Frankenthal
Eiskalter Dienstag: Warum der Frankenthaler Markt fast leer ist
Dienstag, 11 Uhr, um diese Zeit ist auf dem Rathausplatz normalerweise ordentlich Betrieb, bis hinein in die abzweigenden Straßen stehen Marktstände. Frankenthaler und Leute, die in der Stadt arbeiten, kaufen ein. Vor einem Café sitzen Gäste und beobachten das Geschehen. Wie gesagt: normalerweise. Am Dienstag sitzt niemand vor dem Café, und der Rathausplatz ist ziemlich leer.
Das Thermometer zeigt minus drei Grad, sieben Stände stehen auf dem Platz und an den Zugängen zu den Seitenstraßen verstreut, das wirkt irgendwie verloren, daran ändern auch ein paar Überreste des Weihnachtsmarkts nichts. Nur einer der Stände ist ein traditioneller Marktstand aus Holz. Fünf Marktbeschicker sind mit Verkaufswagen da.
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Mit warmen Gedanken
Am Verkaufswagen der Metzgerei Appel aus Freinsheim stehen wartende Kunden, trotz Kälte ist die Stimmung bestens. Dafür sorgt Christine Ritthaler, die Wurst und Fleisch verkauft. „Sie ist immer gut gelaunt und macht ein bisschen Stimmung. Wir sind froh, dass wir sie haben“, sagt eine ältere Frau, die vorne in der Warteschlange steht. Während Ritthaler wartet, bis eine Kundin bezahlt und gleichzeitig für eine andere Kundin ein Brötchen belegt, erzählt sie, dass sie früher schon auf dem Markt gearbeitet hat und seit sechs Wochen wieder dabei ist.
„Man macht sich warme Gedanken“, antwortet sie lachend auf die Frage, wie sie sich gegen Kälte schützt. Nur auf die „warmen Gedanken“ verlässt sie sich aber doch nicht. Ritthaler berichtet, dass sie Skiunterwäsche und -klamotten trägt. Auf dem Boden des Verkaufswagens kommt aus einem kleinen Heizstrahler etwas Wärme. „Das ist für die Füße, wenn die warm sind, ist der ganze Kerl warm“, sagt Ritthaler. Sie verrät, dass es ihr früh morgens trotz ihres sonnigen Gemüts etwas bang war: Denn sie ist erstmals mit dem Verkaufswagen allein von Freinsheim nach Frankenthal gefahren – bei leichtem Schnee und glatter Straße.
„Ich komme aus der Wärme“
„Ich bin Afrikaner, ich komme aus der Wärme, mir ist so kalt“, sagt Dodo im Verkaufswagen von Käse Wissmann. Dodo ist „Springer“. Er ist heute in Frankenthal, weil sich die Frau, die sonst den Käse verkauft, krank gemeldet hat. „Ich bewege mich so schnell, dass sich sogar der Wagen bewegt“, antwortet Dodo auf die Frage, was er denn gegen die Kälte tue. „Vielleicht sollte ich mich das nächste Mal wärmer anziehen“, überlegt der frierende Käseverkäufer. Er trage nur zwei Schichten übereinander, und dicke Socken wären wohl auch nicht schlecht. Nachher im Auto werde er die Heizung hochdrehen. Und danach im Büro werde er sich an die Heizung setzen und Kaffee trinken, tröstet sich Dodo mit dem Ausblick auf etwas Wärme.
Gerade hat sich Dodo bei einem kurzen Sprint zum Fischwagen zumindest ein paar Meter bewegen können. Im Käsewagen war das Papier zum Einpacken ausgegangen. „Dann machst Du mit dem Papier halt Werbung für uns“, sagt Sandra Röthlich und gibt ihrem Kollegen einen dicken Packen des Papiers vom Fischstand. „Es ist schweinebackenkalt“, sagt Röthlich. Um kurz nach 7 Uhr habe sie den Verkaufswagen geöffnet. „Da waren es minus sieben Grad und die ersten Stammkunden waren schon da“, berichtet sie.
„Wir hatten vor Jahren mal minus 15 Grad, da haben wir die Kühlung ausgestellt und trotzdem ist der Fisch in der Theke gefroren“, erzählt die Fischverkäuferin. Seit 15 Jahren komme sie auf den Markt, da habe sie sich an kalte Temperaturen gewöhnt. Und sie ist kleidungsmäßig besser ausgerüstet als der frierende Käseverkäufer. „Oben habe ich fünf Schichten an, unten Thermoleggins und Thermohosen“, verrät Röthlich. „Jetzt scheucht der mich von meiner Heizung weg“, jammert sie, als ein Kunde Kabeljau verlangt. Röthlich muss den Kabeljau am anderen Ende des Wagens holen, so weit reicht die Dieselheizung am Boden nicht. Die Fischverkäuferin meint es aber nicht böse, sie und der Stammkunde kennen sich, und der lacht nur über das nicht ernst gemeinte Gejammer.
Heißer Tee hilft
Auch Kadir Özer trägt fünf Schichten Kleidung übereinander. „Zwischendrin gehe ich mal kurz in den DM oder die Bäckerei, um mich aufzuwärmen“, erzählt Özer, der türkische und mediterrane Spezialitäten anbietet. In der Bäckerei kaufe er meistens einen heißen Tee. Und gelegentlich würden sich er und sein Mitarbeiter ein Sandwich im Grill heiß machen. „Außerdem hilft Bewegung, heute Morgen habe ich den ganzen Schnee hier weggekehrt“, nennt Özer eine weitere Möglichkeit, nicht zu frieren. Es würden weniger Kunden kommen als sonst. „Vielleicht auch, weil der Boden hier so rutschig ist, das ist nicht gut“, meint Özer.
„Das gehört zum Marktleben dazu“, kommentiert Achim Brixel, der den Verkaufsstand Allgäuer Käsestube betreibt, die Temperaturen. Auch er trägt mehrere Schichten Kleidung, doch mit der Zeit gehe die Kälte „durch Mark und Bein“. Ein kleiner Heizstrahler sorge zumindest für warme Füße. In einer Thermoskanne hat Brixel warmes Wasser dabei. „Das mische ich mit Mineralwasser, denn das ist zu kalt, um es zu trinken“, verrät er einen kleinen Trick. Seit 4.30 Uhr ist er unterwegs, hat erst von Worms aus den Wagen in Hofheim geholt, ist dann nach Frankenthal gefahren. Wenn er am Nachmittag fertig ist, „dann gibt es eine schöne heiße Dusche“.
Mit mehreren Gasflaschen sorgt Mohamed Ismail für Wärme in dem halboffenen Zelt, in dem er Blumen zum Verkauf anbietet. Die Auswahl ist heute kleiner als sonst, denn nicht allen Blumenarten reicht die leichte Wärme aus den Gasflaschen.
Fünf bis sechs Gemüsestände sind meistens auf dem Rathausplatz, heute ist es nur einer. Um den sind Zeltplanen gespannt, um Obst, Salat und Gemüse etwas vor Frost zu schützen. Die Kunden stehen Schlange. Eine ältere Frau und ein Mann sind die einzigen Verkäufer, die beiden tun ihr Bestes, aber schneller geht es nicht. Auch ist die Auswahl begrenzt, denn manches Obst und Gemüse geht bei Frost kaputt.