Frankenthal Die Bühne für die Stars bereiten

Philipp Barnett hat es geschafft, in Hollywood Fuß zu fassen. Gerade wird im Disney-Channel die Pilotstaffel einer Krankenhausserie ausgestrahlt, für die der 34-Jährige als Herstellungsleiter das Set vorbereitet hat. Seit drei Jahren arbeitet der gebürtige Oggersheimer und Sohn der SPD-Bundestagsabgeordneten Doris Barnett in der Traumfabrik.
In seinem Job hat Philipp Barnett zwei Vorgaben: das Drehbuch und ein Budget des Studios. Dann hat er je nach Genre maximal eine Woche Zeit, den Ort für die Dreharbeiten auszustatten. Und zwar so, dass dort unfallfrei und authentisch gearbeitet werden kann. Das ist anspruchsvoller, als es klingt. Denn wenn nur in einer Szene die Kulisse wackelt, weil die Handwerker gepfuscht haben, kann eine solche Produktionsverzögerung teuer werden. Für eine 30-minütige Comedy-Serienproduktion bleiben einem Herstellungsleiter gerade mal fünf Tage Zeit, vom Lesen des Drehbuchs bis zur Abnahme des Sets. Dann muss die erste Klappe fallen. In der Vergangenheit hat Barnett also binnen kürzester Zeit in und um Los Angeles zusehen müssen, dass die Kulisse etwa für die zweite Staffel der Comedyserie „Silicon Valley“ steht. Sein bisher größtes Projekt ist die neue TV-Serie „Red Band Society“. Dafür hatte er nicht nur eine längere Vorbereitungszeit, sondern auch sechs Millionen Dollar, um in acht Wochen irgendwo in Atlanta/Georgia die Illusion einer Krankenhausstation zu schaffen, in der sich krebskranke Jugendliche zusammenfinden. Eine Hauptrolle als Krankenschwester spielt Oscar-Preisträgerin Octavia Spencer. Barnett hat inzwischen ein Netzwerk an professionellen Zuarbeitern: von Kennern passender Drehorte über Experten für Statik- und Sicherheitsfragen am Set bis hin zur Kalkulation, wie aufwendig die effektvolle Kameratechnik sein darf. Wenn alle Stricke reißen, trägt wenigstens das beauftragende Studio die Mehrkosten und nicht – wie in Deutschland – der Produzent und sein Team. Mehr Einfluss auf die Inhalte nehmen zu können, am Ende gar eigene Serien und Filme zu produzieren bleibt der Wunsch von Philipp Barnett. Im Augenblick muss er sich strikt ans Drehbuch halten, kann nur begrenzt Akzente setzen. Was auf der Fensterbank im Set steht, entscheidet der Szenenbildner, nicht er. Und für die digitale Nachbereitung der gedrehten Szenen ist ein eigener Post-Producer zuständig. Barnetts Job beschränkt sich noch darauf, die Bühne für den Auftritt der Schauspieler zu bereiten. Das ist nervenaufreibend genug. Erst recht, wenn es gilt, den Ansprüchen namhafter Akteure oder Regisseure zu genügen und mit seinem Beitrag für eine erfolgreiche Produktion in guter Erinnerung zu bleiben. Irgendwann einmal will er selbst Platz im Regiestuhl nehmen. Seit drei Jahren arbeitet der Ludwigshafener überwiegend in den USA, hat aber die Drähte zur deutschen Filmproduktion nicht ganz gekappt. Nach dem Abitur an der Integrierten Gesamtschule Ernst Bloch in Oggersheim hat er im Studio Babelsberg und bei Columbia Pictures in der Herstellungsleitung assistiert, ehe er an der Media Business School im spanischen Ronda seinen Master machte. In den USA hat er unter anderem für die ABC-TV-Serie „Body of Proof“ begleitende Promotion gemacht. Nach der Assistenz zur Herstellung von Serien für den führenden US-Kabelsender HBO bekam er jetzt die Chance, „Red Band Society“ zu realisieren. Wenn die Serie ankommt, dürfte Barnett ein Folgeauftrag sicher sein.