Frankenthal
Fahrradhändler mit guter Auftragslage
War 2020 für viele Geschäftsleute und Firmen aufgrund der Corona-Pandemie ein Krisenjahr, erlebten die Fahrradhändler einen Boom. Viele verzichteten auf eine Fernreise, kauften sich dafür ein hochwertiges Rad und erkundeten damit die nähere und weitere Heimat. Das hat sich 2021 fortgesetzt.
Einer der großen Lieferanten für den Radmarkt ist beispielsweise Shimano mit Hauptsitz in Japan. Dessen Werk in Malaysia sei über Wochen geschlossen gewesen. Dazu komme, dass Häfen in China ebenfalls über Wochen aufgrund der Corona-Pandemie dicht gewesen, die Containerschiffe nicht abgefertigt worden seien. Das führe inzwischen zu einem Ersatzteilmangel, der auch Reparaturen erschwere, sagen beide Radhändler übereinstimmend.
Zuteilung von Mengenkontingenten
„Es ist ein Problem, Ware zu bekommen“, berichtet Mike Gruber. Die großen Radfirmen hätten zum Teil ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Teilweise könne er nicht mehr frei bestellen. Stattdessen würden ihm bestimmte Mengenkontingente zugeteilt. Aktuell würden Räder ausgeliefert, die er eigentlich schon Anfang des Jahres hätte bekommen sollen, berichtet Gruber. Darüber seien manche Kunden verärgert gewesen, manche seien abgesprungen und hätten ihr Glück im Internet versucht. Damit müsse er leben. Auch im Online-Geschäft mischt Fahrrad Gruber mit.
„Kollegen, die im vergangenen Jahr sehr zaghaft bestellt haben, haben in ihren Geschäften gar keinen Bestand mehr“, weiß Gruber. Er bestelle immer wieder. Die Nachfrage sei nach wie vor hoch, auch im Servicebereich. Die Wartezeit für einen Reparaturtermin betrage derzeit vier Wochen. Fahrrad Gruber habe das ehemalige Ladengeschäft Blankenhorn angemietet, um es als Puffer zum Lagern vom Material zu verwenden. Ein Ladenlokal soll dort aber nicht eröffnet werden. Genau dort habe übrigens vor 125 Jahren alles angefangen, verweist Gruber auf den Start des Radgeschäfts.
Entspannung 2022/23?
In der Branche munkele man, dass es vielleicht 2022/2023 zu einer Entspannung kommen könnte. Das werde aber sicher nicht vergleichbar sein zu der Zeit vor der Corona-Pandemie, meint Gruber. Nicht nur in Deutschland sei man in Sachen Zweirad und insbesondere in Sachen E-Bike auf den Geschmack gekommen. „Wir müssen weiter improvisieren“, sagt Mike Gruber.
Und die Entwicklung gehe weiter voran. Kompakträder und 20-Zoll-Räder seien im Kommen. Die könne man gut im Wohnmobil transportieren. Und das Lastenrad sei auf dem Vormarsch, weil es Innenstädte vom Autoverkehr entlaste. Lastenräder hat Gruber nicht im Sortiment. „Das würde uns zu viel Platz wegnehmen. Aber wir haben den Trend im Blick“, versichert Mike Gruber.
E-Bikes weiter im Trend
Über die Lieferschwierigkeiten bei Neurädern und Ersatzteilen äußert sich Stephan Steinleitner ganz ähnlich wie sein Mitbewerber. Die Nachfrage sei nach wie vor hoch, doch es gebe die Schwierigkeit, die Ware in den Laden zu bekommen. Nachordern bei Neurädern sei nicht möglich. Die Kunden wüssten von den Schwierigkeiten, deshalb seien die Reaktionen moderat. „Der Trend liegt nach wie vor bei den E-Bikes“, berichtet Steinleitner.
Doch auch er berichtet davon, dass Räder, die er schon länger bestellt habe, noch gar nicht ausgeliefert seien. Auch er geht davon aus, dass es noch längere Zeit dauern werde, bis sich die Lage entspanne. Er habe in einer Publikation des Fachverbands der Zweiradhändler gelesen, dass es unter Umständen bis 2024 dauern könne. Seit rund 27 Jahren führt er sein Geschäft in Frankenthal. Zu E-Bikes habe er inzwischen eine Leidenschaft entwickelt, sagt Steinleitner.