Frankenthal Facettenreiche Klangreise

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Musikalische Vielfalt und künstlerische Präzision ließen das Benefizkonzert zugunsten der Frankenthaler Bürgerhilfe 2000 am Samstagabend in der Zwölf-Apostel-Kirche zum nachhaltigen Hörerlebnis werden. Der Konzertchor Darmstadt präsentierte sich als stimmlich homogener Klangkörper, der das kirchenmusikalische Repertoire ebenso beherrscht wie anspruchsvolle zeitgenössische Kompositionen.

Im ersten Teil des Konzerts erlebten die knapp 150 Besucher nicht nur eine facettenreiche Klangreise durch mehrere europäische Länder mit einem Abstecher nach Amerika, sie konnten sich auch durch Texte inspirieren lassen, die ein in Frieden und Freiheit vereintes Europa als erstrebenswertes Ziel artikulierten. So zitierte Volker Henß, Vorsitzender der Bürgerhilfe, unter anderem aus einer Rede von Winston Churchill von 1946. Schon bei dem erhebenden „Cantate Domino“ des lettischen Komponisten Vytauras Miskinis offenbarten sich die gesanglich ausgereiften Tugenden des Konzertchors, der unter dem souverän-schnörkellosen Dirigat von Wolfgang Seeliger die dynamischen Abstufungen fein herausarbeitete und sich zu einem voluminösen Fortissimo voller Strahlkraft steigerte. Eine echte Herausforderung bildete die Interpretation des getragenen Satzes „O magnum mysterium“ des Amerikaners Morten Lauridsen, bei dem sich die 33 Sängerinnern und Sänger im Halbrund auf der Empore formierten und zu klanglicher Geschlossenheit fanden. Von sakral-besinnlichem Charakter war das „Ave maris stella“ des Norwegers Edward Grieg, während das von dem polnischen Komponisten Jósef Swider stammende „Cantus Gloriosus“ mit dem strahlenden „Hallelujah“ den liturgischen Lobpreis mehr als nur erahnen ließ. Dies gilt ohne Einschränkung auch für die drei Lieder, die aus einem Standardwerk der kirchenmusikalischen Literatur, der „Deutschen Messe“ von Franz Schubert („Wohin soll ich mich wenden“) ausgewählt wurden. Der Konzertchor bestach durch einfühlsamen Vortrag, exakte Einsätze und wusste im Obertonbereich zu brillieren. Dass der Konzertchor Darmstadt auch bei modernen Formaten nicht in Verlegenheit zu bringen ist, wurde mit der Pop-Ballade „Hello“ von Lionel Richie eindrücklich unter Beweis gestellt. Ralf Kraut, im Brotberuf kaufmännischer Direktor der Stadtklinik Frankenthal, verriet seine künstlerischen Ambitionen und lieferte ein bravouröses Tenorsolo ab. Und bei der Hymne „And So It Goes“ des US-Songschreibers Billy Joel gelang es dem Chor, die lyrische Grundstimmung zu vermitteln. Die A-cappella-Vorträge bereicherte der Organist Jan Wilke mit dem temporeichen Werk „The Power Of Life“ des norwegischen Komponisten Mons Leidivin Takle sowie mit einem klassischen Präludium von Dietrich Buxtehude. Zusammen mit Andre Voran, der sich als Solist mit Querflöte und Saxofon höchst virtuos hervortat, gestaltete er eine Sonate von Johann Sebastian Bach und – welch stilistischer Kontrast – den Jazztitel „Cantaloape Island“ von Herbie Hancock. Nach der Pause stand mit der im Jahre 1934 komponierten Motette „Totentanz“ von Hugo Distler ein eher apokalyptisch anmutendes und bisweilen bedrückendes Werk auf dem Programm, führte es doch die Vergänglichkeit des irdischen Daseins vor Augen. Die zwölf Verse – im Wechsel gesprochen von Chormitgliedern und Volker Henß – gehen auf einen mittelniederdeutschen Lübecker Totentanz aus dem 15. Jahrhundert zurück und sind von eindringlich-lapidarer Diktion. Menschen der unterschiedlichsten Stände (vom Bischof über den Kaufmann bis zum Bauern) hadern mit dem Tod und werden – von einer wiederkehrenden Flötenmelodie begleitet – zum Tanz aufgefordert. Die polymetrisch angelegten kurzen Chorsätze strahlten überwiegend Ruhe und Gelassenheit aus, am Ende zart und fast schon sphärisch im Kirchenraum verklingend. Dafür war der Schlussapplaus des Publikums für ein außergewöhnliches Konzert von bemerkenswerter Länge und Phonstärke.

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