Frankenthal
Elektronikfachgeschäft Fürst-Helbig: Langlebigkeit statt Billigware
Als die großen Elektronikhändler ihre Geschäfte vor die Tore der Städte verlagert haben, da habe er sich schon Gedanken gemacht, wie es weitergehe, berichtet Seniorchef Harald Fürst, der in dem Frankenthaler Elektronikfachgeschäft nur noch „Teilzeitarbeiter“ ist. „Heute haben wir diese Angst nicht mehr“, sagt er selbstbewusst. Die größere Konkurrenz sei inzwischen der Onlinehandel. Darüber hinaus sei der Trend zu höherwertigen Geräten zu verzeichnen. Die Kunden legten wieder mehr Wert auf Langlebigkeit. „Billig ist bei vielen nicht mehr das erste Kriterium“, erklärt Tochter Sabine Fürst, die das Geschäft 2008 von ihrem Vater übernommen hat und es nun in dritter Generation führt.
Fürst-Helbig ist einer der letzten Elektronikfachhändler in der Stadt. Der noch immer familiengeführte Betrieb wurde 1925 in Hettenleidelheim gegründet und ist seit 1958 in Frankenthal ansässig. Zu diesem Zeitpunkt übernahm Firmengründer Adolf Fürst das Geschäft der Helbigs. Sohn Harald Fürst stieg rund ein Jahr später als Lehrling ein und übernahm 1979 im Alter von 35 Jahren von seinem Vater die Führung.
Bessere Erreichbarkeit
Als es in Frankenthal los ging, befand sich der Laden in zentraler Lage, dort wo heute Leder Stricker zu finden ist. Damals gab es noch keine Fußgängerzone. Im Dezember 1989 ergab sich laut Harald Fürst die Gelegenheit, die Firma Schmitt zu übernehmen. So wurde der Sitz zuerst in die Speyerer Straße 49 verlagert. Ein Grund für den Umzug war die bessere Erreichbarkeit. Nun war auch die Weißware – Kühlschränke, Spül- und Waschmaschinen – im Programm. „Und das, obwohl ich als Fernsehmensch gar keine Ahnung von Waschmaschinen hatte“, erzählt Harald Fürst und lacht. Auch Computer und Telefone habe man seinerzeit verkauft.
Die Umsätze hätten sich so gut entwickelt, dass die weiße Ware auf die gegenüberliegende Straßenseite in die Hausnummer 48 ausgelagert wurde, wo sich das Geschäft noch heute befindet. Als er ins Rentenalter gekommen sei, habe er sich vom Fernsehgeschäft verabschiedet. Leider habe die Nachfolgefirma den Laden schon nach wenigen Jahren geschlossen. „Da hat mir das Herz geblutet, das war mein Baby“, sagt Harald Fürst. Heute kommt der Senior bei schlechtem Wetter zu Tochter Sabine in den Laden und kümmert sich um die Büroarbeit. Die sonnigen Tage verbringt er lieber auf dem Golfplatz.
Erfolgreiche Jahre
Schon früher habe es Überlegungen gegeben, aus der Innenstadt wegzugehen, berichtet Harald Fürst. Ein Gelände für einen Fachmarkt hätte es im Bereich des heutigen Kaufland-Areals an der Wormser Straße gegeben. Mit den Verantwortlichen der Einkaufsgemeinschaft Euronics, der sich Fürst früh angeschlossen hat, habe er das durchgerechnet, so der 79-Jährige. „Wir haben uns dagegen entschieden.“ Heute denkt er anders darüber: „Man hätte das doch machen können.“ Tochter Sabine Fürst ist mit dem jetzigen Standort zufrieden: „Der hat Charme“, betont die Geschäftsführerin. Auf 130 Quadratmetern werden Elektronikartikel, Kaffeevollautomaten, Kleingeräte und die Weißware verkauft. Und auch repariert – nach wie vor in eigener Regie.
Die vergangenen zehn Jahre seien sehr erfolgreich verlaufen, erläutert Sabine Fürst. Sechs Angestellte unterstützen die Chefs im Verkauf und Service. Umsatzzahlen wollen die Fürsts nicht preisgeben. Doch innerhalb der Euronics-Gruppe sei der Umsatz des Frankenthaler Geschäfts weit oben platziert. Die Einkaufsgemeinschaft hat nach eigenen Angaben bundesweit rund 1600 Mitgliedsbetriebe.
Schwätzchen im Laden
Das Geschäft stehe auf gesunden Füßen, sagt Sabine Fürst. Im Mittelpunkt stehe der Service. Und so sei man stolz auf die große Stammkundschaft: „Heute kommen schon die Kinder unserer langjährigen Kunden zu uns.“ Die Älteren kämen auch einfach mal so zu einem Schwätzchen in den Laden. Alle schätzten den gebotenen Rundumservice. Im Onlinegeschäft sei man über die Einkaufsgemeinschaft dabei. „Das führt zu einer größeren Sichtbarkeit am Markt“, erklärt die Chefin.
Der Senior will die Innenstadt im Blick behalten. Vom neuen Oberbürgermeister wünscht er sich mehr Initiative im Bereich Stadtmarketing. Sein Rat: Die Stadtspitze sollte offensiver an die größeren Namen im Einzelhandel herantreten und dafür werben, in Frankenthal ein Geschäft zu eröffnen. „Da muss man vielleicht auch mal ein Zuckerle anbieten“, meint Harald Fürst. Sonst drohten in Deutschland leere amerikanische Innenstädte, wie er sie von seinen Reisen gut kenne, aber nicht schätze.