Frankenthal Die neue Bescheidenheit der BASF
Auch bei der BASF macht der Ton die Musik – und der war gestern bei der Pressekonferenz des Chemieunternehmens trotz durchwachsener 2018er-Bilanz durchaus optimistisch. Vorstandschef Martin Brudermüller begann seine Rede vor 50 Journalisten aus aller Herren Länder eher nüchtern bis pessimistisch: „Das zurückliegende Jahr war kein leichtes. Selbst der Rhein machte uns einen Strich durch die Rechnung.“ Klar, das lang anhaltende Niedrigwasser torpedierte die Rohstoffversorgung per Schiff im Stammwerk und riss eine Lücke von 250 Millionen Euro ins Ergebnis. Hinzu kamen Absatzprobleme der Automobilbranche und Handelskonflikte. Im Paket sind das alles andere als ideale Rahmenbedingungen für Rendite. Dennoch versprühte der als konservativ geltende Schwabe Brudermüller für das „Übergangsjahr 2019“ viel Zuversicht, was neben der Floskel „Wir schauen optimistisch in die Zukunft“ und dem Herunterbeten von für Laien unverständlichen Zahlenkolonnen in dem bemerkenswerten Satz mündete: „Die Welt wird nicht über die Tischkante stürzen.“ Brudermüllers Zuversicht beruht darauf, dass sich die Autobranche als wichtigster Kunde schrittweise erholen und das Geschäft in Asien wieder zulegen wird. „Deshalb müssen wir am Wachstum Chinas teilhaben, dem größten Chemiemarkt der Welt. Auch in Indien wollen wir investieren“, kündigte der 57-Jährige an. In beiden Ländern leben 2,8 Milliarden Menschen, jeder Dritte Erdenbürger. Mit ihrer neuen Strategie verfolge die BASF aber auch „ehrgeizige nichtfinanzielle Ziele“, betonte Brudermüller. Bis 2030 wolle das Unternehmen Treibhausgasemmissionen auch bei Produktionswachstum auf dem Niveau von 2018 konstant halten. Am Standort Mundra, einer südindischen Hafenstadt, soll die erste CO2-neutrale Produktionsstätte gebaut werden. Als Symbol dafür, dass es der Konzern ernst meint mit dem Ressourcenschutz, stand auf jedem Tisch ein wiederbefüllbarer, weiß-blauer Keramikkaffeebecher mit Silikon-Deckel. Dem mäßigen Geschäftsjahr mit einem „nur“ um zwei Prozent gestiegenen Umsatz von fast 63 Milliarden Euro geschuldet ist die eher moderate Gehaltsstruktur der sieben Vorstände. Demnach kassieren die Manager im Jahresschnitt brutto etwa drei Millionen Euro (2017: 4,2). Das ist immer noch jede Menge Asche. Aber selbst Brudermüller und Finanzvorstand Hans-Ulrich Engel als Spitzenverdiener mit jeweils über 3,9 Millionen Euro und deutlichen Einbußen gegenüber 2017 sind weit davon entfernt unter den Top-Ten der Chefs von Dax-Unternehmen zu landen. Zwischen sechs und 13 Millionen Euro bewegt sich in dieser Liste das Einkommen. Eine Jobgarantie gab Brudermüller für den Standort Ludwigshafen, wo gut ein Drittel der weltweit über 122.000 Aniliner arbeiten. „Wir haben hier eine Standortvereinbarung bis 2020, die betriebsbedingte Kündigungen ausschließt. Daran halten wir uns auch.“ Zum BASF-Unglück im Nordhafen am 17. Oktober 2016, das fünf Todesopfer forderte, sagte Brudermüller, dass er den laufenden Prozess nicht kommentieren wolle. Die Betroffenheit im Konzern sei aber weiter hoch. „Das war und ist ein emotionales Thema. Das wühlt uns immer noch auf. Das gilt besonders für das Feuerwehr-Team, das mehrere Kameraden verloren hat. Das wird in unsere Geschichte eingehen. Wir werden das nie vergessen und haben unsere Maßnahmen verschärft. Es ist aber auch wichtig, dass mit der Aufarbeitung jetzt ein Schlusspunkt gesetzt wird.“ Wie gesagt: Der Ton macht die Musik. Wirtschaft