Frankenthal
Friedrich-Ebert-Realschule: 40 Nationalitäten sorgen für Vielfalt und Lebendigkeit
„Wir arbeiten an unserem Standort trotz erschwerter Bedingungen nachhaltig und effektiv“, sagt Stephan Hirt. Das Umfeld sei wie die Schule selbst – lebendig und lebhaft. Für den Stadtteil im Süden möchte er eine Lanze brechen: „Er ist sehr familiär geprägt – so wie auch unsere Schule. In der zweimal jährlichen Stadtteilkonferenz sind alle Akteure vertreten: von Kita, Grundschule und Realschule bis hin zu Stadtverwaltung, Kirche, Polizei und Beratungsstellen.“ Die Probleme im Viertel würden gemeinsam besprochen und gelöst. „Vielfalt und Lebendigkeit, dafür stehen der Stadtteil und auch die Schule“, ergänzt Marcela Jost. Die pädagogische Koordinatorin hebt die nationale und kulturelle Vielfalt hervor: 40 Nationalitäten drücken in „der Friedrich Ebert“ die Schulbank.
Große Herausforderung
Erschwerte Bedingungen habe die Schule auch aus anderen Gründen: „Weil wir nicht mittendrin in der Stadt sind wie die Gymnasien und die Schiller-Realschule. Und weil die Schüler mit sehr unterschiedlichen Lernvoraussetzungen und zuweilen wenig Unterstützung der Eltern zu uns kommen“, erläutert Hirt. Für das 32-köpfige Kollegium sei es eine große Herausforderung, bei den Schülern die zum Teil erheblichen Wissenslücken zu füllen und sie bis zum Abschluss zu begleiten. Um den geforderten Stand zu erreiche, müssten einige sehr hart arbeiten. Über 40 Prozent der Neuntklässler schaffen den Sprung in die zehnte Klasse. „Angesichts des Niveaus in den Eingangsklassen ist das eine tolle Leistung.“
Vor über 40 Jahren wurde die Schule als Hauptschule eröffnet. „Die Umstellung zur Realschule plus vor zehn Jahren ist gut gelungen“, sagt Hirt. Seine Kollegin Jost war in der Umstellungszeit bereits an der Schule. „Wir hatten von Anfang an volle fünfte Klassen. Die Klientel war gemischt, von Hauptschul- bis Realschulniveau“, erinnert sie sich. Der Übergang sei aus ihrer Sicht reibungslos vonstatten gegangen.
Als gewinnbringend für Stadtteil und Schule gleichermaßen bezeichnet Hirt die bisherigen Kooperationen, „etwa die Paten des Mehrgenerationenhauses, die unseren Schüler Nachhilfe geben. Auf der anderen Seite geben dort Schüler den Senioren Kurse für Smartphones.“ Oder der Kontakt zum Altenheim Pro Seniore: Aus gegenseitigen Besuchen entstand eine Partnerschaft, bei der Schüler Praktika für Pflegeberufe absolvieren können.
Viele Hilfsangebote
Eine weitere Besonderheit: Die drei Eingangsklassen besuchen bis zu 65 Schüler, die aus Frankenthal und dem Raum Ludwigshafen kommen. „Ab der sechsten Klasse wächst der Jahrgang auf etwa 75 Schüler“, sagt Hirt. Dies liege am starken Zulauf an den Gymnasien – „die sogenannte neue Volksschule, die dann einige Schüler nicht schaffen und dann zu uns wechseln“. Knapp die Hälfte verlässt die Schule nach dem Abschluss der Berufsreife. Einen Ausbildungsvertrag haben dann etwa 20 Prozent in der Tasche, was der Schulleiter darauf zurückführt, „dass unsere Schüler mehr Zeit brauchen, um sich zu entwickeln“. Dabei helfen ihnen spezielle Unterstützungsangebote wie Jobfux, Berufsberater und Praxistage.
Die intensive Begleitung fiel in den Wochen der Corona-Pandemie aus, in denen ausschließlich Onlineunterricht möglich war. „Aber da wir eine kleine und familiäre Einrichtung sind, konnten wir den engen Austausch auf anderen Gleisen fortsetzen“, berichtet Hirts Stellvertreterin Margit Müller. Die Klassenleiter hätten viel mit ihren Schützlingen telefoniert und gemailt. Als unkomplizierte und schnelle Möglichkeit zum Austausch insbesondere mit den jüngeren Jahrgängen habe sich die App Sdui erwiesen. Müller: „Das Kommunikationsportal funktioniert ähnlich wie WhatsApp, das bei Schülern sehr beliebt ist. So kamen alle schnell mit Sdui zurecht.“ Die Ebert-Schule sei mit dieser App Vorreiter in Frankenthal gewesen. „Die Schiller-Realschule hat nach unserem Vorbild das Portal übernommen“, sagt Müller.
Glücksfall WLAN
Dass die Schule technisch sehr gut aufgestellt ist, kam ihr in Zeiten von Corona zugute. In der Realschule wird etwa mit iPads, Laptops und digitalen Tafeln, den sogenannten Whiteboards, gearbeitet. „Auch die digitale Kompetenz der Lehrer ist vorhanden. Es ist ein Vorurteil, dass sich Lehrer damit nicht auskennen. Das kann ich nicht bestätigen“, meint Jost. Es sei eher so, dass Schüler technisch weniger affin sind, „die nutzen moderne Medien eher konsumorientiert“.
Im Zuge der Brandschutzsanierung wurde in den Osterferien im Gebäude WLAN installiert, was sich als Glücksfall herausstellte. So konnten die Lehrer in den Wochen der Schulschließung den Onlineunterricht zuverlässig anbieten. Stolz ist Müller, dass der Präsenzunterricht nun für alle Schüler täglich drei Stunden lang angeboten wird. „Ich kenne nur Schulen, in denen die Gruppen wochenweise tauschen.“ Der tägliche „echte“ Unterricht tue den Jugendlichen gut. Das bestätigten auch die Eltern. Ganztagsunterricht sei vorerst nicht möglich gewesen.
Wie der reguläre Unterrichtsbetrieb nach den Sommerferien ablaufen soll, ist noch unklar. Derzeit überprüfen die Lehrer, wie weit die Schüler in der Zeit des Onlineunterrichts gekommen sind und wo es Versäumnisse gibt. Insgesamt 20 bis 25 Schüler werden ihre Klasse freiwillig wiederholen, schätzt die pädagogische Koordinatorin. Für die höheren Klassenstufen hält die Schulleitung demnächst ein attraktives Angebot bereit – im ehemaligen Bungalow des Hausmeisters werde ein Aufenthaltsraum eingerichtet.
Zur Sache: Frankenthals Realschulen
Zwei Realschulen plus gibt es in Frankenthal. Mit 950 Schülern ist die Friedrich-Schiller-Schule die größere der beiden. Sie arbeitet nach dem kooperativen Konzept: Ab der siebten Klasse werden die Jugendlichen in abschlussbezogene Klassen eingeteilt, die entweder zur Berufsreife (nach der neunten Klasse) oder zum Mittleren Schulabschluss (Sekundarabschluss 1 nach der zehnten Klasse) führen. Angeschlossen ist eine zweijährige Fachoberschule (FOS), deren Absolventen die allgemeine Fachhochschulreife erwerben können. In der Friedrich-Ebert-Realschule plus ist das Konzept integrativ: Die aktuell 380 Schüler bleiben durchgängig im Klassenverband und werden nur in den Fächern Englisch und Mathematik im Kurssystem differenziert unterrichtet.