Frankenthal „Ein Stück Deines Herzens“

„Im Schatten des Schlafs“ von Svenja Ritter – eines von vielen Beispielen zeitgenössischer Kunst, die Treidler-Vorsitzende Alis
»Im Schatten des Schlafs« von Svenja Ritter – eines von vielen Beispielen zeitgenössischer Kunst, die Treidler-Vorsitzende Alis Hoppenrath für die Ausstellung zu ihrem 70. Geburtstag ausgewählt hat.

Der Ausstellung „My Way“, die am Sonntagnachmittag im Kunsthaus Frankenthal eröffnet wurde, hat Treidler-Vorsitzende Alis Hoppenrath ihren ganz persönlichen Stempel aufgedrückt. Aufgrund der bemerkenswerten Vielfalt an Themen, Materialien und Techniken ist sie in ihrer Art einzigartig und ein Spiegelbild zeitgenössischer künstlerischer Ausdrucksformen.

Der Kunstverein habe, so der stellvertretende Vorsitzende Christoph Braun, seiner seit 20 Jahren amtierenden Chefin freie Hand gelassen. So konnte sich Alis Hoppenrath, die am Donnerstag 70 Jahre alt wurde, einen Geburtstagswunsch erfüllen und eine Werkschau kuratieren, „die auch ein Stück deines Herzens zeigt“, formulierte der Treidler-Vize. Er bescheinigte der Jubilarin, der die rund 70 Gäste ein Ständchen brachten, das Kunstverständnis maßgeblich geprägt zu haben. Hier setzte auch Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) an. „Kunst ist nicht nur für elitäre Kreise, sondern muss jedem zugänglich sein.“ Lobende Worte fand er für das „einzigartige ehrenamtliche Engagement“ von Alis Hoppenrath. Auch wenn der Ausstellungstitel mit einem Song von Frank Sinatra in Verbindung gebracht werde und so etwas wie Abschied assoziiere, müsse dies für die Treidler-Vorsitzende nicht gelten, fand der OB. Dass Hoppenrath in der Szene wertgeschätzt wird, wurde durch die Anwesenheit von acht der 14 ausstellenden Künstler dokumentiert. Und auch Salvatore Barbaro (SPD), Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Kultusministerium, hielt den Stellenwert des Ehrenamtes hoch, lobte das Kunsthaus als Frankenthaler Erfolgsgeschichte und stellte pointiert heraus, dass Menschen wie Alis Hoppenrath unersetzbar seien. Den Zugang zu der auf drei Räume verteilten Ausstellung erleichterte die Karlsruher Kunsthistorikerin Simone Maria Dietz, die eine fachlich fundierte gedankliche Verbindung zwischen den räumlichen Komponenten und den Exponaten herstellte. Alis Hoppenrath dagegen skizzierte als Kuratorin ihre Beweggründe für die Auswahl und würdigte dabei auch die künstlerische Entwicklung der Ausstellenden. In den filigranen Tuschezeichnungen von Stefan Engel (Schweisweiler) nimmt der Mensch eine dominante Stellung ein, während Christine Fischer (Ludwigshafen) mit einem außergewöhnlich reizvollen Objekt mit dem Titel „Überraschung“ – ein kuscheliger Langohrhase im Pappkarton – auf sich aufmerksam macht. Mit dem Raum und den Farben rot und blau experimentiert Christiane Grimm (Heidelberg) bei ihren in einer speziellen Mischtechnik auf Acrylglas festgehaltenen Gedanken. Der aus Grünstadt stammende und in Hamburg lebende Martin Conrad verbindet seine ausdrucksstarke Malerei mit grafischen Elementen. Mit Bleistift, Stoff und Tusche greift Katalin Moldvay (Baden-Baden) in ihren plastischen, aus einem Nähprozess entstandenen Arbeiten Erinnerungen auf und gibt ihnen ein neues Gesicht. Augenfällig ist die Installation „Im Schatten des Schlafs“ von Svenja Ritter (Waghäusel), bei der sie Figuren aus Polystyrol vor grellgrüner Plastikfolie postiert und über das Seherlebnis hinaus „eine gesellschaftliche und soziale Auseinandersetzung“ (Zitat Simone Maria Dietz) anstoßen will. Bei seinen Porzellan-Unikaten wählt Jeroen Bechtold (Amsterdam) zwar die Gefäßform, verzichtet aber auf den Boden. Eine homogene Verbindung zwischen Fotografie und Malerei geht Maria Maier (Regensburg) in ihren Collagen ein. Eine architektonische Dimension schafft der ungarische Künstler Sándor Kecskeméti mit seinen Skulpturen aus Granit und Rost. Zehn verschiedene Erdfarben verwendet Hama Lohrmann (Fischbach-Tronetshofen) für seinen „Frankenthal-Kreis“ im Land-Art-Stil. Die Direkttapete aus Naturmaterialien (Mohnkapseln) von Anjali Göbel aus Witzenhausen nimmt eine komplette Wand ein. Höchst filigrane Formen dominieren bei den Vierfarbdrucken von Hedda Wilms (Zweibrücken), während die bemalten Keramikexponate von Georg Schwarzbach (Bogen) ein Stück Realismus verkörpern. Den beziehungsreichen Titel „Tausendschön“ hat die Wormser Künstlerin Sylvia Richter-Kundel ihrem im Eingangsbereich aufgehängten Werk gegeben. Unzählige Einladungskarten zu kulturellen Veranstaltungen sind zur großflächigen Installation zusammengefügt. Termin Die Ausstellung „My Way“ ist bis 30. September täglich von 14 bis 18 Uhr (außer montags) im Kunsthaus Frankenthal, Mina-Karcher-Platz 42a, zu sehen. Führungen gibt es an den Sonntagen, 16. September, 16 Uhr, mit Joachim Hanisch und 23. September, 16 Uhr, mit Frieder Heil. Finissage ist am Sonntag, 30. September, 16 Uhr.

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