Hockey RHEINPFALZ Plus Artikel Die Frankenthaler Nationalspielerin Sonja Zimmermann vor dem Final Four

Sonja Zimmermann ist vor dem Final Four zuversichtlich: „Ich würde auf uns setzen.“
Sonja Zimmermann ist vor dem Final Four zuversichtlich: »Ich würde auf uns setzen.«

Ein bisschen zittern mussten Sonja Zimmermann und der Mannheimer HC. Doch am Ende sprang am Sonntag im dritten und entscheidenden Viertelfinale gegen Uhlenhorst Mülheim ein souveräner 4:0-Erfolg und damit die Qualifikation für das Final-Four-Turnier um die deutsche Feldhockey-Meisterschaft am Wochenende auf der Anlage des MHC heraus. Und da will die Frankenthalerin endlich den Titel einfahren. Kleinigkeiten können dabei den Unterschied ausmachen.

Im Hochleistungssport fehlt oft nicht viel, das über Sieg und Niederlage entscheidet. Nach dem Sieg im ersten Viertelfinale bei Uhlenhorst Mülheim hätte der Mannheimer HC schon am Samstag den Sack zu machen können. „Wir haben an dem Tag vielleicht nur 98 Prozent gegeben, Mülheim 102. Dann ist es auch okay, dass sie gewonnen haben“, sagt Sonja Zimmermann.

Doch am Sonntag beim 4:0-Sieg auf der eigenen Anlage sei der MHC klar besser gewesen. Und deshalb steht die Frankenthalerin mit dem Team auch wieder im Final Four um die deutsche Meisterschaft, das am Wochenende erneut auf der Anlage am Neckarplatt ausgetragen wird.

Warten auf ersten Titel mit den Damen

In der Jugend hat sie schon einmal eine deutsche Meisterschaft geholt. Mit den Damen ist ihr das noch nicht geglückt. Doch aus ihren Worten hört man die Zuversicht, dass die Mannschaft diesmal für den großen Wurf bereit sein könnte. „Das Team wurde 2019 neu zusammengewürfelt. Wir sind schon so oft über uns hinausgewachsen, haben etliche Krisen gemeistert. Wir haben die technischen und athletischen Qualitäten, um zu gewinnen“, sagt sie selbstbewusst. In Sachen Athletik sieht sie den MHC sogar ganz vorne im deutschen Vereinshockey.

Beim Blick auf die Statistik der Saison fällt auf, dass der MHC mit 45 Treffern den schlechtesten Sturm aller Final-Four-Teilnehmer in der Hauptrunde hatte. Mit 19 Gegentoren aber auch die beste Abwehr. „Wir kommen mehr über die Defensive“, erklärt Sonja Zimmermann. Das Spiel sei auf viel Ballbesitz in Abwehr und Mittelfeld ausgelegt. „Das heißt aber nicht, dass wir keinen guten Sturm haben.“ Der Coach gewinne lieber 1:0 als 4:3, sagt sie und lacht. Und am Sonntag beim 4:0 gegen Mülheim habe man ja gezeigt, dass man Tore schießen könne.

Abwehrorganisatorin und Spielführerin

An der guten Gegentorquote hat sie als Abwehrchefin natürlich auch ihren Anteil. „Das liegt aber nicht nur an mir. Jeder im Team ist bereit, die ekligen Wege zu gehen. Wir reden sehr viel auf dem Platz“, erläutert sie. Hinzu komme, dass der MHC im Mittelfeld mit den zweikampfstarken Spielerinnen aus Argentinien gut aufgestellt sei. „Das gibt uns Sicherheit.“

Die 21-Jährige ist inzwischen mehr als nur eine feste Größe im Kader von Trainer Nicklas Benecke. Sie ist Abwehrorganisatorin und teilt sich mit drei Teamkolleginnen auch noch das Amt der Spielführerin. „Ich bin schon immer jemand gewesen, der gerne Verantwortung übernimmt“, betont sie.

