Frankenthal
EWF-Bürgerbüro endlich offen: Bald kommt Gelber-Sack-Automat
Schon zwei Stunden vor dem offiziellen Startschuss standen die ersten Kunden auf der Matte, um sich mit gelben Säcken einzudecken. Sie sind auch wegen ihrer multifunktionalen, häufig zweckentfremdeten Verwendung heiß begehrt und werden in Insiderkreisen daher als „Frankenthaler Gold“ bezeichnet. Das Selbstbedienungsregal war gut gefüllt, zu Versorgungsengpässen kam es zumindest am Eröffnungstag noch nicht.
Mit dem passend gewählten Sprichwort „Gut Ding will Weile haben“ leitete Bürgermeister Bernd Knöppel (CDU) den chronologischen Abriss der Baugeschichte ein. Sie beginnt Anfang 2024, als seitens des EWF eine innenstadtnahe Anlaufstelle für die Bürger ins Visier genommen wurde.
Neben der fußläufigen Erreichbarkeit ging es darum, die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten zu optimieren und in der Ackerstraße mehr Platz zu schaffen. Im August 2024 fiel die Entscheidung für die Immobilie in der Sterngasse, die früher als Friseursalon und Tattoostudio genutzt wurde.
Projekte kostete um die 130.000 Euro
Der Zeitplan ist dann heftig durcheinander gewirbelt worden, da trotz dreier Anläufe kein Architekt für die Planung gefunden werden konnte. „Der EWF musste die Sache selbst in die Hand nehmen“, berichtete Knöppel.
Der stellvertretende Betriebsleiter Klaus Gerth und sein für das Gebäudemanagement zuständiger Kollege Damir Lovric schritten beherzt zur Tat. Im Frühjahr 2025 stand das Raumkonzept, Anfang Juli waren alle Verträge unter Dach und Fach. Bei verschiedenen Handwerkerleistungen klemmte es, sie mussten mehrmals ausgeschrieben werden. Im November waren die Umbauarbeiten weitgehend abgeschlossen.
Aus organisatorischen Gründen musste allerdings der Einzug ins neue Jahr verschoben werden. Unter dem Strich hat das Projekt laut Bernd Knöppel rund 130.000 Euro gekostet.
Das einladend helle und mit energiesparender LED-Beleuchtung ausgestattete Kernstück des Bürgerbüros, das zunächst für drei Jahre angemietet wurde, umfasst rund 57 Quadratmeter. Eine Theke teilt den Raum in einen für das Publikum zugänglichen Abschnitt und einen internen Bereich mit modernen Computerarbeitsplätzen. Hinzu kommen zwei Personaltoiletten sowie ein Sozialraum mit Einbauküche im hinteren Gebäudeteil. Im Keller steht ein abgeschlossener Raum als Lager zur Verfügung.
Der Zugang zum Büro wurde mittels einer kleinen Rampe barrierefrei gestaltet. In ihrer Mobilität eingeschränkte Bürger können bei Bedarf per Klingel Hilfe anfordern.
Über Videoüberwachung wird noch diskutiert
Der EWF sieht in dem Büro eine zentrale Anlaufstelle – nicht nur für gelbe Säcke und die Anmeldung von Sperrmüllabfuhren. „Wir wollen mit den Menschen in einen direkten Dialog treten“, hob Bürgermeister Knöppel hervor. Daher wird er auch seine Bürgersprechstunde am 19. Februar, 16 Uhr, in den neuen Räumen abhalten.
EWF-Betriebsleiterin Astrid Anders sprach von einer echten „Win-Win-Situation“ für Bürger und Personal. Erfreulich: Beim Ausbau hätten die Vermieter freie Hand gelassen. Und die Beschäftigten seien in die Raumgestaltung eingebunden worden. Anders warb um Verständnis, dass es im Echtbetrieb noch einigen Nachbesserungsbedarf geben könnte.
Mit Blick auf bisweilen renitente und beleidigend werdende Bürger müsse ein besonderes Augenmerk auf die Sicherheit der Beschäftigten und den Schutz vor Übergriffen gelegt werden, unterstrich Personalratsvorsitzender Klaus Schreiber.
Wie die RHEINPFALZ erfuhr, befindet sich eine im Betriebsausschuss thematisierte mögliche Videoüberwachung derzeit noch in der Prüfungsphase.
Ausgabe von gelben Säcken bald mit Automat
Eine Reduzierung des Aggressionspotenzials erhofft sich der EWF durch die geplante Änderung der Modalitäten bei den gelben Säcken. Auf Nachfrage informierte Abteilungsleiter Stephan Nießner, dass ein Ausgabeautomat bereits bestellt sei.
Er soll in einigen Monaten vor dem Bürgerbüro im Freien installiert werden. Und wie wird hier rationiert? Die Mengenbegrenzung auf jeweils eine Rolle will man demnach über eine zeitliche Sperre erreichen.
Gedanken macht sich der EWF ferner über eine pfiffige Bezeichnung und einen Namen für das Bürgerbüro – auch um Verwechslungen mit dem Bürgerservice im Rathaus zu vermeiden. Kreative Vorschläge aus der Bevölkerung sind gerne willkommen und können beim EWF eingereicht werden.
Info
Das EWF-Bürgerbüro in der Sterngasse 12-14 ist montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr sowie freitags von 8 bis 13 Uhr geöffnet.