr-Klassiker „Ich will keine Schokolade“ das Publikum zum Mitsingen. Als „Fraa Zickig und Fraa Schnippisch“ plauderten die Schwestern Sandra Kraushaar und Marion Barchet unverblümt mitten aus dem Leben. Sie erzählten von Wespentaillen und Hummelhüften, sangen vom Schlemmen und Sündigen und mischten ihr Publikum beim Mitmach-Song „Das Vögelein vom Titicacasee“ tüchtig auf. Auf Interaktion setzte auch „Bayerin“ Elke Precht, die in einem Gstanzl den Mythos vom bayerischen Supermann entzauberte, ehe sie die Liebhaber-Qualitäten Pfälzer Männer feierte.
Begeisterndes Musical
Als Schmetterling geflattert kam Astrid Sturm und erzählte selbstironisch von den Wechseljahren, von Erlebnissen im Waxing-Studio und Freundinnen im Smoothie-Fieber. „Ferz vum Gutsel-Doktor“, ein verlorenes Gebiss und Rheumazäpfchen im Ohr: Den deftigen Humor seiner hochbetagten Bühnenfigur „Apollonia“ zelebrierte Frank Barchet aus Neuhofen.
Bei Musik-Raterunden und Mitmach-Tänzen war das Publikum immer wieder gefordert und TAW-Leiter Jürgen Hellmann als Animateur in seiner Paraderolle. Höhepunkt des Programms war die Showgruppe „Musicalfieber“ aus Neuhofen unter Leitung von Sandra Kraushaar. Die zwölf Laiendarsteller zwischen sechs und 60 Jahren begeisterten durch mitreißende Choreografien in opulenten Kostümen. Sie zeigten Ausschnitte aus „Aladin“, „Mary Poppins“ und „Die Eiskönigin“ in Playback.
Party bis Mitternacht
Bis zur Pandemie hatte während der Fasnacht jedes Jahr die Travestie-Revue „Viktor/Viktoria“ Theaterfreunde und Faschingsmuffel ins TAW gelockt. Nach Auflösung der Truppe und dreijähriger Coronapause war es Zeit für ein neues Format, das die beiden TAW-Schauspieler und langjährigen Fasnachter Marion und Frank Barchet mit Bravour und vielen Gleichgesinnten umsetzten. Nach zwei Stunden Bühnenprogramm Nonstop startete die Party im Foyer. Das Theater-Team verköstigte die Narren mit Platten voller Schnittchen, TAW-Chef Hellmann gab den DJ und lockte mit Schlagern und Oldies ein feierfreudiges Völkchen auf die Tanzfläche. Die Künstler mischten sich unter die Gäste, und es wurde bis Mitternacht gesungen und getanzt. Das Publikum, viele davon TAW-Stammgäste, war rundum begeistert. „Das Musical war der Hit“, bescheinigten Birgit Tröndle aus Gerolsheim und Freundin Ute Stochay aus Großkarlbach. „Es war viel mehr als erwartet“, bedankte sich Monika Hochmuth aus Wachenheim. Ihr gefiel vor allem die Mischung aus Comedy, Tanz und spontanem Witz. Premiere geglückt. Neben der Vielfalt des Programms lobten die Besucher die familiäre Atmosphäre. Mit dem Theater-Fasching scheint das TAW ein neues Format erfolgreich auf die Bühne gebracht zu haben.