Frankenthal „Fans sind uns treu geblieben“
Edgar Winter bewegt sich musikalisch zwischen Rock, Blues und Jazz. Bekannt geworden ist er vor allem durch die gemeinsame Band mit seinem inzwischen verstorbenen Bruder Johnny Winter. Auf seiner aktuellen Europatournee kommt er am Montag, 23. November, 20 Uhr, ins Capitol nach Mannheim.
Das wüsste ich auch gerne. Ich gehe sehr gerne nach Europa, besonders nach Deutschland. Aber wo wir spielen, hängt nicht nur von mir ab. Ihr letztes Studioalbum „Rebel Road“ ist von 2008, gibt es neues Material? Um genau zu sein, geht es hier um eine Wiederveröffentlichung. Drei, vier Stücke daraus werden wir auf der Tour spielen. Im Moment schreibe ich Musik zu einer Sammlung von Kurzgeschichten „Stories from the Shadowland“. Das wird etwas halb-klassisches, mit Jazz und Blues dabei. Es wird ein Album der Edgar Winter Group geben, da habe ich wirklich wieder Lust drauf. Sonst habe ich ja vor allem solo gearbeitet. Ich arbeite an einer Broadway-Musical-Version von „Frankenstein“ und habe ich ein Buch mit Gedichten veröffentlicht, „Songs that never were“, Texte, aus denen keine Songs geworden sind. Sie spielen Jazz, Gospel, Blues, Rock’n`Roll, und sind in allen Stilen meisterhaft. Wie kommt das? Oh, danke. Meine Familie war sehr musikalisch. Mein Vater spielte Gitarre und Banjo, aber auch Altsax in einer Swingband. Meine Mutter spielte klassisches Klavier, mein Großvater Geige, mein Urgroßvater Trompete und natürlich war da mein Bruder Johnny. Wir haben als Kinder zusammen angefangen Musik zu machen, mit vier Jahren auf Ukulelen. Zum Jazz kam ich, als ich das Altsaxofon meines Vaters auf dem Dachboden entdeckte. Da war ich Teenager und spielte schon eine Reihe von Instrumenten. Als Johnny Gitarre spielte, wechselte ich zum Bass in seiner Band. Dann habe ich mal Schlagzeug, mal Keyboards gespielt. Aber Saxofon wurde mein Lieblingsinstrument – und Synthesizer. Haben Sie eine Musik-Ausbildung? Nein, ich habe mir alle Instrumente selber beigebracht. Die nötige Theorie habe ich von den Jungs bei White Trash gelernt. Die haben alle in Berklee Musik studiert. In den Semesterferien haben sie mir alles erklärt, was sie zuvor gelernt hatten. Nach der Highschool bin ich gleich „on the Road“ gegangen. Aber ich kann Noten lesen, schreiben und arrangieren. Ich finde, auf „Rebel Road“ klingt auch eine Art Texas-Gefühl mit ... Ja, genau. Ich bin in Texas aufgewachsen, und die Gegend hat einen bestimmten Sound. Hier wird die Musik von Generation zu Generation weitergegeben. Bei uns gibt es authentischen Blues, aus unserem Nachbarstaat Louisiana die Swamp-Music, Mexikanisches aus dem Süden, etwas Country – das kommt hier alles zusammen. Aber dass dieser Sound etwas Besonderes ist, habe ich erst in New York gemerkt. Als ich dann Musiker für meine Band suchte, landete ich letztlich wieder bei Leuten, die in meiner Gegend aufgewachsen sind. Was werden wir auf der Tour hören? Wie spielen alles, hahaha! Das reicht von „Tobacco Road“, ein Traditional, das ich mit Johnny bekannt gemacht habe. Da gibt es einen Dialog von Stimme und Gitarre, eines meiner Markenzeichen. Es gibt Songs meiner ersten Band, das ist mehr R’n’B. Mit Stücken aus dem Album „Winter Blues“ erinnere ich an Johnny und viele meiner Freunde, die damals das mit aufgenommen haben. Dann ein paar Songs von „Rebel Road“ und natürlich meine größten Hits „Frankenstein“ und „Free Ride“ von dem Album „They only come out at night“. In welcher Besetzung spielt die Band? Ich bin ja dafür bekannt, mit tollen Gitarristen zu spielen. Seit zwölf Jahren spiele ich mit Doug Rappaport. Der hat sich phänomenal entwickelt. Alle Gitarren-Spezialisten werden richtig Spaß haben. Bass und Schlagzeug sind auch tolle Leute, und ich selber spiele wie immer Keyboards und Saxofon und etwas Perkussion. Wir jammen auf der Bühne und spielen längere Soli – aber nicht so, dass wir das Publikum dabei vergessen. Prima, danke für ... Moment! Ich will den deutschen Fans was sagen: Danke, dass ihr mir und Johnny treu geblieben seid, auch wenn wir länger nicht hier waren.