Frankenthal
Feine Handwerkskunst in der Schreinerfarm
„Möbel sind etwas Tolles“, stellt Iris Wunderlich klar. Ihr selbst habe aber nach über 20 Jahren im Möbelbau das Künstlerische gefehlt. Sie beschloss deshalb, künftig Wohnaccessoires nach eigenem Entwurf zu bauen. Für ihre Ablagen, Dosen und Untersetzer kombiniert sie häufig Holz mit anderen Materialien wie Filz und Papier. So hat die gebürtige Kölnerin beispielsweise ihre Holztabletts mit fein gemustertem italienischem Geschenkpapier belegt und in der Furnierpresse zusammengefügt. „Es macht mir Spaß, unübliche Arbeitsweisen auszuprobieren“, sagt sie. Als Schreinerin sei es ihr aber immer wichtig, dass die Stücke solide gearbeitet und damit langlebig sind. „Das Handwerk kann ich – das Künstlerische bin ich.“
Ihr Handwerk hat Iris Wunderlich in einem Familienbetrieb in Köln gelernt. Als Gesellin kam sie Anfang der 1990er-Jahre erst in die Schreinerei Senn in Seckenheim und dann zur Schreinerfarm nach Mannheim. 1999 zog sie mit dem Betrieb nach Frankenthal. Um nach dem Schritt in die Selbstständigkeit 2010 nicht allein vom Verkauf ihrer Handwerkskunst abhängig zu sein, suchte Wunderlich mehrere Standbeine. So arbeitete sie unter anderem als Museumspädagogin im Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen, dekorierte Ausstellungsfenster in Betrieben und macht bis heute Büroarbeiten in der Schreinerwerkstatt Senn.
Kalenderprojekt für Chöre
Künstlerisch ist die Fotografie ihr zweites Metier. Seit zehn Jahren gestaltet die Hobbysängerin im Bachchor Mannheim mit ungewöhnlichen Bildern zum Thema Musik jedes Jahr einen Kalender. „Ich mag es, einen etwas anderen Blickwinkel einzunehmen.“ Der Erlös des Projekts, an dem sich Chöre aus ganz Deutschland mit jeweils individualisierten Kalender-Exemplaren beteiligen können, geht zur Hälfte in die Förderung der Kirchenmusik. Als Postkarten gedruckt verkauft sie ihre fotografierten Motive außerdem.
Präsentiert hat die Wahl-Frankenthalerin ihre Arbeiten bislang häufig auf Kunsthandwerkermärkten. Einige wenige Geschäfte in der Region, etwa der Blumenladen Dornröschen und die Haushaltswarenabteilung von Kisling in Frankenthal, haben Wunderlich-Stücke im Sortiment. Jetzt will sich die kreative Schreinerin nach Ostern einen eigenen Verkaufs- und Ausstellungsraum im Möbellager der Schreinerfarm in Frankenthal einrichten. Vor Weihnachten hatte sie in dem quadratischen Raum mit den hohen Decken und einem alten Fenster zum Garten bereits ihr Weihnachtszimmer geöffnet. „Die Schreinerfarm und meine Handwerkskunst – das passt einfach“, findet sie. Nachdem sie bislang ihre Arbeiten an vielen unterschiedlichen Orten aufgebaut habe, könne sie nun alles in einem Raum, in ihrem „Werkstattzimmer“, bündeln. Noch müssen allerdings einige Umbauarbeiten erledigt werden. Und bestimmt wird auch dabei nicht alles ganz gewöhnlich sein.