Dirmstein
„Figurationen“: Plastiken und Skulpturen von fünf Künstlern
„Es war ein Wagnis“, sagt der Dirmsteiner Friedrich Raudasch, der die Schau organisiert hat. Im vergangenen Dezember habe er Mitstreiter gesucht – und im Bereich des Berufsverbands bildender Künstler (BBK) Darmstadt gefunden. Keineswegs sei damals klar gewesen, ob und wie eine Kunstausstellung möglich sein könnte. Und nun steht sie. Der Titel „Figurationen“ bedeutet, dass es sich um reale Darstellungen handelt. Im Mittelpunkt steht der Mensch.
Aus gebranntem Ton sind die Arbeiten der Architektin Berit Schmidt-Villnow. Sie will Augenblicksmomente und Seelenzustände festhalten. Das gelingt ihr sehr gut. Etwa die Figur „Warten“: Eine Frau sitzt auf einer Parkbank. Der Blick ist nach links gerichtet, der Oberkörper erwartungsvoll angespannt, zum sofortigen Aufspringen bereit. Körperhaltung, Gestik und Mimik lassen erkennen, was die Künstlerin ausdrücken will: „Träumen“, „Sehnen“, „Bangen“ oder das selbstbewusste „Ich bin“. Was der Bildhauerin besonders gut gelingt, sind die Augen. Sie wirken nicht starr, sondern lebendig, wach und präsent.
Eins mit der Natur
„Unverwüstlich und wetterfest“ nennt die Grafikerin Gudrun Cornford, die unter anderem Illustrationen für medizinische Bücher fertigt, ihre Figuren. Sie sind aus Maschendraht, den sie in mehreren Schichten miteinander vernäht. Leicht, silhouettenhaft, in natürlich-dynamischer Bewegung trifft man im Park auf sie. Sie verdecken nicht die Natur als festes Gebilde, sondern lassen sie durchscheinen. Man könnte sagen, sie werden eins mit ihr. Als Kinder spielen und balgen sie, als Paar, Mann und Frau, sitzen sie auf einem Stein, erklimmen eine Brücke.
Mit Holz arbeitet der Architekt Roland Zehetmeier. Aus Balkenholz arbeitet er mit der Kettensäge seine expressionistischen Figuren mit übergroßen Händen, hochragenden, schmalen, Körpern heraus. Die Proportionen sind der Dicke des Ausgangsmaterial geschuldet. Nur bei seinem im Vergleich kleinformatigen „Mann mit Hut“ verwendet er sparsam Farbe. Ansonsten geben Holzmaserungen, Astlöcher und Spuren der einstigen Nutzung den Figuren Leben.
Um Tätigkeiten und Fertigkeiten geht es in Isolde Otts Objekten. Sie modelliert zunächst aus ungebrannten Ziegelsteinstückchen ein etwa 20 bis 30 Zentimeter großes Modell und überträgt die Maße auf die geplante Terrakottaplastik, erläutert die Grafikdesignerin im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Ihr Paar „Gib mir deine Hand“ ist dabei das einzige naturnah gestaltete Objekt. Sie arbeite lieber abstrakt, sagt sie. „Die Sehende“ und „Die Singende“ sind die Titel, die beim Blick auf die Figuren nachvollziehbar sind. Bei der „Sehenden“ fallen die eulengroßen Augen auf, die – von jeder Seite anders – anziehend wirken.
Zum Ton hingezogen
Wie ihr Kollege und Gastgeber Friedrich Raudasch bevorzugt Ott den reduzierten Brand. Dabei wird dem Werkstück Sauerstoff entzogen. Wird es mit Kaolin, dem weißen Tonmehl, bestreut, ergibt sich nach dem Brand eine grau-schwarze Steinfarbe. Bei rotem Mehl entsteht ein rostfarbener Ton, erklärt Raudasch. Er stammt aus einer Dirmsteiner Töpferfamilie, wurde im Brotberuf Elektrotechniker, fühlte sich aber zum Ton hingezogen. Wer die Anfänge verfolgt hat, erkennt die Meisterschaft, die der Autodidakt erlangt hat. Die Arbeiten sind bis ins kleinste Löckchen fein ausgeformt.
Seine aktuellen Motive findet er in der Mythologie („Sphinx“, „Pan“). Großformatig sind „Der gute Hirte mit Schäfchen“ und „Gefühle“ – ein Paar, das sich umarmt. Historischen Bezug hat die Büste des Caspar Lerch II., des einstigen Hausherrn des Areals und Begründers der Dirmsteiner Hospitalstiftung. Eigentlich habe er diese in Bronze gießen lassen wollen – ein sehr teures Unterfangen, bekennt Raudasch. Doch er meint, in den Kellergarten gehöre unbedingt eine Erinnerung an den Spross einer Familie, die über 400 Jahre in Dirmstein lebte und Spuren hinerließ.
Noch Fragen?
Die Ausstellung im Kellergarten (Affenstein 21) ist bis 3. Oktober täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet.