Frankenthal
Frankenthal-Musical: Musikalische Regisseurin Gündner fest von Erfolg überzeugt
Die Musical-Macher: „Drei ziehen bei diesem Projekt den Karren“, sagt Katharina Anna Gündner. Neben ihr selbst sind das Regisseur Jürgen Hellmann vom Theater Alte Werkstatt und Musikschulleiterin Mechthilde Wieder-Fücks. Gündners Part: die musikalische Leitung. Auf die Sommerferien hat sie sich deshalb in diesem Jahr eher weniger gefreut.
Als andere schon vom Strand oder den Bergen träumten, bedeutete der immer näher rückende Ferientermin für Katharina Anna Gündner Stress. „Bis zu den Sommerferien musste musikalisch alles durch sein“, erläutert sie. Mitte August, wenn die Schule wieder beginnt und damit auch die Proben weitergehen können, sind es nur noch knappe vier Wochen bis zur Premiere des Musicals „Frankenthaler Geschichte(n)“ am ersten Septemberwochenende. Wenig Zeit für den Feinschliff. Schließlich könne man mit einem Schüler-Orchester und jungen Sängern nicht wochenlang abends proben. „Da steigen uns die Eltern aufs Dach.“ Umso wichtiger ist für Gündner die Endproben-Woche von 2. bis 5. September, wenn in der Erkenbertruine das komplette Stück durchgespielt wird.
Erst die Besetzung, dann das Stück
Als musikalische Regisseurin war Gündner bereits in die Planung des Musicals eingebunden, die Anfang 2018 mit ersten Gesprächen mit Autorin Maria Breuer und Komponistin Tina Ternes begann. „Wir wollten eine Produktion der Stadt Frankenthal“, unterstreicht Gündner. Das hieß für sie: keine eingekauften Profis. Stattdessen wählte das Team von Musikschule und Theater Alte Werkstatt Talente aus den eigenen Reihen aus. „Normalerweise sucht man die passende Besetzung für eine Rolle, bei uns lief es andersrum. Wir haben das Stück an unsere Bedürfnisse angepasst“, erzählt die Profisängerin und Gesangspädagogin.
Ohne Tablet und Whatsapp geht nichts
Als Buch und Musik Ende 2018 fertig waren, begann die Probenplanung. Gündners Job. Neben Einzel- und Gesamtproben mussten auch noch Aufführungstermine koordiniert werden, bei denen einzelne Szene des Musicals vorgestellt wurden. Neben der Eröffnung Anfang Mai waren das der Musikschultag Ende Mai, die Kunst- und Einkaufsnacht Mitte Juni und zuletzt der Mittelaltermarkt am ersten Juliwochenende. Ohne Tablet, Telefon und Whatsapp-Gruppe geht da nichts. „Ich habe schon manchmal schlecht geschlafen“, räumt Gündner ein. Schließlich sind 80 Akteure, vom Kindergartenkind bis zum Rentner, und mehrere Ensembles aus der Musikschule, vom Kinderchor Don Bosco in Bobenheim-Roxheim und aus dem TAW, unter einen Hut zu bringen. Alles wird live gespielt und gesungen. Auch die Technik muss minutiös berücksichtigt werden. „Ich habe überall meine Finger drin“, sagt die ausgebildete Opernsängerin.
„Alle anderen Projekte liegen auf Eis“
Etwa vier Stunden am Tag ist Gündner im Schnitt mit dem Musical befasst, in den Hochphasen vor den Ferien auch länger. „Alle anderen Projekte liegen im Moment auf Eis.“ Gündner wusste, was sie erwarten würde. Für die Frankenthaler Musikschule, an der sie seit 25 Jahren unterrichtet, inszenierte sie mehrere Kindermusicals, unter anderem 2003 „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“. Damals habe sie selbst die Liedtexte geschrieben und am Bühnenbuch mitgearbeitet. 180 Schauspieler, Sänger und Musiker waren an dem Projekt beteiligt. „Ich weiß, was es heißt, für eine Musikschule zu inszenieren.“ Bei allem Stress vor den Sommerferien, Zweifel am Gelingen des Projekts habe sie deshalb bislang nie gehabt, sagt Gündner. „Ich bin völlig überzeugt, dass das richtig gut wird.“
Zur Person
Seit 25 Jahren unterrichtet Katharina Anna Gündner an der städtischen Musikschule Frankenthal Gesang. Ebenso lange steht sie auf der Bühne. Ihr Studium hat die Frau aus dem Schwarzwald in Mannheim unter anderem bei dem 1993 verstorbenen Kammersänger Heinz Hoppe absolviert. Neben dem Diplom in Gesangspädagogik legte Gündner ihr Konzertexamen ab und ließ sich zur Opernsängerin mit Beifach Musical ausbilden. Sie trat mit verschiedenen Ensembles in Deutschland, Frankreich und Amerika auf und war mehrfach auf Südamerika-Tournee. Mit der Machete hätten sich die Musiker durch die Pampa gekämpft, erzählt Gündner. „Unsere ,Habanera’ haben alle geliebt“, sagt sie über die berühmte Carmen-Arie. Als Musicaldarstellerin stand Gündner unter anderem mit Xavier Naidoo und Dominik Steegmüller in den Musicals „People“ und „Max More“ auf der Bühne. In der Region machte sich Katharina Anna Gündner durch ihre Auftritte mit der verstorbenen Elsbeth Janda, einem Kurpfälzer Original, und dem ehemaligen Musikschulleiter Hans-Jürgen Thoma einen Namen. Als Kurfürstin Elisabeth Auguste trat sie bis diesen Januar einmal im Jahr im Schwetzinger Schloss auf, mit handgeknüpfter Perücke und einem eigens geschneiderten Kostüm aus Brokat und französischer Spitze. Zu Gündners Schülern zählen Frauke Schäfer, Opernsängerin in Wien, Madeleine Sauveur und Popsängerin Silke Hauk.
Die Serie
Es soll der Höhepunkt des Frankenthaler Kulturjahres 2019 werden und 900 Jahre Stadtgeschichte mit Liedern und Anekdoten beleuchten: „Frankenthaler Geschichte(n) – das Musical“. Doch bis zur Premiere des eigens für das Stadtjubiläum geschriebenen Stücks am 6. September muss noch viel geprobt werden. In unserer Serie „Die Musical-Macher“ blicken wir hinter die Kulissen der Kooperation von Städtischer Musikschule und Theater Alte Werkstatt (TAW) und stellen die Menschen vor, die das musikalische Theaterstück auf die Beine gestellt haben.
Noch Fragen?
„Frankenthaler Geschichte(n) – Das Musical“ feiert am 6. September Premiere in der Erkenbertruine und ist dort bis einschließlich 8. September zu sehen. Karten gibt es für 15 Euro (ermäßigt zehn Euro) beim Bürgerservice im Rathaus, Montag und Dienstag, 8-16 Uhr, Mittwoch, 8–14 Uhr, Donnerstag, 8-18 Uhr, Freitag, 8-12.30 Uhr, in der Städtischen Musikschule, Montag bis Freitag, 10-12 Uhr und 13.30-16 Uhr, sowie im TAW, Dienstag und Freitag, 10-13 Uhr, Mittwoch bis Freitag, 17-19 Uhr, oder jeweils eine Stunde vor Vorstellungsbeginn und im Internet unter www.tawfrankenthal.net.