FRANKENTHAL RHEINPFALZ Plus Artikel Friedrich-Ebert-Grundschule: Räume werden knapp

Tablets nutzen Schülerinnen wie Sophie (links) beim Mathe-Unterricht in Klasse 3b mit Lehrerin Martina Schroth.
Tablets nutzen Schülerinnen wie Sophie (links) beim Mathe-Unterricht in Klasse 3b mit Lehrerin Martina Schroth.

Die Anmeldezahlen an der Friedrich-Ebert-Grundschule in Frankenthal gehen kräftig nach oben. Räume aber werden knapp. So könne es nicht weitergehen, warnen Lehrkräfte. Die Stadtverwaltung lässt nun die Frage „Erweiterung oder Neubau“ prüfen.

Zwei Zahlen sorgten im Juni im städtischen Schulträgerausschuss für Aufsehen: Die Anmeldungen fürs neue Schuljahr an der Friedrich-Ebert-Grundschule sind gegenüber dem Vorjahr um 24 auf 101 Schüler gestiegen. „Wir haben jetzt 19 Klassen mit 368 Schülern“, sagt Konrektor André Staudinger im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Erfahrungsgemäß könne sich dieser Stand noch verändern. „Während des Schuljahrs gibt es viele Zuzüge“, erklärt der stellvertretende Schulleiter.

Zum besonderen Profil von Frankenthals größter Grundschule im Süden der Stadt mit etwa 50 Lehrern und pädagogischen Kräften gehört der Ganztagsunterricht in Angebotsform; etwa 240 Kinder nehmen daran teil. Die Ebert-Grundschule ist eine bilinguale (zweisprachige) Schule; das heißt: Teile des Unterrichts finden in englischer Sprache statt mit dem Ziel, Schülern Grundkenntnisse dieser Sprache beizubringen. „Top“ sei das aus Sicht vieler Eltern, sagt Konrektor Staudinger; „darauf werden wir immer wieder angesprochen“. Einen weiteren Schwerpunkt bilden naturwissenschaftliche und technische Themen. Seit 2016 trägt die Ebert-Schule die Auszeichnung „MINT-freundliche Schule“; dabei stehen die Großbuchstaben für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

Mehr auffällige Kinder

Die Grundschule ist zudem Schwerpunktschule; das heißt, sie nimmt auch Schüler mit besonderem Förderbedarf auf. 20 Kinder gehörten zurzeit zu dieser Gruppe, erläutert Nicole Timmerhues, Lehrerin und Vorsitzende des Personalrats. „Soweit wie möglich“ werde ihre Förderung mit dem „normalen“ Unterricht gekoppelt; der damit verbundene – auch personelle – Aufwand sei aber hoch. Es zeichne sich ab, dass der Anteil der Kinder, die nicht nur Lernprobleme hätten, sondern auch „sozial, emotional auffällig“ seien, weiter steigen werde, stellt Konrektor Staudinger fest. Bedauerlich sei, dass es in Frankenthal keinen Schulkindergarten mehr gebe, der gerade dieser Gruppe bei der Vorbereitung auf den Grundschulbesuch helfen könnte

Das sehr differenzierte Angebot, zu dem auch noch 27 Arbeitsgemeinschaften gehören, bei wachsenden Schülerzahlen weiter aufrecht zu erhalten, werde angesichts der begrenzten Raumkapazitäten immer schwieriger, sagen Staudinger und Timmerhues. Mehrfach schon habe man in zurückliegenden Jahren Räume mit zusätzliche Klassen belegen müssen, die ursprünglich für andere Zwecke vorgesehen seien.

Ausgelagert ins ÖGZ

So sei etwa aus einem bisherigen „Förderraum“ speziell für Schüler mit Förderbedarf ein „normaler“ Klassensaal geworden – allerdings mit kleinerer Grundfläche als sonst üblich. Für solche improvisierten Verschiebe-Aktionen gebe es jedoch Grenzen, unterstreichen die Lehrer. Ganz „ausgelagert“ werden musste bereits die Betreuung von zurzeit 44 Schülern zu Zeiten vor und nach dem Unterricht (7.30 bis 8 Uhr und 13 bis 14.30 Uhr): Sie findet jetzt im benachbarten Ökumenischen Gemeindezentrum Pilgerpfad statt.

