Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Fragen & Antworten: Wie sicher sind E-Autos?

In Frankenthal sind 347 E-Autos zugelassen.
In Frankenthal sind 347 E-Autos zugelassen.

Im Straßenverkehr sind mehr Elektroautos unterwegs. Mit den Zulassungszahlen wächst auch die Diskussion über die Sicherheit. Was passiert nach einem Unfall? Geht die Batterie in Flammen auf? Ein Überblick.

Wie viele E-Autos gibt es in Frankenthal?
E-Autobesitzer sind in Frankenthal eine kleine Minderheit. Von zugelassenen knapp 27.000 Pkw haben bloß 347 einen Elektromotor – etwa 1,3 Prozent. Der Anteil an E-Autos am Gesamtbestand in Deutschland liegt laut Daten des Kraftfahrzeugbundesamts bei gut zwei Prozent. Die Mehrheit der Frankenthaler fährt also weiterhin mit Verbrennungsmotoren, die mit Diesel oder Benzin betankt werden.

Hat die Frankenthaler Feuerwehr schon ein E-Auto gelöscht?
Nein. In der Nachbarstadt Ludwigshafen gab es einen Fall. Dabei handelte es sich nach Angaben der Feuerwehr um einen Kabelbrand, wie er auch in Fahrzeugen mit konventionellem Antrieb vorkommt.

Was ist der Unterschied, wenn ein E-Auto komplett brennt?
„Wenn die Akkus in Brand geraten, ist das Brandverhalten intensiver und es wird deutlich mehr Wasser zum Löschen beziehungsweise Kühlen der Akkus benötig“, sagt Thomas Bader, Sprecher der Feuerwehr Frankenthal. In den E-Fahrzeugen sind größere und leistungsfähigere Batterien verbaut. Der Antrieb erfolgt über ein Hochvoltsystem. Bei Unfällen soll der Batteriepack im Unterboden des Fahrzeugs möglichst unbeschädigt bleiben und das System innerhalb von Millisekunden abgeschaltet werden.

Was passiert, wenn sich die Batterie trotzdem entzündet?
Falls die Batterie außer Kontrolle geraten und brennen sollte, muss das Fahrzeug in eine Wanne, erläutert Ludwigshafens Feuerwehrchef Stefan Bruck. „Es gibt auch entsprechende Feuerlöschdecken. Das ist aber noch in Erprobung.“ Die zusammenlegbaren Wannen werden mit 35 Kubikmeter Wasser gefüllt. „Das ganze Auto kommt rein und wird geflutet, damit die Reaktion in der Batterie gestoppt wird.“ In Ludwigshafen und Frankenthal selbst gibt es noch keine mobile Wanne, die Wehren können bei den Kollegen in Worms oder Böhl-Iggelheim eine anfordern. Ein Tanklastzug bringt die benötigte Wassermenge.

Warum gibt es die Wannen noch nicht überall?
„Die Einsatzzahlen mit E-Fahrzeugen sind aktuell noch so gering, dass eine Anschaffung für jede Feuerwehr unwirtschaftlich ist“, betont Thomas Bader. Gewappnet sei man trotzdem: „Wasserführende Fahrzeuge haben wir ausreichend, gegebenenfalls wird außerhalb des Hydrantennetzes, beispielsweise auf Autobahnen, wie auch bei anderen Bränden ein Pendelverkehr gefahren oder es werden umliegende Feuerwehren hinzugezogen.“

Wie lange dauert der Löschvorgang?
„Bei einer sich zersetzenden Batterie kann es bis zu drei Stunden dauern“, sagt der Ludwigshafener Bruck. Anschließend müsse das Wasser aus der Wanne wieder abgepumpt und fachgerecht entsorgt werden. Daher könne so ein Einsatz fünf bis sechs Stunden dauern. Zum Vergleich: Wenn ein konventioneller Pkw brennt, dauere es bis zum Abschluss der Löscharbeiten und dem Abschleppen des Unfallwracks etwa eine Stunde.

Wie geht die Feuerwehr vor, wenn E-Autos an Unfällen beteiligt sind?
Wie bei anderen alternativen Antrieben (Gas oder Hybrid) gibt es auch Fahrzeugdatenblätter für E-Autos, die zeigen, wo die Batterie liegt und wo die Trennstellen sind. Denn: Bei einem E-Auto besteht neben der Gefahr der unter Umständen nicht ausgelösten Airbags auch das Risiko der hochspannungsführenden Elektroleitungen. „Mittels eines vorgeschriebenen Trennschalters können diese jedoch vom Akku-Pack getrennt werden – wenn denn der Trennschalter in Folge der Unfallschäden entsprechend erreichbar ist“, erklärt Feuerwehrsprecher Thomas Bader.

Wie sicher sind E-Autos?
Laut ADAC ist das Brandrisiko vergleichsweise gering. E-Autos seien genauso sicher wie herkömmliche Autos. Auch verschärfte Crashtests zeigten, dass die Fahrzeugbatterien bei Unfällen unbeschädigt bleiben. Die Batterien sind in der Regel in einem großen Block im Unterboden verbaut. Da die Knautschzone des Fahrzeugs an der Seite geringer ist als am Heck oder an der Front des Autos, sei der Seitenaufprall der sensible Punkt eines E-Fahrzeuges. Die Hersteller betrieben großen technischen Aufwand, um die Batterie vor Deformation zu schützen.

Was ist mit der Ladeinfrastruktur in Tiefgaragen, Parkhäusern oder Privatgaragen?
Die Ladestationen sind aus Sicht der Feuerwehr wie Steckdosen mit mehr „Saft“. Die Wallboxen stellten keine besondere Brandgefahr dar. Ladeeinrichtungen können, sofern sie zertifiziert und fachmännisch installiert wurden, bedenkenlos auch in Tiefgaragen betrieben werden, urteilen die Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren und des Deutschen Feuerwehrverbands. Die Selbstentzündung eines Elektroautos ohne externe Einwirkung während der Fahrt, im Stand oder beim Laden aufgrund eines technischen Defekts ist extrem selten, sagt auch der ADAC.

Was sollte ein E-Auto-Fahrer tun, wenn sein Fahrzeug brennt?
„Die 112 wählen und sich in Sicherheit bringen“, rät der Ludwigshafener Feuerwehrchef. „Wenn die Batterie brennt, kann man das nicht selbst löschen“, warnt Bruck vor Eigenlöschversuchen mit einem Handfeuerlöscher. Sein Frankenthaler Kollege Thomas Bader ergänzt: Beim Absetzen des Notrufs sollten Beteiligte darauf hinweisen, dass ein E-Auto beschädigt ist oder sogar brennt.

Was tun bei einer Panne?
Aus Sicherheitsgründen dürfen laut ADAC nur Personen Arbeiten an Elektroautos ausführen, die dafür ausgebildet sind. Für alle anderen gilt: Hände weg von den Hochvoltkomponenten und von allen orangefarbenen Leitungen.

Hat die Feuerwehr E-Fahrzeuge?
In Frankenthal noch keins. In Ludwigshafen fährt bisher nur die Notfallseelsorge elektrisch, die an die Feuerwehr angedockt ist. Für große elektrische Löschfahrzeuge seien die Anschaffungskosten bisher zu hoch, sagt Feuerwehrchef Bruck. „Ein E-Löschfahrzeug wie bei der Berliner Feuerwehr kostet über eine Million Euro, ein konventionelles rund 600.000 Euro.“ Zudem stelle sich die Frage, wie die Fahrzeuge bei einem stundenlangen Großeinsatz wieder aufgeladen werden können.

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