Frankenthal „Eine coole Truppe“
Prüfungsstress am Samstag auf dem Gelände der Hauptfeuerwache Frankenthal am Nordring: 16 junge Männer sind mit Ehrgeiz bei der Sache und brennen darauf, die letzte Etappe der Grundausbildung für freiwillige Feuerwehrleute erfolgreich zu absolvieren und in den Kreis der aktiven Truppe aufgenommen zu werden. Geschenkt wird ihnen dabei nichts.
Der Abschlussprüfung ist eine mehr als sechswöchige Unterweisung in Theorie und Praxis vorausgegangen. 110 Unterrichtsstunden sind nach der Feuerwehrdienstvorschrift abzuleisten. Zum ersten Mal haben sich die Städte Frankenthal, Worms und Ludwigshafen sowie die Gemeinde Bobenheim-Roxheim und die Werksfeuerwehr der Firma Renolit zusammengetan und die Ausbildung der Nachwuchskräfte als gemeinschaftliches Projekt organisiert. Einige Trainingseinheiten waren in die Nibelungenstadt und zur Firma Kawelke in Bobenheim-Roxheim ausgelagert. Eine relativ dicke Saugleitung aufzubauen, sie an eine Tragkraftspritze anzuschließen, um dann Löschwasser aus einem offenen Gewässer entnehmen zu können – bei dieser Aufgabe muss jeder Handgriff sitzen, auch wenn es sich um eine Trockenübung handelt. Die Kommandos „hoch“ und „runter“ erweisen sich dabei als äußerst hilfreich. „Die Zeitvorgabe für das Leistungsabzeichen sind 90 Sekunden“, erläutert Stadtfeuerwehrinspekteur Jürgen Speiser. Ganz so schnell sind die angehenden Wehrleute freilich nicht. In die hohe Kunst des richtigen Knotens werden die Prüflinge von einem Mann mit jahrzehntelanger Erfahrung eingewiesen. „Der Rettungsknoten am Seil muss hundertprozentig sein, bevor ihr eine Leiter besteigt“, hat ihnen der ehemalige Feuerwehrchef Harry Jauch mit auf den Weg gegeben. Wenn’s in die Höhe geht, ist das Anleinen oberstes Gebot. Klappt das auch, wenn die Versuchsperson Jürgen Speiser heißt? Da ist schon ein wenig Aufregung im Spiel. Doch der Wehrleiter ist mit dem Verknoten des Seils an seinem Körper zufrieden. Und selbst die Ausbilder Uwe Schalk und Herbert Philipps (beide von der Freiwilligen Feuerwehr Frankenthal) haben kaum etwas zu bemängeln. Kein Einsatz ohne das beliebte Kommando „Wasser marsch“. Bei einer Angriffsübung mit drei Strahlrohren darf es gleich mehrfach lautstark gegeben werden. Doch zunächst müssen die Trupps nach dem Verlassen des Fahrzeugs in die Lage eingewiesen werden: Zwei brennende Autos sind zu löschen. Viele Meter Schlauch werden ausgerollt, der Anschluss an Pumpe, Hydrant und Verteiler hergestellt. Und dann endlich das Erfolgserlebnis: Drei satte Fontänen mit einem Wasserdruck von etwa fünf bis sechs Bar werden auf das „Brandobjekt“ gerichtet – kalte Dusche für zwei schrottreife Karossen und glückliches Ende der Übung. Wie haben die Teilnehmer die Grundausbildung empfunden? „Ich habe Höhen und Tiefen durchgemacht, aber insgesamt ein gutes Gefühl, weil wir eine coole Truppe waren“, berichtet David Simon aus Bobenheim-Roxheim. Dem 22-Jährigen wurde von einem Kumpel der Dienst bei der Feuerwehr schmackhaft gemacht. „Es war ziemlich anstrengend“, meint der Wormser Christian Fell (38). Ein großes Lob zollt er den Ausbildern, die topp gewesen seien. Und den 28-jährigen Bankkaufmann Jan Burkardt aus Bobenheim-Roxheim hat der Feuerwehrdienst als Ausgleich zu seinem Bürojob gereizt. „Ich hatte keine Ahnung, was mich da erwartet.“ Wehrleiter Jürgen Speiser hält es für wichtig, möglichst viele junge Leute zu motivieren und an die Feuerwehr zu binden. Das Fazit der gemeinsamen Grundausbildung fällt für ihn ausgesprochen positiv aus. „Wir wollen die Zusammenarbeit intensivieren.“ Er plane bereits einen zweiten Kurs noch in diesem Jahr. Die erfolgreichen Absolventen dürften im Ernstfall bereits mit ausrücken, erklärt er.