Frankenthal „Die Armut ist überwältigend“

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„Hilfe für Nepal“ heißt das Projekt einer Lampertheimerin, die Ende April selbst in dem Land war, als ein Erdbeben ganze Dörfer zum Einsturz brachte. Unter ihren vielen Mitstreitern aus aller Welt ist auch Jennifer Dahlem aus Frankenthal. Die junge Umweltwissenschaftlerin ist Mitte August nach Nepal aufgebrochen, um dort Hilfseinsätze zu unterstützen.

Einfach alle Zelte in der Heimat abbrechen, den Job kündigen und für unbestimmte Zeit in ein fernes, von Naturkatastrophen gebeuteltes Land zu fliegen, das bedarf schon einer ordentlichen Portion Mut. Den hat Jennifer Dahlem – und dazu noch ein klares Ziel: Den Menschen in Nepal nach dem verheerenden Erdbeben Ende April beim Wiederaufbau zu helfen. „Ich habe mich einfach in das Land verliebt“, sagt sie. Ihr ehemaliger Arbeitgeber, eine Heidelberger Beratungsfirma im Bereich Agrarchemie, habe sie sehr unterstützt. „Ich habe einfach gespürt, dass meine Energie und mein Wissen gebraucht werden“, begründet sie den radikalen Schnitt mit ihrem bisherigen Leben. Traurig stimmt die 30-Jährige, dass man in unserer Wohlstandsgesellschaft die Opfer von Naturkatastrophen schnell wieder vergisst. „Die Aufmerksamkeit schwindet stetig, Hilfe von Nepal bleibt“, ist das Motto der Helfer, die sich in der privaten Initiative zusammengetan haben. Für eine Vereinsgründung blieb bisher keine Zeit. „Es musste einfach direkt gehandelt werden.“ Schließlich wollen Dahlem und ihre Kollegen nicht über Statuten brüten, sondern Häuser bauen und Lebensmittel in entlegene Dörfer bringen. Die Truppe der Ehrenamtlichen ist bunt gemischt, einige verbringen ihren Jahresurlaub in dem Himalaya-Staat, andere stellen wie Dahlem ihre gesamte Arbeitskraft und Zeit in den Dienst der Nepal-Hilfe. Was alle verbindet, ist der Wunsch, unverschuldet in Not geratenen Menschen zu helfen und ihnen eine Perspektive zu geben. „Ich hätte mich wie eine Verräterin gefühlt“, sagte die Gründerin von „Hilfe für Nepal“, Ann-Carolin Helmreich, auf die Frage, warum sie die verwüstete Region nicht direkt verlassen habe. In nur 24 Stunden organisierte die gebürtige Lampertheimerin zusammen mit dem nepalesischen Trekking-Führer Krishna Gauli und mit Hilfe von Freunden in Deutschland 3000 Euro an Spenden. Der Kreis der Unterstützer wuchs durch Mundpropaganda, Internetpräsenz und dank Medienberichten rasant. Vier Monate nach dem Beben konnte „Hilfe für Nepal“ bereits 50.000 Euro an Spendengeldern verzeichnen. Auch Dahlem, die Helmreich vor einigen Jahren auf einer Reise in Indien kennenlernte, fühlte sich direkt angesprochen zu helfen. Auf Flohmärkten, bei Festen und anderen Gelegenheiten sammelte sie Geld für die Erdbebenopfer und konnte so Mitte August 2600 Euro mit nach Nepal nehmen. Ursprünglich hatte sie vor, einen Monat in Nepal zu verbringen, doch schnell reifte der Plan, sich für längere Zeit zu engagieren. „Es hilft sehr, wenn feste Ansprechpartner vor Ort sind“, sagt sie. Dahlem ist von der Hauptstadt Kathmandu aus für die Projektorganisation und Koordinierung der Einsätze zuständig. Das Team der Freiwilligen hilft, wo immer das nötig ist. So wurden in den zurückliegenden Monaten etwa 15 Tonnen Reis, Linsen und Öl in die Bergdörfer gebracht, die im Epizentrum des Bebens lagen. Weil die Verkehrswege sehr eingeschränkt sind, nehmen die Helfer von ihren Einsätzen verletzte Dorfbewohner ins nächstgelegene Krankenhaus mit und versorgen sie. Mit Baumaterial und Arbeitskraft unterstützt das Team Ältere und Kranke dabei, ihre Häuser im Krisengebiet wieder aufzubauen. „Die Armut ist überwältigend“, sagt die junge Frau. Momentan engagiert sich das Team in dem Zeltcamp Bouddhanath bei Kathmandu. Etwa 800 Menschen leben dort seit vier Monaten, angewiesen auf Hilfe von außen, so Dahlem. „Die großen Organisationen sind schon weitergezogen, wir bleiben“, schildert die Frankenthalerin. Aktuell werden in dem Camp Planen benötigt, weil ein Monsun die Behausungen undicht gemacht hat. „15 Euro kostet ein funktionierendes Zeltheim, mit 30 Euro kann sich eine achtköpfige Familie einen Monat lang ernähren“, verdeutlicht Jennifer Dahlem, wie gering letztlich der Einsatz ist, mit dem schon echte Hilfe geleistet werden kann. Die Helfer zahlen Unterkunft wie Verpflegung selbst, betont sie. „Schließlich soll jeder Cent eingesetzt werden, um den Menschen zu helfen.“ Kontakt Nähere Informationen auf der Internetseite www.hilfefuernepal.org. Ann-Carolin Helmreich ist per E-Mail an info@hilfefuernepal.org erreichbar.

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