Frankenthal Frankenthal: Metaller machen mobil

Sechs Prozent mehr Lohn: Das ist eine der Forderungen, für die Gewerkschafter gestern in Frankenthal auf die Straße gegangen sin
Sechs Prozent mehr Lohn: Das ist eine der Forderungen, für die Gewerkschafter gestern in Frankenthal auf die Straße gegangen sind.

Mit Tröten, Trillerpfeifen und Druckluftsirenen haben gestern rund 300 Beschäftigte für ihre Tarifforderungen demonstriert.

Die Forderung der am Warnstreik Beteiligten im Arbeitskampf der IG Metall: sechs Prozent mehr Lohn und die Möglichkeit, eine einmalige auf 24 Monate begrenzte Reduzierung der Arbeitszeit auf 28 Wochenstunden in besonderen Situationen, beispielsweise in der Erziehung und der Pflege von Angehörigen, aber auch für besonders belastete Schichtarbeiter, vornehmen zu können. Bisher bieten die Arbeitgeber zwei Prozent mehr Geld.

Arbeitgeber-Offerte nur ein "Angebötchen"

Heidi Schroth, Bezirkssekretärin der IG Metall Mitte in Frankfurt, rief den Demonstranten zu: „Wenn sich die Arbeitgeber weiter nur im Schneckentempo bewegen, dann werden wir für Bewegung sorgen.“ Die Wirtschaft boome, die Gewinne der Betriebe sprudelten, da seien die zwei Prozent mehr Lohn nur ein „Angebötchen“ der Arbeitgeber. Zudem sei das Angebot noch mit Gegenforderungen verbunden worden. So sollten nach dem Willen der Arbeitgeber mehr sachgrundlose Befristungen bei den Arbeitsverträgen möglich sein, außerdem wollten sie an den Zuzahlungen der Arbeitnehmer „knabbern“, so Schroth.

"Kann das Jammern nicht mehr hören"

Zu den Forderungen nach der zeitlich befristeten Reduzierung der Arbeitszeit auf 28 Stunden bei besonderen Belastungen herrsche von Seiten der Unternehmen „Schweigen im Walde“. Sie könne das Jammern der Arbeitgeber über mangelnde Fachkräfte nicht mehr hören, betonte Schroth. Dann müsste eben verstärkt ausgebildet werden, forderte die Bezirkssekretärin. Die Arbeitgeber müssten damit aufhören, nach der Ausbildung nur befristete Verträge zu vergeben, ergänzte Karl Frantz, Betriebsratsmitglied bei Howden, in seiner Rede. „Das ist ein geiles Bild bei dem Sauwetter“, freute sich Frantz, dass so viele Demonstranten auf den Rathausplatz gekommen waren. Die Forderung nach sechs Prozent mehr Geld sei berechtigt: „Das ist ein gerechter Anteil von dem, was wir erwirtschaftet und erarbeitet haben. Die Auftragsbücher sind voll, die Gewinne sprudeln“, unterstrich Frantz. Noch mehr Arbeitnehmer müssten auf die Straße gehen: „Ich befürchte, dass das heute nicht die letzte Aktion in diesem Arbeitskampf ist“, meinte Frantz, der zudem die zweite Forderung der Metaller mit Nachdruck verteidigte: „Wir müssen mehr Mitspracherecht bekommen, wie wir mit unserer Lebenszeit umgehen.“

24-Stunden-Streik "tut richtig weh"

Sollten die Arbeitgeber in der anstehenden vierten Verhandlungsrunde am Mittwoch nicht erhöhen, dann will die IG Metall laut dem Ersten Bevollmächtigten des IG Metall-Verwaltungsbezirks Ludwigshafen-Frankenthal, Günter Hoetzl, erstmals ein neues Arbeitskampfmittel zum Einsatz bringen. Ausgewählte Betriebe in ganz Deutschland sollen für 24 Stunden bestreikt werden. „Da viel Arbeit in den Betrieben da ist, tut das richtig weh“, ist Hoetzl überzeugt. Sollte auch das nichts nutzen, ist nach Fasnacht eine große Kundgebung mit allen Betrieben aus dem Bereich der Verwaltungsstelle von Speyer über Ludwigshafen bis Kirchheimbolanden auf dem Frankenthaler Rathausplatz geplant: „Da müssen dann alle Kollegen auf die Straße. Wir wollen dann mit mehreren Tausend Beschäftigten hier unseren Forderungen Nachdruck verleihen“, zeichnete Hoetzl das geplante Szenario auf. Zu Beginn der Veranstaltung auf dem Rathausplatz hatte Gewerkschaftssekretärin Birgit Mohme von der Verwaltungsstelle Ludwigshafen-Frankenthal auf die bisherigen Aktionen zurückgeblickt. Sie forderte einen freien Tag für Auszubildende vor Prüfungen. Unterstützung bekamen die Metaller vom DGB-Stadtverbandsvorsitzenden Rüdiger Stein.

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