Frankenthal Die Vielfalt macht’s
Gerolsheim war am Wochenende zum mittlerweile elften Mal Ziel für Kunstfreunde aus Nah und Fern. Die Regio Art mit erneut 62 Ausstellern präsentierte im Bürgerhaus Malerei, Drucktechnik, Fotografie, Bildhauerei in der ganzen Vielfalt an Techniken und Stilen. Mit 1350 Besuchern kamen noch einmal 150 mehr als im Vorjahr.
Mit dem Regio-Art-Award 2018 wurde gestern die Osthofener Fotografin Stefanie Weiß ausgezeichnet. Auf den zweiten Platz im Publikumsvoting schaffte es Armin Eltze aus Ludwigshafen und auf Platz drei die Frankenthalerin Angelika Keck. 32 Aussteller hatten sich an dem Wettbewerb unter dem Titel „Horizonte“ beteiligt. Ein Titel, der nicht zu stark themengebunden eine Interpretation in jedem Genre möglich gemacht habe, meinen die Organisatoren Günter Hesse und Günter Hornung. Beim Wettbewerb und in der Ausstellung galt: Die Vielfalt macht’s. Neben Aquarellen, Acryl- und Ölbildern, computergestützten Drucken, dreidimensionalen Arbeiten und Wandobjekten stehen Plastiken und Skulpturen aus Metall, Keramik, Holz. Beim Rungang durch das Bürgerhaus stoßen die Besucher auf Fotorealismus im Stil der Alten Meister, auf Impressionismus, Surrealismus, Cartoons sowie Abstraktes in Malerei und Bildhauerei. Kunst, Kunsthandwerk, Design – der Grat ist schmal, die Grenzen verwischen. In jedem Fall aber sind es Könner, die sich in Gerolsheim mit ihrem Schaffen präsentieren. Darauf ist Ortsbürgermeister Erich Weyer (FWG) stolz, wenngleich er zugeben muss, dass mit der Anzahl der Aussteller das Dorfgemeinschaftshaus an seine Kapazitätsgrenzen stößt. Mehr geht nicht. Zu groß ist jedenfalls die Anzahl, als dass man an dieser Stelle detailliert auf jeden eingehen könnte. Vergleicht man mit den beiden Vorjahreskatalogen, so sind 21 Teilnehmer erstmals oder eben seit längerer Zeit wieder einmal dabei. Nachdenklich macht Geert Bordich mit seinen Sujets. So lenkt er den Blick kritisch darauf, wie wir Menschen nebeneinander her leben, statt aufeinander achtzugeben. Dagegen steht bei Armin Eltze der Dialog mit Materialien im Vordergrund seiner abstrakten Arbeiten. Peter Frick haben seine Fernreisen inspiriert – die intensiven Farben bringen andere Kulturen in die Ausstellungshalle. Fotografen sind in diesem Jahr stark vertreten. Auch hier ist bei Thomas Goerger Abstraktion im Spiel durch Mehrfachbelichtung. Peter Grüner gibt dem Realismus Raum. Landschaften und urbane Ansichten sind bei ihm der Hintergrund für Aktaufnahmen. Dagegen hält Gunther Petruck Stillleben fotografisch fest wie eine beleuchtete Turmuhr neben den Umrissen von Gebäuden im Dunkeln. Bestechend sind Angelika Steins Fotos von Eiswürfeln, die farbige Papiere und Stoffe reflektieren. Fundstücken aus Metall und Holz gibt Ulrich Koglin neues Leben. Jutta Wirfler arbeitet Gebrauchskeramik, aber auch abstrakte und Objekte und kleine Figürchen. Wolfgang Vesters präsentiert humorvolle Cartoons zum Thema Wein und Pfälzer Mentalität und Lebensart. Da steht die Weinbergschnecke für ein Schneckenhaus voll besetzt mit Rebstöcken, Spätlese für die Seniorenliebe bei der herbstlichen Weinlese, und neben einer klassischen Steinskulptur sitzt ein Pfälzer in fast identischer Pose. Nur thront er nicht auf einem Sockel, sondern einem Fass, stützt er nicht das Kinn auf den Handrücken, sondern hält ein Glas vor seinen großen Riecher und blickt ganz genüsslich-versunken. Wie mittlerweile Tradition, geben die Veranstalter eine katalogähnliche Zeitschrift mit einer Auflage von 4500 Exemplaren heraus. Im „Zoom“ ist jeder Teilnehmer mit Foto und kurzer Darstellung vertreten, dazu gibt es Tipps für die Aussteller: zu den Themen Merchandising – also kleinen käuflichen Artikeln, die den Fan stets an den Künstler erinnern sollen –, Reisekostenabrechnung des Künstler und zur richtigen Pinselpflege. Im Heft sind auch einige Werbeanzeigen zu sehen. „Mittlerweile ist die Veranstaltung so groß, dass wir ohne Sponsoren nicht mehr auskommen“, sagt Günter Hornung in seiner Eröffnungsansprache. Nur so, sagte er auf Nachfrage, sei es möglich, die Kosten für den einzelnen Teilnehmer möglichst gering zu halten. Immerhin stelle heute ein professioneller Messebauer die Schauwände, selbst schleppen wie in den Anfängen der Regio Art sei nicht mehr möglich – „wir werden ja auch alle älter“.