Frankenthal
Eppstein: Ökumenisches Geläut zum Abschluss eines besonderen Rundgangs
Spuren christlichen Glaubens in Eppstein erkundeten am Sonntagnachmittag rund 100 Teilnehmer bei einer ökumenischen Ortsbegehung in neun Stationen. Das gemeinsame Projekt der protestantischen, katholischen und mennonitischen Kirchengemeinden ist Teil des Frankenthaler Jubiläumsjahres.
Mit einem solch großen Andrang habe man nicht gerechnet, hieß es von Veranstalterseite. Die Idee zu dem gemeinsamen Projekt im Rahmen des Frankenthaler Jubiläumsjahres sei während einer Ökumene-Sitzung entstanden, sagte der protestantische Pfarrer Oliver Jaehn.
Der gut dreieinhalbstündige Rundgang startete am Neuköllner Platz: Hier stand einst die Konfessions- und Simultanschule, in der Schüler früher nach Konfessionen getrennt unterrichtet wurden. Dem zwiespältigen Erbe früherer Schulzeiten, mit trennenden Zäunen und körperlichen Übergriffen, aber auch mit gemeinsamen Schulspeisungen und Tagesausflügen, konnten die Zuhörer hier nachspüren. Einige Ältere steuerten spontan Anekdoten aus ihrer eigenen Schulzeit bei.
Symbolisch gestärkt mit einem Stück Zuckerbrot gingen die Vorortpilger weiter in die Hintergasse 20. Die Rundbogenfenster und die Jahreszahl 1787 über dem Eingang eines Nebengebäudes verraten, dass die heutige Scheune von Familie Kuhn einst eine evangelische Kirche war. 1719 erbaut und bis 1905 genutzt, erinnert das Gebäude an rund 200 Jahre protestantische Kirchengeschichte im Dorf. Etwas versteckt am Ende einer gepflegten Grünrabatte steht ein kleines schmuckes Gebäude in der Leininger Straße. Es sieht aus wie ein normales Wohnhaus. Erbaut wurde es 1779 von mennonitischen Glaubensflüchtlingen, die sich, da in ihrem Herkunftsland Schweiz verfolgt, in Eppstein ansiedelten. Das noch heute genutzte Kirchlein zeuge von Flucht, Auswanderung, aber auch von der Bedeutung der Gemeinschaft für die Gläubigen, betonte Pastorin Birgit Foth und verteilte als Wegzehrung Emmentaler Käsehäppchen.
Wegkreuz von 1718
Unübersehbares Wahrzeichen des Vorortes ist das Wegkreuz zwischen der Römerstraße und Dürkheimer Straße. Der barocke Sockel von 1718 gilt als das zweitälteste Kulturdenkmal im Vorort. Das Flurkreuz lade, so Burkard Firsching, noch heute Vorbeigehende ein zum Innehalten und zur Reflexion über den eigenen Lebensweg.
Einen Pausenkeks in der Hand ging es weiter zur ältesten christlichen Spur im Ort. Die fand man in der Verdistraße im südöstlichen Neubaugebiet. Wo heute schmucke Einfamilienhäuser stehen befand sich zur Zeit der fränkischen Merowinger (5. bis 7. Jahrhundert) ein Gräberfeld vom Ausmaß des heutigen Eppsteiner Friedhofs, in dem neben Männern, Frauen und Kindern auch Pferde bestattet wurden.
Fitnesskugeln zum Knabbern
Als typische Grabbeigabe außer Schmuck und Waffen erhielten die Toten ein Kreuz aus dünner Goldfolie. Auf dem Rasengrundstück der DJK zwei Straßen weiter erinnerte Pfarrer Stefan Mühl an den Prälaten Ludwig Wolker (1887-1955), der sich als Vorsitzender der DJK und Mitglied des Nationalen Olympischen Komitees zeitlebens um die katholische Jugend und den Sport verdient gemacht habe. Und so gab es – nach einigen Kniebeugen – Fitnesskugeln zum Knabbern für die Teilnehmer.
In der Kirchgrabenstraße lächelt die heilige Elisabeth von der Fassade der heutigen Kita. Das Gebäude beherbergte einst das katholische Schwesternhaus der armen Schulschwestern aus Speyer. Sie waren bis 1971 im Ort vielfältig aktiv, unter anderem in der Kinderbetreuung und Krankenpflege. Dem Friedhof als Symbol des Loslassens von Wünschen und Hoffnungen konnten die Wanderer bei sakralen Saxofonklängen nachspüren und bekamen ein Stück Streuselkuchen mit auf den Weg.
Die kirchliche Spurensuche endete am Ausgangspunkt Neuköllner Platz mit einem Schauläuten der vier protestantischen und vier katholischen Glocken. Birgit Müller, Glockensachverständige für die Bistümer Speyer und Trier und die evangelischen Kirchenbezirke Pfalz und Rheinland, erklärte die Unterschiede in den Klangbildern ihrer schwergewichtigen „Damen“ (die dickste „katholische“ Hamm-Glocke wiegt 1129 Kilo) und demonstrierte eindrucksvoll den „Eppsteiner Sound“. Zum Finale erklang das ökumenische Silvester-Geläut.