Frankenthal Ehekrach mit einem Engel

Witwer Alexander Carrington (Klaus Beckerle) soll potenzielle Herzensdamen testen.
Witwer Alexander Carrington (Klaus Beckerle) soll potenzielle Herzensdamen testen.

Die Komödie „Eine Herzensangelegenheit“ hat Hauptdarsteller Klaus Beckerle buchstäblich zu seiner Herzensangelegenheit gemacht. Bei der fast ausverkauften Premiere im Hoftheater Hasch-Masch in Bobenheim-Roxheim zog er am Samstag zwei Stunden lang im Rampenlicht alle Register für die Figur des Witwers Alexander Carrington.

Beim Schlussapplaus ist Beckerle die enorme Anspannung erstmals anzumerken. In jeder Szene stand fast ausschließlich er im Mittelpunkt. Ein Marathon an Konzentration und Schauspielkunst, den der 47-jährige Chemiker in seiner ersten Hauptrolle für den Theaterkreis Bobenheim-Roxheim erst einmal wegatmen muss. „Das war ein ziemlich dickes Brett, das da gebohrt werden musste“, lautete sein Kommentar nach der Premiere. Dieses dicke Brett bestand für Beckerle darin, eine für Laiendarsteller sehr anspruchsvolle Rolle überzeugend und intensiv über zweimal 60 Bühnenminuten aufzubauen – vom trauernden Witwer über den erfolglosen Schürzenjäger bis hin zum Frischverliebten. Und in jeder Nuance seiner tragikomischen Rolle gelang Beckerle eine Punktlandung. Die Handlung des Stücks von Donald R. Wilde ist ganz nach dem Geschmack der rund 90 Zuschauer: Der 61 Jahre alte Gynäkologe Alexander Carrington verwahrlost nach dem Tod seiner geliebten Gattin Ellen zusehends. Er selbst bemerkt davon recht wenig. Umso besorgter sind Sohn Joshua (Daniel Fuchs) und die Freundin des Hauses, Julia Weston (Alexandra Colaric), die sich vergeblich bemühen, dem Trauernden neuen Lebensmut einzuflößen. Bis die gleichfalls verwitwete Julia voller Tatendrang Ellens letzten Willen verkündet: Nach ihrem Ableben solle Alexander drei von ihr auserwählte Damen testen und eine von ihnen ehelichen. Nach anfänglichen Protesten fügt sich der Witwer dem Testament. Nur enden die Rendezvous mit fatalen Bruchlandungen. Kandidatin Nummer eins ist die Esoterikerin Lucretia Stagg. Gespielt wird sie von Karolin Eberle. Ihre Rolle gewänne noch, wenn sie akzentuierter und lauter sprechen würde. Als Blumenkind, das an Übersinnliches glaubt, will Lucretia den Witwer von seiner Höhenangst heilen. Sie hypnotisiert ihn und schickt ihn auf eine mentale Reise auf die Spitze eines Wolkenkratzers, bei der Alexander vom Sofa abstürzt und sich eine Kopfverletzung zuzieht. Kandidatin zwei ist eine Emanze in Lederhosen. Alexander küsst Deborah Harwich (Rebekka Krug) tröstend auf den Scheitel, als diese weinend ihre Einsamkeit gesteht. Nun erwacht in der Dame die Feministin: Sie fühlt sich vergewaltigt und verklagt den Witwer, der daraufhin sogar eine Nacht im Gefängnis verbringen muss. Auf dem Tiefpunkt seines Daseins erscheint Alexander die verstorbene Ellen (ebenfalls Karolin Eberle), die für eine Stippvisite aus dem Himmel zurückkehrt und einen handfesten Ehekrach anzettelt. Ihr Gatte hat nach den beiden Misserfolgen partout keine Lust, weiterzumachen. Doch Ellen ist ein autoritärer Engel und zwingt Alexander, auch dem letzten Tête-à-Tête zuzustimmen. Hier wäre zu wünschen, dass Eberle die beiden Rollen stärker voneinander abgrenzt. Ellens Auf- und Abtritt wird zudem von einem Donnergeräusch begleitet, das die Sprechpassagen akustisch überlagert. Hier sollte die Technik nachbessern. Rebekka Krug ist ebenfalls zweifach aktiv und spielt auch die Rolle der dritten Kandidatin Heidi Fleischmann. Die ist ein lüstern-laszives Weibchen, das es schafft, Alexanders Hormone wieder auf Trab zu bringen. Die beiden landen im Bett, wo der Witwer entdeckt, dass Miss Fleischmann in Wirklichkeit ein Mister Fleischmann ist. Krug schafft es zwar, beide Rollen voneinander abzugrenzen. Aber als transsexuelle Heidi Fleischmann ist sie stellenweise überfordert, stolpert im Text und hat einmal einen Aussetzer, den sie jedoch dank der Souffleuse schnell wieder in den Griff bekommt. Unterm Strich ist die aktuelle Inszenierung des Theaterkreises unter der Regie von Gonzaga Alvarez nuancenreich und unterhaltsam. Begleitet wird sie von einer kleinen Kunstausstellung Karolin Eberles. Die Frankenthaler Biologin präsentiert im Hoftheater Hasch-Masch eine Fotoausstellung mit Exponaten, die mittels eines Bildbearbeitungsprogramms Reisefotos verschiedener Länder zu poetischen Collagen kombinieren. Termine Die Komödie „Eine Herzensangelegenheit“ ist im Hoftheater Hasch-Masch in Bobenheim-Roxheim, Frankenthaler Straße 7, noch an allen Wochenenden im Februar sowie am 9./10., 16./17. und dem 23 März zu sehen. Die Vorstellungen beginnen samstags um 20, sonntags um 17 Uhr.

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