Frankenthal
Frankenthal: Muslimische Mode und Musik von Männern als Tipps im August
Welche Ausstellungen, Konzerte und Theateraufführungen werden Sie im nächsten Monat besuchen? Worauf freuen Sie sich? Das fragen wir Künstler und Kulturschaffende aus der Region. Für Februar gibt die freischaffende Künstlerin Karin Arns-Germann aus Frankenthal Tipps.
„Wer nichts zu sagen hat, der sollte keine Kunst machen.“ Das ist das Credo von Karin Arns-Germann für ihre eigene Arbeit. Und das leitet sie auch bei ihrer Auswahl, wo sie sich Inspirationen für ihre als Erinnerungskästen arrangierten Assemblagen, Computerbilder und Schmuckkreationen sucht. „Ein Künstler findet seine Bildsprache durch die Beschäftigung mit anderer Kunst.“ Politische Positionen wie beispielsweise die des chinesischen Konzeptkünstlers Ai Weiwei interessieren die 63-Jährige. Noch bis 1. September werden in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf neun, teils sehr große Installationen sowie zahlreiche Fotos, Skulpturen, Objekte und Filme des inzwischen in Berlin lebenden Künstlers gezeigt. Zur Eröffnung Mitte Mai kamen 3000 Besucher.
Das Kulturangebot in Düsseldorf nutzt die gebürtige Kölnerin relativ regelmäßig. Ihre beiden erwachsenen Kinder leben in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt. „Listen to the Image. Look at the Sound“ heißt eine weitere Ausstellung, die sich Arns-Germann dort im Ausstellungshaus KAI 10 anschauen möchte. Bis 8. September beleuchtet die Schau die Frage, wie Bilder zu Tönen und Klänge zu Bildern werden. Besonders gespannt ist Karin Arns-Germann auf die Arbeiten von Alicja Kwade, die aus Fundstücken Objekte fertigt. Eine Skulptur der Polin, die in Berlin lebt, steht zurzeit übrigens auf dem Dach des New Yorker Metropolitan Museum of Art.
Arns-Germann interessiert auch die handwerkliche Seite
Nicht ganz so weit weg von der Pfalz ist die dritte Ausstellung, die Arns-Germann noch im August sehen will. Das Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt beschäftigt sich bis Mitte September mit zeitgenössischer muslimischer Mode. Die Schau, die zeigt, wie muslimische Frauen ihr Verständnis von Mode umsetzen – und wie die Modeindustrie darauf reagiert – wurde an den Fine Arts Museums of San Francisco inhaltlich erarbeitet, Frankfurt ist die erste Station in Europa. Sie interessiere als ausgebildete Keramikerin auch die handwerkliche Seite. An der Fachhochschule (FH) für Kunst und Design in Köln habe sie sich auch mit Seidenmalerei beschäftigt. „Mein Studium habe ich mir damit finanziert, dass ich Brautkleider genäht habe“, erzählt Karin Arns-Germann. Auf Reisen rund um den Globus habe sie sich immer auch für typische Stoffe und Handarbeiten interessiert. Und beispielsweise in Kuwait und Dubai selbst gespürt, welche Rolle Kleidung spielen kann – auch für das subjektive Sicherheitsempfinden.
An der FH in Köln lernte die Wahl-Frankenthalerin in den 80er-Jahren auch Sänger Wolfgang Niedecken kennen, der dort Malerei studierte. „Er war fast mit dem Studium fertig und gab uns jüngeren Semestern Tipps“, erzählt sie. Extrem sympathisch sei der Ur-Kölner gewesen. Ein Künstler mit klarer politischer Botschaft ist er bis heute. Deshalb bedauere sie, dass sie für den Auftritt von Niedeckens BAP bei „Jazz & Joy“ in Worms am 11. August keine Karten mehr bekommen habe. Auch ansonsten sei das Programm des Festivals (9. bis 11. August) interessant, etwa der Auftritt von Wolfgang Haffner am Sonntagabend. „Ich bin ein Jazzfan und freue mich immer, wenn in der Region Veranstaltungen sind.“
Ebenfalls ausverkauft ist das Konzert der portugiesischen Fado-Sängerin Ana Moura in der Elbphilharmonie in Hamburg. „Ich liebe Fado“, bekennt Karin Arns-Germann. Um eine große Künstlerin wie Ana Moura live zu erleben, würde sie weit fahren. Wesentlich näher ist der Auftritt des belgischen Singer-Songwriters Milow im Kurpark in Wiesbaden am 2. August. Allerdings gibt es nur noch Restkarten.
Vielleicht findet sich im August auch Zeit, ein Buch zu lesen
„Walter Sittler spielt Erich Kästner“: Mit zwei Programmen zu dem Schriftsteller kommt der Schauspieler am 3. und 4. August ins Nationaltheater Mannheim. Das will sich Karin Arns-Germann aus gleich zwei Gründen anschauen. „Erich Kästner ist als politischer Autor ein Muss – und Walter Sittler, den ich sehr schätze, habe ich noch nie live erlebt.“ Ansonsten machen die Theater in der Regel im August Sommerpause. Zeit, daheim Musik zu hören, etwa die CD „Zum Glück traurig“. Schauspieler Jürgen Tarrach („Lissabon-Krimi“) singt portugiesische Fado-Musik mit deutschen Texten, unter anderem im Duett mit der Sängerin und Schauspielerin Vidina Popov. „Man muss aushalten, dass Tarrach nicht singen kann“, sagt Arns, die schon vorab in die Platte, die am 16. August erscheint, reingehört hat.
Vielleicht findet sich im August auch Zeit, ein Buch zu lesen. Zwei Titel stehen ganz oben auf Arns-Germanns Liste: Die Autobiografie der ehemaligen First Lady Michelle Obama und die Abhandlung des Hirnforschers Gerald Hüther zu „Würde“ mit dem Untertitel „Was uns stark macht – als Einzelne und als Gesellschaft“. Hüthers Thesen verfolge sie auch auf Facebook. Hirnforschung sei ein Bereich, der sie fasziniere. „Das würde ich auch gerne machen.“ Überhaupt sei sie sehr offen und „neugierig wie ein kleines Mädchen“, sagt Karin Arns-Germann.