Frankenthal Die Kämpferin
«FRANKFURT.» Keine Europameisterschaftsteilnahme, kein Olympiaticket, keine WM: Die Saison ist für die Frankenthaler Eiskunstläuferin Nathalie Weinzierl denkbar schlecht gelaufen. Bei den deutschen Meisterschaften am Wochenende in Frankfurt hat sie sich dennoch von Herzen über ihren Vizemeistertitel gefreut.
Nach der Kür strahlt sie, schreibt gut gelaunt Autogramme für die Kinder mit den großen Augen, die auch einmal große Wettkämpfe bestehen wollen. Und sie tröstet sogar die mit Tränen kämpfende Lea Johanna Dastich, die mit ihr in Mannheim trainiert: Die 17-jährige Dresdnerin lief in Frankfurt weniger sicher als sonst, wurde Dritte, fährt aber dennoch statt Nathalie Weinzierl zu den Europameisterschaften nach Moskau. Dastich ist zwar noch nicht auf Weinzierls Niveau, hatte aber alle drei notwendigen Qualifikationswettkämpfe absolviert. Nathalie Weinzierl aber konnte nur zwei Wettbewerbe für das Olympia- und EM-Ranking einbringen, darum fiel sie trotz höherer Einzelnoten aus der Rangliste: Im Oktober war sie am Fuß verletzt. Anfang Dezember bremsten sie schwere Kreislaufprobleme in Tallinn aus, sie konnte ihre Kür nicht laufen. „Ich wusste nicht mehr, wo ich war auf dem Eis.“ Und die Notfalltropfen, die sie im Training nehmen darf, sind bei Wettbewerben nicht erlaubt. Die Anti-Doping-Agentur hat sie der 23-jährigen Frankenthalerin nicht genehmigt, was sie angesichts der vielen „Asthmatiker“ im Leistungssport nicht ganz gerecht findet. Sie möchte Einspruch einlegen. In Frankfurt ist sie bei den Meisterschaften nach einem Infekt auch noch mit Trainingsrückstand angetreten. Zwar ist ihr nicht alles fehlerfrei gelungen. Aber die Unternehmensjura-Studentin bewies, dass sie trotzdem weiter stärker ist als Lea Johanna Dastich: Im Künstlerischen ist die Frankenthalerin, die für den Mannheimer ERC startet, in der Kür um fast neun Punkte besser bewertet worden als das 17-jährige Nachwuchstalent. „Ich nehme mit, dass ich kämpfen kann und auch nach Fehlern wieder ins Programm zurückkommen kann“, bilanzierte Weinzierl die Meisterschaften. In Frankfurt hatte ihr Doppelaxel nicht geklappt, und sie stürzte beim zweiten Lutz. „Ich war doch ziemlich aufgeregt.“ Der Grund: Sie hoffte, vom Verband vielleicht doch noch zur EM geschickt zu werden, wenn sie vor Dastich landet. Schließlich bieten die Regularien der Deutschen Eislauf-Union (DEU) die Option, jenseits der Rangliste zu entscheiden. Und Weinzierl hat bei europäischen Titelkämpfen bis aufs Vorjahr stets so gut abgeschnitten, dass sie jeweils zwei Startplätze für die Folgesaison erlief. Doch die DEU hält sich in dieser Saison ganz streng an die Ranglisten. Was auch die Vizemeister im Paarlauf erleben mussten, die ebenfalls das Nachsehen gegenüber den Drittplatzierten haben: Diese hatten einen Vorsprung aus einem ungewöhnlich hoch bewerteten frühen Wettkampf und fahren nun nach Südkorea. Nathalie Weinzierl hat sich nun vorgenommen, bis zu Olympia 2022 weiterzulaufen. Und sie will wieder vor Nicole Schott liegen, die diese Saison beste deutsche Läuferin ist und erstmals an den Spielen teilnehmen darf.