Frankenthal Ethik der Zukunft

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Auf drei Grundpfeilern basiert die Ethik der Zukunft, die Michael Garthe, Chefredakteur der RHEINPFALZ, zum Auftakt der Gemeindeseminarreihe der Lutherkirche entwarf: der Jugend, die sich in die offene demokratische Gesellschaft einbringt, der Politik, die sich glaubwürdig für das Allgemeinwohl einsetzt, und den Medien, die seriös und nachprüfbar berichten.

Seine rund 80 Zuhörer konfrontierte der Journalist am Mittwochabend zunächst mit der traurigen Realität: Der Rechtsstaat werde attackiert, in den sozialen Netzwerken zur Selbstjustiz aufgerufen, Europas Einigung als Teufelswerk dargestellt. „Niemand ist in politischen Angelegenheiten im Besitz der absoluten Wahrheit“, betonte Garthe. Volksentscheide seien kein Allheilmittel, mehr denn je habe die Politik heute die Aufgabe, Vertrauen in die repräsentative Demokratie zurückzugewinnen. Das im Grundgesetz verankerte Gewaltmonopol nannte Michael Garthe eine Säule des Rechtsstaates. „Die Verfassung verpflichtet uns zu einem Mindestmaß an gegenseitigem Respekt und bürgerlicher Toleranz.“ Einen leidenschaftlichen Appell richtete der Referent an junge Menschen, die „Baumeister einer besseren Welt von morgen“. Sie sollten nicht jede Gleichmacherei mitmachen und sich nicht im Internet, sondern in anderen Menschen spiegeln: „Wer immer mehr oder nur noch über die sozialen Netzwerke kommuniziert, versteht die Menschen falsch oder gar nicht mehr“, hob Garthe hervor. Der größte Teil dieser Informationen sei ungeprüft und habe keine seriöse Quelle. „Lasst euch die Einigung Europas nicht zerreden, sie ist bis heute die größte Friedensbewegung in der Geschichte.“ Seinen Weckruf adressierte Michael Garthe auch an die Politiker, denen er eine Vorbildfunktion zuschreibt. Diese sollten dem Ende der Höflichkeit in der Gesellschaft entschieden entgegentreten und sich scharf von Extremisten abgrenzen. Auch sollten Politiker nicht Volkes Meinung hinterherrennen: „Die gibt es nicht in einer pluralen Demokratie.“ In seinem Appell an die Medien kam der Chefredakteur auf die journalistischen Kardinaltugenden zu sprechen: Verpflichtung zur Wahrheit, Trennen von Nachricht und Meinung, Bewahren von Unabhängigkeit und kritischer Distanz. Aus dem Plenum erntete Michael Garthe viel Zustimmung. Es wurde angeregt, seinen Appell an die (nicht anwesende) junge Generation als Flugblatt in den Schulklassen zu verteilen. Andere Wortbeiträge thematisierten das föderale Bildungssystem und den zunehmenden Lobbyismus in der Politik.

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