Frankenthal
Doch kein Wechselunterricht: Was sagen Schulen und Eltern dazu?
Die Nachricht aus Mainz habe ihn „sehr erstaunt“, sagt Georg Bauer, Rektor der Grundschule Eppstein-Flomersheim. Die Pläne für den Schulbetrieb ab Montag seien komplett fertig gewesen. „Und jetzt werden wir wieder einmal vor vollendete Tatsachen gestellt.“ Besonders ärgert ihn, dass Eltern von der Entscheidung bereits über Medien erfahren hätten, bevor die offizielle Information um 9.45 Uhr in seinem E-Mail-Postfach ankam. Der Aufwand, den diese Kehrtwende nun mit sich bringt, nennt Bauer „belastend für alle“. Auch wenn er angesichts des Infektionsgeschehens großes Verständnis für die Ansage aus Mainz hat. Unter anderem muss nun erneut der Bedarf an Notbetreuung abgefragt werden. Aktuell nutzen 25 der 182 Schüler dieses Angebot. Weil unklar ist, wie lange nun weiter Fernunterricht laufen soll, plane er mit seinem Kollegium „völlig ins Blaue“. Eltern fragten zurecht nach, wie es weitergeht. „Und wir müssen sie leider vertrösten, weil wir es selbst nicht wissen.“
Berufstätige Eltern können nicht planen
Diese Schwierigkeit, verlässlich zu planen, nennt auch Gregor Wagner vom Schulelternbeirat der Vorort-Grundschule als größte Belastung für berufstätige Eltern. Nicht jeder könne im Homeoffice arbeiten, weiß der Bankkaufmann und Vater zweier Kinder aus eigener Erfahrung. „Die Unsicherheit wächst, man kann sich nicht auf Ankündigungen verlassen“, schildert er die Stimmung in den Familien. Den Kindern fehle im Homeschooling zunehmend der Kontakt zu Gleichaltrigen. Er fürchtet auch, dass gerade bei der Einführung von neuem Stoff die Probleme wachsen. „Wir sind nun mal keine ausgebildeten Pädagogen.“ Auch Wagner sieht die Entscheidung mit Blick auf Virusmutationen ein – und versteht den Antrieb, Schulen so früh wie möglich zu öffnen. Er fragt sich aber, warum man den Schulstart nicht gleich für alle Schularten – wie bundesweit vereinbart – auf dem 15. Februar belassen hat.
„Regierung handelt verantwortungsbewusst“
„Ich habe ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass der Schulbetrieb bei uns am Montag beginnt, wenn alle anderen erst am 15. Februar öffnen“, sagt Ferdinand Fiege, Leiter der Neumayerschule in Frankenthal. Natürlich habe er mit seinem Kollegium „mit viel Zeitaufwand und Energie“ trotzdem Pläne für den Präsenzunterricht erstellt. Nicht zuletzt angesichts der Corona-Zahlen in der Stadt hält er die Entscheidung für richtig. „Die Landesregierung handelt verantwortungsbewusst.“ Fiege betont, dass der Schulbesuch ja auch freigestellt gewesen wäre. Den Bedarf zu ermitteln, sei nicht immer leicht, weil sich Familien bisweilen auch kurzfristig umentschieden. Von den 230 Kindern an seiner Grundschule sind derzeit 60 in der Notbetreuung angemeldet. Viel mehr sollten es laut Fiege auch nicht werden. Zumal ja parallel der Fernunterricht laufen müsse. Der entwickle sich immer besser. Webkonferenzen seien inzwischen Schulalltag.
Schnell wieder auf Fernunterricht umstellen
Auf den Fernunterricht umstellen müssen nun auch die rund 30 Lehrer an der Rheinschule in Bobenheim-Roxheim. „Wir sind am Donnerstagmorgen sehr überrascht worden von der Nachricht, dass nun doch kein Präsenzunterricht stattfindet und ehrlich gesagt auch etwas niedergeschlagen“, berichtet Rektor Andreas Mock.
Schon vergangene Woche habe das Kollegium alles für den Wechselunterricht vorbereitet: Bei den Eltern wurde abgefragt, welches der insgesamt 242 Kinder in 13 Klassen trotz aufgehobener Präsenzpflicht in die Schule kommt, in den Klassenzimmern wurden die Sitzplätze im Abstand von 1,50 Metern aufgestellt und Desinfektionsspender verteilt. „Das war wirklich ein großer Aufwand“, der während der Notbetreuung von rund 35 Kindern betrieben werden musste, sagt Mock.
Ob die Absage des Wechselunterrichts sinnvoll ist oder nicht, darüber will Mock nicht diskutieren. Jetzt dränge die Zeit. „Die Kollegen sind am Rödeln und müssen jetzt schnell wieder auf den digitalen Unterricht umstellen, alle Dokumente hochladen“, sagt er. Weil die Plattform SDUI montags wegen hoher Zugriffszahlen oft nicht erreichbar sei, rate man dazu, die Unterlagen sonntags herunterzuladen.