Frankenthal „Der Bedarf steigt ständig“

Auf die steigende Bedeutung, die das Thema Zuwanderung bekommen hat, stellt sich die Stadtverwaltung nun auch organisatorisch ein: Ein neuer Fachbereich „Migration und Integration“ soll sich künftig um die damit verbundenen Fragen kümmern.
„Das Stellenbesetzungsfahren läuft, über die Leitung wird in Kürze entschieden“, sagt der scheidende Oberbürgermeister Theo Wieder (CDU). Die Organisationsverfügung für das neue Ressort habe er vor einiger Zeit schon unterschrieben. Bisher wurde das Sachgebiet Migration und Integration in einer Abteilung des Bereichs Ordnung und Umwelt bearbeitet; zuständiger Dezernent: bisher Bürgermeister Martin Hebich, ab 1. Januar Beigeordneter Bernd Knöppel (beide CDU). Der neu gebildete Fachbereich ist jedoch aus dem bisherigen Dezernat gelöst worden und gehört in die Zuständigkeit des ab 1. Januar amtierenden Oberbürgermeisters Hebich. Fachbereich Migration und Integration – das sind nach den Worten Wieders zunächst einmal die Ausländerbehörde und die Integrationsstelle der Stadtverwaltung; mittelfristig solle die Einbürgerungsstelle dazu kommen. Das bedeutet nach Angaben von Andrea Graber-Jauch von der Stabsstelle Integration, dass dem neuen Fachbereich zunächst 22 Mitarbeiter (auf rechnerisch 21,25 Stellen) angehören; später kommen noch 1,75 Stellen dazu. Dem Fachbereich zugeordnet ist auch die zentrale Anlaufstelle, die die Begleitung Asylsuchender im Alltag durch ehrenamtliche Betreuer koordiniert; darum kümmert sich Susanne Wendel. Da der Platz in den bisherigen Verwaltungsgebäuden knapp ist, soll der neue Bereich „ausgelagert“ werden. Wohin genau, könne man erst sagen, wenn die entsprechenden Verträge unter Dach und Fach seien, erklärt Wieder. „Bei der Stadtverwaltung soll eine zentrale kundenorientierte Anlaufstelle zur Zuwanderung geschaffen werden“: So lautet ein „Großziel“ im ab 2012 erarbeiteten und 2014 vom Stadtrat angenommenen strategischen Integrationskonzept der Stadt. Mit dem neuen Fachbereich werde damit diese Forderung als erste umgesetzt, hält Wieder fest. Als das Konzept entwickelt wurde, war die aktuelle große Flüchtlingswelle noch nicht erkennbar, die dem Thema zusätzliche Brisanz verschaffte. Mittlerweile habe man auch schon erlebt, „dass 40, 50, 60 Menschen auf dem Flur stehen“, sagt Wieder. „Das ist eine riesige Herausforderung für uns.“ Ein umfangreicher Bericht, in dem die Stadtverwaltung den Stand Anfang Dezember umrissen hat, nennt Eckdaten: Demnach wurden bis zum Stichtag im laufenden Jahr 546 neue Flüchtlinge und Asylbewerber in der Stadt betreut, die meisten davon (158) aus Syrien. Neben dem Sprachunterricht in Schulen laufen demnach Sprachkurse mit mehr als 170 Teilnehmern; „der Bedarf steigt ständig“. In der Stadtverwaltung gebe es rund 15 Mitarbeiter, die auch Übersetzerdienste leisten könnten, sagt Wieder. Eines der Ziele, die das Integrationskonzept vorgibt, ist es, die „interkulturelle Kompetenz“ des Verwaltungspersonals im Umgang mit Bürgern verschiedener Herkunftsländer zu stärken. Das werde künftig auch bei einem Teil der Stellenausschreibungen Thema sein müssen, sagt Wieder. „Die gewünschten Kompetenzen müssen noch definiert werden.“ Sich allein an den Schulnoten zu orientieren, werde nicht mehr ausreichen. (spi)