Frankenthal „Fast wie Oldtimerfahren“

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Neustadt. Am Wochenende wird Neustadt für zwei Tage zum Mekka für Freunde des historischen Tauchens. Das internationale Klassik-Tauchertreffen der Historischen Tauchergesellschaft (HTG) steht an. Neben Wassergängen werden Vorträge angeboten. Der HTG-Vorsitzende Franz Rothbrust (67) spricht im Vorfeld über den Reiz des Tauchens mit historischer Ausrüstung.

Herr Rothbrust, wie muss man sich historisches Tauchen vorstellen: mit bleischwerem Anzug, Taucherglocke und langem Luftschlauch?

Ja, mit Kupferhelmen. Der älteste Helm im Verein ist eine französische Erfindung und um 1900 entstanden. Ich hatte auch mal den ersten bedarfsgesteuerten Presslufthelm. So etwas ist doch bestimmt ziemlich teuer. Es kommt darauf an. Die billigsten Helme aus Russland kosten 500 Euro. Teure Helme gibt es aber auch für 10.000 und 20.000 Euro. Aber mit 3000 bis 5000 Euro hat man eine ordentliche Ausrüstung mit Helm, Anzug, Gewichten, Schuhen und Pressluftpumpe. Und wie viel wiegt das Ganze dann? Mindestens 60 bis 80 Kilo an der Oberfläche – da spüren Sie jede Bandscheibe. Aber im Wasser sind Sie sozusagen fast schwerelos. Und wenn Sie die Druckluft ablassen, können Sie am Boden stehen. Was ist der besondere Reiz daran? Das Tauchen an sich, die Schwerelosigkeit, außerdem interessiert mich auch die Geschichte. Meine Ausrüstung ist mit mir alt geworden. Meinen Atemregler habe ich vor 35 Jahren gekauft, das ist fast wie Oldtimerfahren. Die Sachen werden natürlich schon ganz lange gehegt und gepflegt. Mal ketzerisch gefragt: Ist es nicht viel angenehmer, mit den modernen Errungenschaften der Technik tauchen zu gehen? Das kommt darauf an, was man unter Wasser macht. Als Arbeitstaucher steht man unter Wasser und braucht das Gewicht. Dann gibt es die Schwimmtaucher mit Flossen, dünnem Anzug und Atemgerät. Das Schwimmtauchen hat übrigens unser früheres, aber 2014 verstorbenes Ehrenmitglied Hans Hass erfunden. Anfang der 1940er-Jahre kam er auf die Idee, sich Sauerstoff auf den Rücken zu schnallen. Hass wurde ja vor allem durch seine Dokumentarfilme über Haie und seinen Einsatz für den Umweltschutz bekannt – ein prominentes Mitglied der HTG also. Wie viele Mitglieder hat die Gesellschaft eigentlich, und wie alt sind diese im Schnitt? Wir haben um die 64 Mitglieder aus ganz Europa, das jüngste ist 20. Aber im Schnitt sind wir so zwischen 45 und 50, die Grauköpfe überwiegen. Über das Internet und über unsere Webseite finden auch jüngere Leute zu uns. Über uns wird auch in Zeitschriften berichtet, und in Europas größter Taucherzeitschrift veröffentlichen wir regelmäßig historische Beiträge. Viele von uns kennen sich auch von Ebay. Warum ist ausgerechnet das pfälzische Neustadt Gesellschaftssitz? Neustadt liegt in der Mitte von Europa – und wir liegen schließlich im Rebenmeer. Nein, im Ernst: Wir haben den Verein 2011 in Gimmeldingen gegründet, er könnte aber auch überall in Europa seinen Sitz haben. Zum Treffen am Wochenende werden rund 70 Teilnehmer aus 15 Ländern kommen, die meisten aus Europa, aber einer kommt aus São Paulo, einer aus Tansania und einer aus den USA. Das Ganze ist nicht nur für Mitglieder, jeder Interessierte kann gerne kommen. Am Samstag gibt es ja einige Vorträge und Ausstellungen, am Sonntag gehen wir dann im Lingenfelder See tauchen. Dort stellen wir auch unsere Sammlungen aus, um zu tauschen oder zu verkaufen. Wir hoffen natürlich, dass das Wetter mitspielen wird – aber unsere Tauchausrüstung darf ja durchaus nass werden. Termin Klassik-Tauchertreffen in Neustadt: Samstag, 11. Juni, ab 16 Uhr im Saalbau; Sonntag, 12. Juni, ab 9 Uhr am Lingenfelder See.

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