Frankenthal „Ein zweiter Platz sollte nie der Anspruch sein“

«Frankenthal.»Gwendolyn Fuchs (Bayer Leverkusen) ist eine Meisterschaftsathletin par excellence. Die Speerwerferin aus Frankenthal gewann vor rund einer Woche bereits zum dritten Mal in Folge bei deutschen U23-Meisterschaften eine Medaille. Im Interview spricht sie über die Besonderheit des ersten Mals sowie ihre Faszination am Speerwerfen und erzählt, warum sie manchmal einfach nur ihren Trainingskollegen zuschaut.
Ich bin immer noch sehr glücklich, wenn ich bei deutschen Meisterschaften eine Medaille gewinne. Von einem Gewohnheitseffekt würde ich daher nicht sprechen. Aber es ist beim dritten Mal nicht mehr so besonders wie beim ersten Mal. Silber fehlt noch in Ihrer Medaillensammlung bei deutschen U23-Meisterschaften. Ein Ziel für 2019? Silber ist nicht das Ziel, ich will Gold holen. Ein zweiter Platz sollte nie der Anspruch sein. Sie liefern immer bei deutschen U23-Meisterschaften einen Top-Wettkampf ab. Haben Sie eine Erklärung dafür? Nicht so wirklich. Es hat sicherlich damit zu tun, dass es der Höhepunkt der Saison ist, ich mich darauf freue, im positiven Sinne aufgeregt bin, viel Adrenalin im Körper habe. Und meine Trainer bereiten mich immer sehr gut auf den Wettkampf vor. Waren Sie als Kind und Jugendliche auch schon so ein Wettkampftyp? Ich habe auch schon in der U18 Titel bei süddeutschen Meisterschaften gewonnen und war auch damals schon bei deutschen Meisterschaften gut. Viele Athleten sind im Training besser als im Wettkampf. Bei mir ist es andersherum – zum Glück. Also können wir viel erwarten, falls Sie sich mal für eine internationale Meisterschaft qualifizieren sollten? (lacht) Das erste Mal bei einer internationalen Meisterschaft wäre etwas sehr besonderes von der Nervosität her. Aber ich würde natürlich hoffen, dass ich auch da gut werfe. Ihre Saison ist bis zu den deutschen U23-Meisterschaften nicht unbedingt zufriedenstellend gelaufen. Sie sind vor der Saison zu Erfolgstrainer Helge Zöllkau nach Leverkusen gewechselt. Man sagt, es dauert immer ein bisschen, bis sich so etwas einspielt. Die Erfahrung habe ich auch gemacht, obwohl ich dachte, dass es nicht so krass ist. Aber mein Trainer sagt, dass es zwei Jahre dauern wird, bis es richtig läuft, bis ich richtig gut werfe. Ich habe zuvor in Köln nicht nur Speerwurf, sondern auch noch viel Mehrkampf trainiert. Jetzt mache ich nur noch Speerwurf. Es sind so viele Kleinigkeiten, an denen wir arbeiten. Ich habe beim Werfen so viele Sachen im Kopf, die ich ändern oder besser machen will, das braucht Zeit. Ich habe deshalb nicht so das befreite Gefühl beim Werfen derzeit. Sie trainieren in einer großen und leistungsstarken Gruppe in Leverkusen, unter anderem mit Katharina Molitor, der Weltmeisterin von 2015. Es ist cool, wir verstehen uns gut. Ich mag es gerne, ihr und auch den anderen beim Werfen zuzusehen. Aber Sie vergessen dann nicht, selbst zu werfen? (lacht) Nein, das vergesse ich nicht. Der Lerneffekt ist schon sehr groß, wenn man guten Athleten zusieht. Sie haben dieses Jahr noch nicht so weit geworfen wie erhofft. Enttäuscht? Nein, es ist natürlich nicht ganz so cool. Aber ich versuche, das recht entspannt zu sehen. Ich weiß, dass es einfach noch ein bisschen Zeit braucht. Ich versuche, mich nicht darüber zu ärgern. Das bringt mich nicht weiter, das killt nur Emotionen. Aber kann man – in einer so guten Trainingsgruppe – das einfach „entspannt sehen“? Es ist mir am Anfang schwer gefallen, aber jetzt bekomme ich das ganz gut hin. Im kommenden Jahr finden U23-Europameisterschaften statt. Die sind Ihr großes Ziel. Ja, auf jeden Fall. Kleinere Ziele gibt es bei meinem Trainer auch nicht. Sie müssen vermutlich 54, 55 Meter werfen, um sich für die U23-EM zu qualifizieren. Trauen Sie sich diese Weite zu? Meistens hat man als Athlet keine konstante Steigerung, sondern macht leistungsmäßig einen großen Sprung. Daher halte ich 54, 55 Meter für eine realistische Weite. Was fasziniert Sie eigentlich so am Speerwerfen? Es ist ein tolles Gefühl, den Speer zum Fliegen zu bringen. Und es geht darum, eine Bewegung möglichst perfekt auszuführen. | Interview: Thorsten Eisenhofer