Viele Faktoren im Shootout wichtig

Diesen Charakterzug hat sie auch im ersten Viertelfinale gezeigt, als sie im Shootout den ersten Penalty verwandelte. Die Abläufe habe sie natürlich trainiert. Aber die Torhüterinnen wüssten ja auch in der Regel, was auf sie zukäme. Aber sie traue sich das zu, bewahre unter Druck die Nerven. Am Samstag klappte es im Shootout allerdings nicht mit dem Treffer.

„Da spielen so viele Faktoren eine Rolle. Man kann diese Situationen im Training einfach nicht simulieren“, sagt Sonja Zimmermann. Vier Moves habe sie für den Shootout, mit denen sie sich sicher fühle. „Es kommt auch auf die Torwartin an, was man auspackt. Ich habe immer einen Plan A, wenn ich anlaufe. Und dann kann es eben sein, dass ich, je nach Situation, Plan B ziehen muss.“

Immer nur zwei Teams auf der Anlage

Corona-bedingt wird auch das Final-Four-Turnier ein anderes Gesicht haben. Nur zwei Teams – auch die Herren ermitteln ihren deutschen Meister in Mannheim – dürfen jeweils gleichzeitig auf der Anlage sein. Zuschauer wird es am Wochenende auf der Anlage nicht geben. Sonja Zimmermann wird die Fans vermissen. „Aber wir wissen, um was es geht. Auf dem Platz sollte nicht viel verloren gehen, was das Niveau angeht.“ Die 21-Jährige mag diese K.o.-Spiele. „Es geht um alles oder nichts. Man will sich mit dem Titel belohnen und über die eigenen Grenzen hinaus gehen. Wir haben so viel Aufwand betrieben in den letzten Monaten ...“ Der Titel gebe einem dann so viel zurück. „Das ist wie ein großer Traum.“

Doch bevor dieser Traum wahr wird, muss erst noch etwas Hockey gespielt werden. Im Semifinale bekommen es Sonja Zimmermann und der Mannheimer HC mit Rot-Weiss Köln zu tun. Bei Köln spielt unter anderem die ehemalige Mannheimerin Nike Lorenz. „Köln ist ein eingespieltes Team. Sie haben zwei, drei Mädels, die technisch richtig gut sind“, analysiert Zimmermann den Gegner. Und doch: „Ich würde auf uns setzen“, sagt sie und lacht.

„Tagesform entscheidend“

Im zweiten Halbfinale stehen sich der Düsseldorfer HC und Der Club an der Alster aus Hamburg gegenüber. Alster hat sich in den beiden vorangegangenen Spielzeiten jeweils den Titel gesichert. Zimmermann sieht die Norddeutschen auch in ihrem Duell in der Vorschlussrunde leicht im Vorteil. „Sie sind in der Breite sehr gut besetzt.“

Doch am Ende ist entscheidend, was auf dem Platz passiert. „Es kommt so krass auf die Tagesform an. Bekommt man die Ecke oder nicht? Das kann spielentscheidend sein“, erläutert Zimmermann. Auch beim MHC werde man natürlich noch mal die Eckenabläufe durchgehen. „Die Ecken haben bisher aber gut geklappt“, ist die Frankenthalerin zuversichtlich. Auch hier ist sie als eine der Schützinnen gefragt.

Im Training werde es diese Woche nicht voll zur Sache gehen. „Damit ich am Wochenende die volle Leistungsfähigkeit abrufen kann.“ Ab Freitag ist das Team dann gemeinsam im Hotel, quasi in der Corona-Blase. Dann gehe die letzte Phase der Vorbereitung richtig los. Die Spielerinnen sollen sich auf die bevorstehende Aufgabe konzentrieren.

Zeitplan

  • Samstag: Halbfinale Damen: Düsseldorfer HC – Der Club an der Alster (10 Uhr); Mannheimer HC – Rot-Weiss Köln (13 Uhr); Halbfinale Herren: Rot-Weiss Köln – Berliner HC (16 Uhr); Uhlenhorst Mülheim – Mannheimer HC (19 Uhr).
  • Sonntag: Finale Damen (13 Uhr); Finale Herren (16 Uhr).
  • Übertragen werden die Spiele auf Trops4 über die Streamingplattform Twitch.tv.
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