Frankenthal Ein Hauch von Disco
Bei der Vereinigten Turnerschaft (VT) Frankenthal scheinen sich Partylaune und physische Ertüchtigung nicht auszuschließen. Jüngster Beweis ist die Fitnessparty der VTler unter dem Motto „Runter mit dem Weihnachtsspeck und rauf mit der Kondition“. Zwei Stunden strapazierten rund 50 Gäste unter Anleitung von vier Trainerinnen ihre Muskeln, Sehnen und Gelenke.
Diskokugeln jagen bunte Lichter durch die Turnhalle des TV am Nachtweideweg. Dazu peitschen aus Lautsprechern hämmernde Rhythmen. Es ist 18.30 Uhr am Donnerstag. Während draußen verfrühte Silvesterraketen donnernd in den Himmel über Frankenthal steigen, steigt hier eine Party sportlicher Natur. Die Kleiderordnung ist alles andere als festlich: Die meist 20- bis 30-jährigen Damen kommen im Sport-Dress, die Haare zum Bubi-Kopf gestutzt oder zum praktischen Zopf gebunden. Schon steht die erste VT-Trainerin Stephanie auf der Bühne und bringt die Gäste nach dem ganzheitlichen Konzept des Deep Work gymnastisch auf Trab. „Und wir geben alles, hej, hej, hej“, kommandiert sie. Folgsam ahmt das Publikum die rasanten Choreographien nach, die die Muskeln abwechselnd an- und entspannen lassen: kleine Kobra, herabschauender Hund oder die Position des Kriegers. Die meisten hier sind Wiederholungstäter, die die Kursangebote der Gymnastikwelt des VT regelmäßig besuchen. Nach 45 Minuten übernimmt Tanja das Mikro. Ein kleiner Schluck aus den Wasserflaschen und schon dürfen die Teilnehmer die Gliedmaßen nach den Lehren des Piloxing bewegen. Eine halbe Stunde steht nun ein Mix aus Pilates, Boxen und Tanzen auf dem Programm. Konzentriert werfen die Damen Arme und Beine rhythmisch in alle Richtungen. Eine halbe Stunde darauf wechselt Tanja fließend zum Zumba. Die Bewegungen werden tänzerischer. Mit salsa-artigen Hüftbewegungen drehen sich die Gäste um die eigene Achse. Dieser Part der Fitnessparty könnte in jeder Disco stattfinden – mit dem Unterschied, dass in puncto Kondition sicher nur wenige Discobesucher mit den VT-Damen mithalten würden. Es ist kurz vor acht, als Petra nach zweiminütiger Verschnaufpause zum Kantaera ruft. Dieses Workout ist der neueste Schrei in der Gymnastikbranche. Bei der Light-Version des Tae Bo handelt es sich um mit Aerobic kombinierte Elemente des Kampfsports, und Maritta König ist mit Feuereifer dabei. Die 68-jährige Ludwigshafenerin gehört zu den ältesten Gästen der Fitnessparty und findet diese „sau-stark“. Die hochgewachsene Seniorin hat die Figur eines jungen Mädchens und macht beim VT jeden neuen Gymnastiktrend mit. „Ich bin täglich im Sportverein und belege oft zwei Kurse hintereinander.“ Danach sei sie immer total gut drauf, lacht die frühere Marathonläuferin, die nach eigenen Angaben ein gefühltes Alter von 30 Jahren hat. In den hinteren Reihen bewegen sich zwischen den sportlichen Damen auch drei Männer mehr oder weniger im Takt. Einer von ihnen ist Ralf Zickermann. In der Frauenrunde fühle er sich gut, sagt der 56-jährige BASF-Produktionsmeister. Das sei er so gewohnt, „auch in den Gymnastikgruppen des VT bin ich meist als Mann ein Einzelkämpfer“. Er bedauert, dass Gymnastik oft als softer Frauensport belächelt wird. „Das stimmt absolut nicht. Es ist wirklich schade, dass viele Männer in den Fitness-Buden Gewichte stemmen. Und glauben, nur dass sei echter Sport.“Anderthalb Stunden Gymnastikübungen aller Arten liegen hinter den Teilnehmern der Fitnessparty, als Regina zum abschließenden Stretch und Relax einlädt. „Auweia, jetzt müsst ihr noch mal alles geben“, droht sie lächelnd. Doch so schlimm wird die Schlussrunde nicht. Bei Cello- und Harfenklängen dehnen die Gäste sich ausgiebig und kommen so richtig in Partylaune, als aus den Boxen „Happy New Year“ von Abba erschallt. Anschließend wird so gefeiert, wie es bei einer normalen Party üblich ist: Mit Sekt und gemütlichem Smalltalk, bei dem über die nächsten Gymnastikkurse des VT geplaudert wird.