Frankenthal Einzelpraxis gehört Vergangenheit an

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Warum lockt der Beruf des Hausarztes so wenige Mediziner? Zum einen ist beim Ärztestand die Berufswelt im Umbruch. Flexible Arbeitszeiten, Vereinbarkeit von Familie und Beruf wünschen sich auch Ärzte. Einen Verlust an Ansehen, zu viel Bürokratie und sinkende Einkünfte macht dagegen die Kassenärztliche Vereinigung (KV) als Ursache aus.

Flexible Arbeitszeiten sind beispielsweise in der Gemeinschaftspraxis möglich. Waren es früher oft Ehepaare, die Beruf und Familie in einer gemeinsamen Praxis unter einen Hut brachten, so entstehen zunehmend größere und nicht-familiäre Kooperationen. Wie beispielsweise die Praxis Zisterer mit fünf Arztsitzen und derzeit einer ärztlichen Weiterbildungsassistentin im Vorort Mörsch. Wobei Armin Zisterer betont: Alle arbeiten Vollzeit . Jedoch sei durch den Schichtbetrieb auch eine flexible Arbeitszeitgestaltung gegeben.

Geöffnet habe die Praxis täglich außer mittwochs von 7.30 bis 20 Uhr sowie zusätzlich für etwa zwei Stunden am Samstag. Das heißt, der Patient hat immer einen Ansprechpartner, auch dann, wenn etwa ein Arzt krank oder auf Fortbildung ist. Die meisten Patienten finden das wunderbar, aber vor allem ältere bevorzugen doch ihren ständigen Ansprechpartner , sagt Zisterer.

Die Kollegen sind von dem Modell begeistert und stimmen in der positiven Beurteilung überein. Zwei haben zusätzlich einen Heimarbeitsplatz, das heißt, sie können ihre Hausbesuche von zu Hause vorbereiten, Dokumentationen oder Arztbriefe erledigen. Ärztin Klaudia Götz sieht auch die Möglichkeit, bürokratische Aufgaben nach Neigungen zu verteilen und nicht alles alleine machen zu müssen, als Vorteil. Vorteil für Patient wie Arzt sei der Austausch mit Kollegen, quasi die Zweitmeinung ohne Überweisung. Das erleichtert den Alltag , sagt Zisterer. Und die unterschiedliche Spezialisierung auf Schilddrüsenkrankheiten, Sport- und orthopädische oder psychologische Erkrankungen erweitere das medizinische Spektrum.

Für Armin Zisterer gehört die Einzelpraxis der Vergangenheit an, der nächste plausible Schritt wäre, wenn betriebswirtschaftlich vertretbar, die Filiale , sieht er die zukünftige Entwicklung im Hausarztbereich. Bereut habe er den Schritt zur Großpraxis nicht, im Gegenteil: Es macht Spaß, die Praxis wachsen zu sehen.

Auch Werner Leibig, Sprecher der Gesundheitsorganisation Ludwigshafen (Go-Lu) , sieht das Ende des Einzelkämpfers, meine Generation hat sich noch selbst ausgebeutet , bekennt er. Die Zukunft gehöre den Praxisverbünden, Kooperationen oder Zweigstellenlösungen. Der Frankenthaler Hausarzt Andreas Müller bestätigt diese Sicht: Gerade junge Ärztinnen wollen nicht alleine eine Praxis übernehmen, sie wollen lieber angestellt sein, vielleicht auch halbtags arbeiten, um Familie und Beruf in Einklang zu bringen, oder in einem möglichst großen Team aufgehoben sein.

Doch auch durch Teilzeitarbeit entstehe ein Ärztemangel, zudem könnten auf halben Stellen eben nur halb so viele Patienten versorgt werden, oder, wie Go-Lu-Sprecher Leibig folgert: Ich brauche heute drei junge, um einen Hausarzt alter Schule zu ersetzen. Doch mehr Ärzte kosteten mehr Geld - wie sollen wir das bezahlen ?

Einen Verlust an Ansehen sieht zudem die KV Rheinland-Pfalz als Grund für den Ärztemangel und versucht, in einer groß angelegten Imagekampagne mit Plakaten, Anzeigen oder Filmclips die Schönheit des Berufs vorzustellen, den Beruf wieder attraktiver zu machen , nennt Pressesprecher Rainer Saurwein die Bemühungen. Sehr geschadet habe dem Berufsstand ein seit zwei Jahrzehnten andauerndes Sparprogramm und sinkende Honorare, sagt Rainer Saurwein.

Nicht-Mediziner hinter Kassenschreibtischen beschränkten die freie Wahl von Medikamenten oder Verordnungen. Daraus folge die ständige Sorge vor Regressforderungen. Regress fordert die Kasse beispielsweise, wenn bei kostenlosen Grippeimpfungen unter anderem für chronisch Kranke auch mal ein Patient durchrutscht, der eigentlich bezahlen müsste. Und schließlich fordere auch eine wachsende Bürokratisierung, insbesondere wenn es um Abrechnung und Rechenschaft gegenüber den Kassen geht, viel Zeit.

Die Gesellschaft sollte ihre Ärzte nicht gängeln, sondern pflegen, Gängeleien tragen dazu bei, dass man den Beruf nicht gerne macht , fordert Leibig.

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