Das Jahrzehnte alte Schulgebäude ist Quelle weiterer Probleme. Im Sommer stiegen die Temperaturen im Haus wegen unzureichender Isolation erheblich an, sagt Nicole Timmerhues. Das „von 8 bis 16 Uhr auszuhalten, ist für die Kinder nicht mehr erträglich“. Ein Dauerthema sei auch der fehlende Schallschutz – die Lautstärke auf den Fluren und auch in der Mensa sei „kaum noch auszuhalten“. Die Mensa, in der der Platz ebenfalls knapp wird, ist ohnehin ein Sanierungsfall – wegen eines Wasserschadens, der das ganze Fundament betreffe.

Schulsport eingeschränkt

Probleme gibt es zudem beim Schulsport. Die gemeinsam mit der Friedrich-Ebert-Realschule plus genutzte Sporthalle könne lediglich in zwei Felder aufgeteilt werden, erklärt die Personalratsvorsitzende Timmerhues. „Mit der Realschule zusammen sind das 750 Schüler“, die auf diese Halle angewiesen seien. Die Kapazitäten reichten aber nicht. Folge: „Die Kinder haben oft nur zwei statt drei Stunden Sport pro Woche.“

Die Stadtverwaltung sei sich dieser Probleme bewusst, signalisiert auf Nachfrage Schuldezernent Bernd Leidig (SPD). Er erinnert daran, dass die Arbeiten am Kindertagesstätten- und Schulentwicklungsplan vor dem Abschluss stünden. Man werde dieses Konzept dann „in den Grundschulen und den weiterführenden Schulen vorstellen“.

Dass es speziell an der Friedrich-Ebert-Grundschule angesichts weiter steigender Schülerzahlen Raumprobleme gebe, wisse man, erklärt der Beigeordnete. Eine „Wirtschaftlichkeits- und Machbarkeitsstudie“ solle nun Antworten auf die Frage liefern, ob eine Erweiterung oder ein Neubau in diesem Fall die bessere Lösung wäre. Dabei müsse man auch Grundschule und Realschule zusammen in den Blick nehmen, denn beide nutzten ja Mensa und Sporthalle gemeinsam. Die notwendigen Finanzmittel für die angesprochene Studie seien für den kommenden Haushaltsplan 2021 „angemeldet“, ergänzt die städtische Pressestelle dazu.

Botschaft „angekommen“

Dass man sich gewünscht hätte, dass die Stadt die angesprochenen Probleme frühzeitiger aufgegriffen hätte, lassen die Sprecher der Lehrerschaft erkennen. Denn Hinweise darauf habe es immer wieder gegeben, auch durch den „sehr engagierten Schulelternbeirat“ (Timmerhues). Ausdrücklich begrüßen der Konrektor und die Personalratsvorsitzende aber die Tatsache, dass die Verwaltung das Thema nun angeht. „Es ist jetzt angekommen, das was passieren muss“, sagt Konrektor Staudinger. Die Zusammenarbeit mit der Stadt habe sich deutlich verbessert. „In der Planungsphase soll die Lehrerschaft eingebunden werden. Wir sind da auf einem guten Weg.“

Mit einem kleineren Saal als üblich muss Klasse 1b auskommen. Hier eine Szene vom Unterricht mit Nicole Timmerhues.
Mit einem kleineren Saal als üblich muss Klasse 1b auskommen. Hier eine Szene vom Unterricht mit Nicole Timmerhues.
Setzen auf verstärkten Dialog mit der Stadt: Konrektor André Staudinger und Personalratsvorsitzende Nicole Timmerhues.
Setzen auf verstärkten Dialog mit der Stadt: Konrektor André Staudinger und Personalratsvorsitzende Nicole Timmerhues.
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