Frankenthal
Frankenthal: Trinkwasser kostet jetzt etwas mehr
Die Stadtwerke Frankenthal haben zum 1. Oktober ihren Wasserpreis erhöht; sie begründen das mit geplanten umfangreichen Investitionen. Im Geschäftsjahr 2018 erzielte der Versorger einen Jahresüberschuss von rund 5,4 Millionen Euro. Wegen des milden Winters war der Absatz von Erdgas weiter rückläufig.
„Wir behaupten uns in einem schwierigen Marktumfeld ganz gut“, sagte der Vorsitzende des Stadtwerke-Aufsichtsrats, Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU), bei der Vorlage des Jahresabschlusses 2018. Die Werke hätten „ein ordentliches Ergebnis hingelegt“. Allerdings sei die Identifikation der Bürger mit dem heimischen Unternehmen nicht mehr ganz so ausgeprägt wie früher. „Wir müssen uns der Konkurrenz stellen“, erklärt Hebich. Dabei müsse man aber auch deutlich sagen, dass manches, was an Lockangeboten von Konkurrenten komme, „zum Teil nicht wirtschaftlich tragfähig“ und daher auch aus Verbrauchersicht kritisch zu sehen sei.
„Monatlich vier Euro mehr“
Für den Kubikmeter Trinkwasser (1000 Liter) müssen die Stadtwerke-Kunden künftig zwei Euro zahlen; bisher lagen die Bruttokosten bei 1,71 Euro. Der Jahres-Grundpreis für den Haushaltszähler erhöht sich von 81,21 auf 89,68 Euro. Das entspricht Steigerungen um 17 beziehungsweise 10,4 Prozent. Die Folgen dieser ersten Preisanhebung seit 2016 seien für die Kunden gleichwohl überschaubar, meint Melanie Brünner, bei den Werken für Marketing und Presseinformationen zuständig: „Der Durchschnittshaushalt zahlt monatlich vier Euro mehr.“
Geschäftsführer Thomas Bollheimer begründet die Preisanhebung mit notwendigen erheblichen Investitionen in diesem Geschäftsfeld. So müsse am Wasserwerk Nord ein neuer Tiefbrunnen „als Ersatz für ältere Anlagen“ gebaut werden; erfahrungsgemäß lägen die Kosten für ein solches Projekt bei rund einer Million Euro. „Die Hauptleitung nach Bobenheim-Roxheim haben wir schon erneuert“, hält Bollheimer fest; „das war sehr aufwendig.“ 476 Kilometer lang ist das Netz der Wasserleitungen im Versorgungsgebiet der Werke. Um diese Infrastruktur leistungsfähig zu halten, müsse man sie rechtzeitig modernisieren.
Für das Geschäftsjahr 2018 weisen die Werke einen Gesamtumsatz von 97,8 Millionen Euro aus, etwas weniger als für das Jahr zuvor (100,2 Millionen Euro). Der Betriebsgewinn nach Steuern ist dagegen um mehr als ein Drittel gestiegen: von knapp vier Millionen auf rund 5,4 Millionen Euro. Begründet wird dies im Wesentlichen nicht mit dem Geschäftsverlauf, sondern mit „Sondereffekten“: Man habe umfangreiche Rückstellungen aufgelöst, erklärt Bollheimer. Denn bestimmte Risiken, für die man Vorsorge getroffen habe, bestünden so nicht mehr.
Neubau für die Verwaltung
„Wir sind den anderen Gesellschaftern dankbar, dass wir zwei Millionen Euro in die Rücklage überführen können“, hält Aufsichtsratschef Hebich fest. Auch mit Blick darauf verweisen er und Bollheimer auf geplante Investitionen. Vorarbeiten für das markanteste Großprojekt sind bereits angelaufen: Das angejahrte Verwaltungsgebäude der Werke an der Wormser Straße soll durch einen Neubau auf dem Gelände direkt südlich angrenzend ersetzt werden. „Nach zehn Jahren Planung müssen wir da endlich zu Potte kommen“, unterstreicht Hebich. Baustart solle Anfang 2020 sein, erklärt Bollheimer. Nähere Einzelheiten zu dem Vorhaben, etwa zu den erwarteten Kosten, wollen die Werke aus „vergaberechtlichen Gründen“ noch nicht bekanntgeben.
