Frankenthal Für offensive Gewerkschaften

Der gesellschaftliche Zusammenhalt müsse gestärkt werden, forderte Günter Hoetzl von der IG Metall.
Der gesellschaftliche Zusammenhalt müsse gestärkt werden, forderte Günter Hoetzl von der IG Metall.

Am Motto „Solidarität – Vielfalt – Gerechtigkeit“ orientierten sich bei der gestrigen Maikundgebung des DGB-Stadtverbandes Frankenthal auf dem Rathausplatz die Redebeiträge, die sich auch mit dem aktuellen Tarifabschluss im öffentlichen Dienst befassten.

Vor rund 200 Besuchern – auch aufgrund des sonnigen Wetters deutlich mehr als in den Vorjahren – plädierte Günter Hoetzl, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ludwigshafen-Frankenthal, für eine offensive Gewerkschaftsarbeit, die ein gesellschaftliches Mandat für sich reklamieren und in konkrete Politik umsetzen müsse. „Die Beschäftigten wollen einen fairen Anteil an dem Wohlstand, den sie erwirtschaftet haben“, hob Hoetzl hervor. Zu einer erfolgreichen Tarifpolitik gehöre, dass jeder das Recht habe, seine Arbeitszeit selbst festzulegen. Der Gewerkschafter bedauerte, dass der Kontrollverlust über das eigene Leben die Mitte der Gesellschaft erreicht habe. Den Feinden der Demokratie müsse der Kampf angesagt und gegen Rechtspopulismus vorgegangen werden, hob Hoetzl hervor. Demokratische Vielfalt und soziale Gerechtigkeit seien die Grundlagen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Rüdiger Stein, Vorsitzender des DGB-Stadtverbands, kritisierte nicht nur die als „Wohltaten“ verpackten Beschäftigungsbedingungen bei Amazon, sondern bezeichnete auch das Verhalten der Metro-Gruppe, die Mitarbeiter von Real aus der Tarifbindung herauszunehmen, als eine „Riesensauerei“. Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) hatte bei seinem Grußwort einen schweren Stand, musste er sich doch gegen einen beleidigend werdenden Zwischenrufer durchsetzen. Mit dem Tarifabschluss im öffentlichen Dienst, bei dem Politik, Gewerkschaften und Arbeitnehmer an einem Strang gezogen hätten, könne er leben, sagte der Verwaltungschef. „Unsere Haushaltsprobleme lösen wir nicht durch Knausrigkeit im Lohn.“ Ablehnung und Ausgrenzung dürften in unserem Land nicht den Alltag bestimmen, sagte Hebich. Die Gesellschaft müsse ihr soziales Gesicht behalten. „Stirbt der Dialog, stirbt auch der Friede.“

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