Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Einzelhandel: „Die Unsicherheit ist groß“

Bei Dauerregen kamen deutlich weniger Kunden zum verkaufsoffenen Sonntag nach Frankenthal. Trotzdem hält Citymanager Daniel Stro
Bei Dauerregen kamen deutlich weniger Kunden zum verkaufsoffenen Sonntag nach Frankenthal. Trotzdem hält Citymanager Daniel Strotmann solche Aktionen für wichtig fürs Image der Stadt – wenn sich möglichst viele Händler beteiligen.

Steigende Preise und Kunden, die das Geld zusammenhalten: Nach der Pandemie beuteln Inflation und Gaskrise den Handel in der Innenstadt. Im Gespräch mit Sonja Weiher berichtet Citymanager Daniel Strotmann von den Problemen der Geschäftsleute – und der Suche nach Lösungen.

Erst Corona, jetzt die Energiekrise. Wie stark hinterlassen diese globalen Krisen ihre Spuren beim Frankenthaler Einzelhandel?
Das ist schon massiv. Man hat sich gerade so ein wenig von dem einen erholt – und dann schlägt das nächste Problem ein. Es gibt im Handel eine große Unsicherheit, wie mit der Situation umzugehen ist. Da hat im Moment noch keiner ein Patentrezept.

Was sind die Befürchtungen?
Dass Kunden wegbleiben. Das Konsumklima ist im Sinkflug, weil natürlich auch bei Konsumenten Unsicherheit herrscht. Wenn ich jetzt erst mal schauen muss, dass ich das Geld zusammenhalte für die nächsten Abschläge, dann überlege ich genau, welchen Euro ich ausgebe. Das geht zu Lasten des Einzelhandels. Und dessen steigende Kosten lassen sich ja nicht eins zu eins weitergeben an die Kunden, die ihrerseits finanziell eingeschränkt sind.

Was bleibt in dieser Lage, um gegenzusteuern?
Von meiner Seite geht es jetzt hauptsächlich darum, Informationen zu Förderprogrammen, Unterstützungsmöglichkeiten und Einsparpotenzialen weiterzugeben. Es gibt verschiedene Entlastungspakete, die Frage ist, ob das noch ausgeweitet wird. Aber das Rezept, das alle Probleme löst, das gibt es nicht.

Ein Dauerthema in Frankenthal: Bei Aktionen wie zuletzt dem verkaufsoffenen Sonntag beteiligen sich nicht alle Einzelhändler in der Innenstadt. Warum eigentlich nicht?
Darüber kann ich nur spekulieren, die Einzelhändler müssen mir ja dazu keine Auskunft geben. Vergangenes Wochenende mag das dem schlechten Wetter geschuldet gewesen sein. Manche sagen sich vielleicht: Mir bringt das, auch angesichts der Personalkosten, nichts, da kommen keine zusätzlichen Leute. Das sehe ich natürlich nicht so. Es geht schließlich auch darum, gemeinschaftlich das Image der Stadt zu stärken.

Gibt es also kein allzu großes Interesse an so einer gemeinsamen Imageaktion?
Ich sehe das nicht so, dass das Gemeinschaftsgefühl nicht da ist. Es gibt leider immer den ein oder anderen Ausreißer. Aber viele sagen: Da müssen wir zusammenstehen.

Bräuchte es eventuell andere Formate und Kanäle für die Außenwerbung als Frankenthaler Einzelhandel?
Natürlich muss man immer wieder reflektieren, ob das, was man macht, noch das Richtige ist. Das passiert hier, im Austausch mit dem Bereich Wirtschaftsförderung der Stadt und mit Kollegen aus dem Citymanager-Netzwerk. Allerdings fehlt es auch in anderen Städten noch an zündenden Ideen, was man in diesen Zeiten tun kann.

Onlinewerbung und Internethandel nehmen immer mehr an Bedeutung zu. Wird das Thema nach Ihrer Einschätzung in Frankenthal im Einzelhandel genug beachtet?
Es gibt dazu ganz unterschiedliche Meinungen. Einige pflegen schon seit Langem einen Onlineshop, um ihre speziellen Produkte zu vermarkten. Bei mir landen auch immer wieder Angebote von Plattformen wie „Ebay – Deine Stadt“. Bei einem gemeinsamen Online-Marktplatz muss man wissen: Das ist ein wahnsinniger Aufwand, damit das wirklich gewinnbringend ist und man sich gegenüber den Großen durchsetzen kann. Ich denke, der Einzelhandel vor Ort muss eher noch besser seine Stärken wie den Service und das Einkaufserlebnis im persönlichen Kontakt herausstellen, damit der ein oder andere vielleicht doch wieder in der Stadt einkauft.

Gibt es aktuell Pläne für Online- und Social-Media-Aktionen beim City- und Stadtmarketingverein?
Der Stadtmarketingverein betreibt die Facebook-Seite „Freunde treffen“. Außerdem verbreitet die Stadtverwaltung unsere Aktionen und Veranstaltungen ebenfalls über ihre Kanäle auf Facebook und Instagram. Eine generelle Ausweitung der Aktivitäten in den Sozialen Medien ist derzeit nicht geplant, weitere punktuelle Kampagnen sind aber angedacht.

Die Deutsche Umwelthilfe regt an, in diesem Jahr aus Spargründen auf Weihnachtsbeleuchtung zu verzichten. Eine gute Idee aus Ihrer Sicht?
Meine persönliche Meinung: Es muss auf jeden Fall Weihnachtsbeleuchtung dabei sein. In welcher Form auch immer. Aber in Frankenthal ist das Thema, wie in vielen anderen Städten und Gemeinden, noch nicht schlussendlich geklärt.

Zur Person

Citymanager Daniel Strotmann (44) arbeitet seit 2010 im Citymanagement. Als „Innenstadtkümmerer“ ist er Ansprechpartner für Einzelhandel und Gastronomie und Schnittstelle zur Stadtverwaltung. Zu seinen Aufgaben gehört es, Projekte und Aktionen für eine attraktive Innenstadt zu initiieren und umzusetzen. Strotmann stammt ursprünglich aus Osnabrück und lebt mit seiner Familie seit zwölf Jahren in Frankenthal.

„Innenstadtkümmerer“: Citymanager Daniel Strotmann.
»Innenstadtkümmerer«: Citymanager Daniel Strotmann.
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