Frankenthal
Die Stefan Kahne Allstars begeistern das Publikum im Gleis 4
Es ist die gute alte Rockmusik, die es hier reichlich gibt – und die neuen eigenen Stücke fügen sich da auch nahtlos ein. Kümmert hat ja gerade ein neues Album am Start, „Working Class Hero“. Neben Kahne und Kümmert ist der dritte in der vordersten Reihe auf der Bühne der Lokalmatador Achim „Zeppi“ Degen.
Die Liebe zu goldenen Ära der Rockmusik
Gemeinsam ist den dreien und der Band hinter ihnen, dass alle Musiker den Sound der goldenen Ära der Rockmusik lieben. Und der wird im Konzert auch live gespielt. Einziges Zugeständnis ist vielleicht, dass der Keyboarder ein digitales Instrument spielt, anstelle der jeweils zentnerschweren Originale von Stagepiano und Hammondorgel. Kahne erzeugt seinen Gitarrensound mit feinen alten Instrumenten von Fender und Gibson, und auch wenn die Tonabnehmer der abgewetzten Stratocaster deutlich brummen in den Spielpausen – das muss so sein, das war ja früher auch so.
Dass Kümmert mit dabei ist, macht den Zuhörern noch mal besondere Freude. Gleich zu Beginn fällt bei seinem Auftritt auch auf, dass er nicht nur der bekanntermaßen tolle Sänger ist, sondern auch ein richtig guter Gitarrist. Er kommt mit einem Instrument von Danelectro – die Marke ist nicht die berühmteste, aber jeder bekannte Gitarrist hat auch mal so ein Ding gespielt. Und Kümmert macht das richtig gut. Nicht nur Rhythmus-Sachen geht er mit, auch einige Solos spielt er. Vielleicht ist er nicht so ein Flitze-Finger wie Kahne, aber es klingt immer gut phrasiert und stilvoll, wenn Kümmert alleine spielt.
Kümmert hängt sich richtig rein
Die Stimme ist natürlich großartig, und wie immer hängt sich der Sänger so richtig rein in die Songs. Das reißt einfach mit. Kahne singt auch, das klingt auch gut. Bei „Crossroads“ singt er mal parallel zu seinem Gitarrensolo. Schön zu erleben, wie die Rhythmusgruppe schlagartig Dampf rausnimmt und leise wird.
Achim „Zeppi“ Degen ist schon seit den 90er Jahren in der Region bestens bekannt. Damals hatte der Frankenthaler Sänger mit der Band Six was Nine den Hit „Drop dead beautiful“, der sich 23 Wochen in den Charts hielt und bis heute gespielt wird. Später gehörte er zu Cole, und in beiden Gruppen war Klaus Kummer dabei, alias KK Sings, mit dem Degen auch immer mal wieder auftritt. Eines seiner ersten Stücke im ersten Set war „Stuck in the Middle with You“, der bekannte Hit von Steelers Wheel von 1972.
Nicht fehlen durfte natürlich ein kleines Jimi Hendrix Special. Kahne erweist den Gitarrengott die Ehre, indem er bei „All along the Watchtower“ ein paar Zitate aus Hendrix Originalsolo einstreut, die Version im Gleis 4 hat einen eigenen Sound und etwas einen anderen Groove als die Hendrix-Version.
Degen singt die Leadstimme und die Band hat wieder einige Dynamiksprünge im Ablauf, die für Abwechslung sorgen. Danach ahnt man schon, wie es weiter geht, als Kahne seine Strat durch einen Phaser jagt und den typischen psychedelischen Sound hinbekommt: „Little Wing“, eine der schönsten Balladen von Hendrix.
Großartige Stimmung im Gleis 4
Die Stimmung im Gleis 4 ist natürlich toll, der Saal war schon vorher ausverkauft, die Leute haben richtig Spaß. Sie bekommen ihre Lieblingsstücke zu hören – und ein paar neue Songs, die die alte Rock-Tradition aufgreifen.