Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Friedhöfe: Urnengräber werden teurer

Rund 1,6 Millionen Euro Kosten fallen – ohne die Pflege der Grünflächen – jährlich für den Betrieb der Frankenthaler Friedhöfe a
Rund 1,6 Millionen Euro Kosten fallen – ohne die Pflege der Grünflächen – jährlich für den Betrieb der Frankenthaler Friedhöfe an.

Für die Frankenthaler sind die fünf Friedhöfe der Stadt Orte der hoffentlich liebevollen Erinnerung an verstorbene Angehörige. Für den Eigen- und Wirtschaftsbetrieb, der sich um deren Verwaltung und Pflege kümmert, sind sie auch ein Kostenfaktor. Nach sieben Jahren gibt es jetzt ein neues Gebührenmodell.

Losgelöst von emotionalen Aspekten des Sterbens und der Trauer: Der Tod kostet nicht nur das Leben, sondern auch Geld. Zuletzt reichten die Einnahmen des Eigen- und Wirtschaftsbetriebs (EWF) aus Gebühren für Bestattungen, Grabnutzung und Dienstleistungen gerade noch, um etwas mehr als 50 Prozent der Gesamtkosten zu decken. Der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD), die über die Haushalte von Städten, Gemeinden und Kreisen wacht und damit auch über die Wirtschaftspläne kommunaler Unternehmen, war das ein Dorn im Auge. Unter anderem deshalb hat der Stadtrat Ende vergangenen Jahres den Grundsatzbeschluss für ein neues Gebührenmodell gefasst und als Ziel einen Kostendeckungsgrad von 85 Prozent ausgegeben.

Wechsel zum Kölner Modell

Das Konzept inklusive der Satzungen, für die Betriebsausschuss und Stadtrat kommende Woche grünes Licht geben sollen, hat der EWF am Mittwoch im Congress-Forum den vier Ortsbeiräten vorgestellt. Über alle Gebührensätze hinweg kommt der Eigenbetrieb auf 86,7 Prozent gedeckte Kosten. Ein Kniff dabei: der Wechsel zum sogenannten Kölner Modell. Das legt nicht mehr die genutzte Fläche als Kriterium für die Summe fest, die für eine Urnen- oder Sargbestattung zu bezahlen ist, sondern nimmt auch Personal und Infrastruktur und damit verbundene Kosten in den Blick.

Bürgermeister Bernd Knöppel (CDU) sprach vor den Kommunalpolitikern aus Eppstein, Flomersheim, Mörsch und Studernheim von einem aus seiner Sicht „ausgewogenen Vorschlag“. Dass die Gebühren für konventionelle Gräber unverändert blieben, die Beisetzung in Urnen dafür teurer würde, sei sinnvoll. Das Ziel dabei: den Trend zur Feuerbestattung nicht mit deutlich günstigeren Konditionen noch zu verstärken. Bei der Höhe der nun veranschlagten Sätze habe sich der EWF an benachbarten Kommunen orientiert – auch wenn Vergleiche etwa wegen unterschiedlicher Laufzeiten für die Grabnutzung immer etwas schwierig seien. „Wir wollen eine Abwanderung verhindern“, sagte Knöppel.

38 Prozent Grünfläche

Nach dem Trend beispielsweise zu Bestattungen in einem der Friedwälder in der Region erkundigten sich am Mittwochabend mehrere Ortsbeiratsmitglieder. Den gebe es zwar trotz der teils sogar höheren Preise, nicht wenige aber bedauerten ihre Entscheidung nach kurzer Zeit, berichtete der Bürgermeister. Als Gründe seien ihm die längere Fahrt für Besuche und fehlender Komfort genannt worden, so Knöppel. Der EWF denkt ihm zufolge darüber nach, Baumbestattungen zu ermöglichen – „um dem Wunsch danach Rechnung zu tragen“.

Nicht in die Kalkulation einbeziehen darf der Eigenbetrieb die Pflege der Grünflächen dort. Diese Kosten seien „in mühevoller Kleinarbeit“ für die vier Vorort-Friedhöfe und auch den parkähnlich angelegten Hauptfriedhof herausgerechnet worden, erklärte Abteilungsleiterin Marietta Mayer. Nach ihren Angaben macht das 38 Prozent der Gesamtfläche aus. Zu der von Gerhard Bruder (Grüne/Flomersheim) monierten Höhe der Verwaltungskosten sagte Mayer, dass alle Möglichkeiten beispielsweise künftig in Form einer neuen Software genutzt würden. Tatsächlich bedeute aber die Betreuung von fünf Friedhöfen auch einen gewissen Aufwand – personell und verwaltungsmäßig.

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