Der mit Abstand größte Umsatzträger der Werke ist der Verkauf von Strom: 2018 erzielten sie damit Einnahmen von 66,7 Millionen Euro; das waren 0,8 Prozent weniger als 2017. Dennoch stieg der Jahresüberschuss in dieser Sparte deutlich auf 3,9 Millionen Euro (Vorjahr: 2,8 Millionen Euro). Man sei „zufrieden, dass wir den ganz überwiegenden Teil“ der Haushalte im Versorgungsgebiet beliefern könne, hält Bollheimer dazu fest; es handle sich um ein „sehr stabiles Geschäft“.
Neue Beziehungen zu Kunden könnten sich für die Stadtwerke ab Anfang 2020 ergeben: „Dann fallen die ersten Öko-Stromanlagen aus der Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) heraus“, erläutert Thomas Bollheimer. Das heißt: Privat etwa über eine Solaranlage erzeugter Strom, der bisher zu einem Festpreis abgenommen wurde, kann dann nur noch über den freien Markt verkauft werden. Die Werke seien offen für eine Zusammenarbeit mit Privaten, signalisiert der Geschäftsführer, „aber wir können dann nicht mehr als Marktpreise bieten“.
Gasverkauf geht zurück
Den Stromverkauf an Großkunden der Industrie außerhalb des Versorgungsgebiets wollen die Frankenthaler Werke 2020/21 auslaufen lassen. Diese Entscheidung sei Ergebnis einer neuen Risikobewertung, erklärt Bollheimer. „Die Margen sind rückläufig, und wenn ein Kunde insolvent wird, besteht ein enormes Risiko.“ Bisher habe man noch keinen großen Zahlungsausfall erlebt. Aber es gelte: „Wenn Sie 30 bis 40 Industriekunden haben, und einer fällt durch Insolvenz aus, dann ist der mit allen anderen erzielte Gewinn verloren.“
„Deutsche sparen Wasser“
Mit dem Verkauf von Gas erreichten die Werke 2018 einen Umsatz von 16 Millionen Euro; das waren rund zwei Millionen weniger als 2017. Der Jahresüberschuss in dieser Sparte sank von 4,1 auf rund drei Millionen Euro. Das sei auch Ausdruck „erheblicher Preiszugeständnisse“, die man gemacht habe, um Kunden zu halten, kommentiert Geschäftsführer Thomas Bollheimer diese Zahlen. Der ziemlich milde Winter habe zu einem Rückgang der Nachfrage und zu einem noch einmal verschärften Wettbewerb der Anbieter geführt.
Einen Umsatz von 7,8 Millionen Euro erwirtschafteten die Werke in der Sparte Wasserversorgung; gegenüber dem Vorjahr (rund 7,7 Millionen Euro) gab es damit eine leichte Steigerung. Der Verbrauch blieb nahezu unverändert; der besonders lange und heiße Sommer 2018 führte nicht zu erheblichem Mehrbedarf. Damit habe sich eine Erfahrung bestätigt, die man schon seit Jahren mache, kommentiert Bollheimer diese Zahlen: „Die Deutschen sparen Wasser.“
Fernwärme gefragt
Als noch zartes „Pflänzchen“ bezeichnet der Stadtwerke-Geschäftsführer den Bereich Fernwärmeversorgung. Auch hier spiegeln die Geschäftsdaten den eher milden Winter 2017/18 wider: Der erzielte Umsatz lag 2018 mit 1,2 Millionen Euro knapp unter dem Vorjahresergebnis. Der Ertrag erhöhte sich aber um 39 Prozent auf 131.000 Euro. „Das ist ein Bereich, der wächst“, sagt Bollheimer. Deshalb habe man auch das Fernwärmenetz von der Justizvollzugsanstalt bis zur Robert-Schuman-Schule verlängert. Gerade in Neubaugebieten steige die Nachfrage.
Grundsätzlich werde das Geschäft mit Privatkunden „immer kleinteiliger“, stellt Bollheimer fest. Viele hätten besondere Ansprüche, und man versuche dann jeweils, individuelle Lösungen zu finden – etwa bei Ladesäulen für Fahrzeuge mit Elektroantrieb, beim Thema Wärmeversorgung oder beim sogenannten Contracting, sprich: Planung, Finanzierung, Aufbau und Betrieb von Anlagen.
STADTWERKE IN ZAHLEN
Die Stadtwerke Frankenthal haben 2018 nach eigenen Angaben folgende Mengen an Strom, Erdgas und Wasser an Kunden im Versorgungsgebiet geliefert: Strom: 144 Millionen Kilowattstunden (kWh), 2017: 152 Millionen kWh; Erdgas: 355 kWh, 2017: 407 Millionen kWh; Wasser: 3,9 Millionen Kubikmeter, 2017: 3,9 Millionen Kubikmeter.