Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Frankenthal: Migranten erzählen ihre Geschichte

Berichtete über seinen Weg nach Frankenthal zur Zeit des Wirtschaftswunders: Sabatino Marchetti. Foto: BOLTE
Berichtete über seinen Weg nach Frankenthal zur Zeit des Wirtschaftswunders: Sabatino Marchetti.

Menschen aus fremden Ländern und Kulturen wurden in Frankenthal meist mit offenen Armen aufgenommen. Der Einwanderung ein Gesicht zu geben, war Ziel einer Zeitreise des Beirats für Migration und Integration am Freitag im Museum.

„Der Mensch, nicht die Häuser machen die Stadt“, zitierte Beiratsmitglied Magali Leidig-Petermann zu Beginn ihrer informativ-prägnanten Moderation vor mehr als 40 Zuhörern den griechischen Staatsmann Perikles. Ganz so weit reichte der Ausflug in die Geschichte dann doch nicht zurück – lediglich bis ins 16. Jahrhundert. Irina Haas, stellvertretende Vorsitzende des Altertumsvereins, erinnerte an die niederländischen Glaubensflüchtlinge, die Kurfürst Friedrich III. im Jahr 1562 im zwischenzeitlich verwaisten Augustiner-Chorherrenstift angesiedelt hatte. Mit ihrem Kunsthandwerk hätten sie Frankenthal sehr bereichert und nur 15 Jahre bis zur Stadtgründung gebraucht, berichtete Haas.

Über Kriegsschäden gewundert

Großer Sprung nach vorne ins Zeitalter des Wirtschaftswunders, eng verbunden mit der Geschichte der Gastarbeiter. Als einer der ersten fand Sabatino Marchetti im Jahre 1961 den Weg nach Frankenthal. In der Nähe von Rom aufgewachsen, sei er durch großflächige Plakate auf den Arbeitskräftemangel in Deutschland aufmerksam geworden und habe sich beworben. Mit dem Zug sei es über Verona nach München gegangen, wo er seinen Vertrag bekommen habe und dann weiter nach Frankenthal gereist sei. „Ich habe mich über die vielen Kriegsschäden in der Stadt gewundert“, erzählte er. Wichtig sei für ihn das Erlernen der deutschen Sprache gewesen, „damit ich nicht mit dem Finger einkaufen gehen musste“. Er arbeitete bei der Firma Albert, war IG-Metall-Mitglied und sorgte dafür, „dass 90 Prozent der Italiener in die Gewerkschaft eintraten“. Noch heute kümmert sich der inzwischen 82-Jährige, der sich gerne Cäsar-Pfälzer nennt, als ehrenamtlicher Beauftragter des italienischen Konsulats um seine Landsleute.

Für Demokratie entschieden

Eine solide Existenz in Frankenthal hat sich Latif Salduz – Jahrgang 1969 – aufgebaut. Als Unternehmer führt er einen Familienbetrieb für Erd- und Abbrucharbeiten. Seinem Heimatland Türkei hatte er nach einem Militärputsch den Rücken gekehrt und war nach Deutschland eingewandert. „Als junger Student habe ich mich für die Demokratie entschieden“, begründete er diesen Schritt und ließ nicht unerwähnt, dass er sich in Frankenthal auch im sozialen Bereich – beispielsweise bei der Arbeiterwohlfahrt – engagiert habe.

Seit drei Jahren in Deutschland ist Sumaie Hassanzada. Mit ihrer Mutter und ihrer Schwester aus Afghanistan geflohen, hat die als Flüchtling anerkannte junge Frau inzwischen in Frankenthal Fuß gefasst, mehrere Sprachkurse und Praktika absolviert und eine Ausbildung zur Friseurin begonnen. Die Zwischenprüfung habe sie bestanden, ließ sie ihre Zuhörer wissen und erntete herzlichen Applaus. Die Anfänge in einem fremden Kulturkreis seien schwer gewesen, räumte die Afghanin freimütig und mit einem freundlichen Lächeln ein.

Ganz spontan erklärten sich ein paar Zuhörer bereit, ihre persönliche Migrationsgeschichte zu offenbaren. Dazu gehörte Jeanne Petermann, die in Kalabrien geboren und im südfranzösischen Toulon aufgewachsen ist, Germanistik studierte und 1977 nach Deutschland kam. Die 66-jährige Diplom-Übersetzerin, die auch als Sprachdozentin an der Volkshochschule unterrichtet und im Förderverein für jüdisches Gedenken mitarbeitet, lebt in Frankenthal und ist mit einem Deutschen verheiratet. Da blieb Tochter Magali zu guter Letzt nur noch die Feststellung: „Ich bin stolz, in einer so bunten und lebendigen Stadt zu leben.“

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