Frankenthal Drei Ausstellungen – und dann?

Drei große Ausstellungen plant der Ludwigshafener Kunstverein in diesem Jahr. Junge Kunst aus Rheinland-Pfalz macht beim Emy-Roeder-Preis im März den Anfang. Es folgen eine Einzelausstellung der vor allem mit dem eigenen Körper beschäftigen Künstlerin Bettina van Haaren im Mai und im September die Biennale für aktuelle Fotografie. Wie es danach weitergeht, ist wegen Sanierungsarbeiten im Reichert-Haus völlig offen.
Für Barbara Auer, Geschäftsführerin und künstlerische Leiterin des Kunstvereins, schafft dies große Probleme. Nachdem ihr mitgeteilt worden war, dass im November die Sanierung von Foyer und Treppenhaus im Reichert-Haus beginnen soll und der Zugang zur großen Ausstellungshalle damit nicht mehr möglich ist, hat sie eine geplante Ausstellung abgesagt. Jetzt habe sie „zufällig“ erfahren, dass die Arbeiten doch eher im Januar beginnen werden. Das wiederum mache eine gemeinsam mit Port25 in Mannheim geplante Ausstellung hinfällig. Da die Dauer der Schließzeit nicht feststeht, weiß die Kunstvereinsdirektorin auch nicht, was sie überhaupt für 2018 planen kann. „Meine Ausstellungen haben Vorlaufzeiten von einem Jahr“, sagt sie, „ich muss jede Ausstellung mit Fördermitteln finanzieren, die müssen beantragt und bewilligt werden, das kostet viel Zeit.“ Ob es ihr noch gelingt für November und Dezember eine Ausstellung zu organisieren, ist unklar. Auf alle Fälle wird der seit 1979 alle drei Jahre gemeinsam mit dem Mainzer Kultusministerium veranstaltete Emy-Roeder-Preis stattfinden. 66 Bewerbungen junger Künstler, die aus Rheinland-Pfalz stammen, hier leben oder studiert haben, sind diesmal eingegangen. Nach Auswahl durch eine Jury werden 19 davon in einer Ausstellung mit ihren Arbeiten vorgestellt. Wer den mit 5200 Euro dotierten Hauptpreis und den mit 2600 Euro dotierten Förderpreis erhält, wird bei der Ausstellungseröffnung am 10. März bekanntgegeben. Die stilistische Vielfalt der Arbeiten ist auf jeden Fall groß, vertreten sind Malerei, Skulptur, Installation, Fotografie, Grafik und Video. Eine gestandene Künstlerin ist die 1961 in Krefeld geborene Bettina van Haaren, die in Mainz Kunst studiert hat und seit 2000 an der Technischen Universität in Dortmund eine Professur für Zeichnung und Druckgrafik inne hat. Ihr zentrales Thema ist seit Mitte der 1980er-Jahre der eigene Körper und der Prozess seiner Veränderung, etwa durch Schwangerschaft oder das Älterwerden. Dabei stellt sie auch Fragen nach Geschlecht, Identität und sozialer Rolle. In neueren Arbeiten steht der Körper im Kontext von gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen wie Umwelt, Konsum oder Gewalt. Die Ausstellung ist eine Kooperation mit der Galerie der Stadt Tuttlingen und der Kunsthalle Schweinfurt. Beim alle zwei Jahre in Ludwigshafen, Mannheim und Heidelberg veranstalteten Fotofestival, das nun Biennale für aktuelle Fotografie heißt, ist der Kunstverein von Beginn an einer der wichtigen Ausstellungsorte. In diesem Jahr wird das Festival von Florian Ebner und Christin Müller kuratiert und aktuelle Erscheinungsformen wie auch das populäre und gesellschaftspolitische Potenzial der Fotografie untersuchen. Eine Woche lang wird es im Juli ein Projekt mit Flüchtlingen aus Ludwigshafen geben. Unter dem Titel „Suk“, arabisch für Markt, sollen die Teilnehmer Sitzmöbel in traditionellen Handwerkstechniken ihrer Heimatländer herstellen und am Ende zu einer großen Raumskulptur zusammenfügen. Geleitet wird das Projekt von dem Künstler Philipp Morlock, der bereits früher mit Flüchtlingen zusammengearbeitet hat. Termine —11. März bis 30. April, Emy-Roeder-Preis. —20. Mai bis 16. Juli, Bettina van Haaren. —22. bis 30. Juli, Suk – ein Projekt mit Geflüchteten aus der Region Ludwigshafen. —9. September bis 5. November, Biennale für aktuelle Fotografie.