Fussball
Dennis Morcinczyk wartet auf einen Einsatz für die DJK SW Frankenthal
Herr Morcinczyk, Sie sind in der Winterpause zu SW Frankenthal gekommen. Warum sind Sie mitten in einer unterbrochenen Saison gewechselt?
Das war eine spontane Aktion. Eigentlich wollte ich gar nicht mehr spielen, auch, weil meine Verlobte und ich in Tiefenthal ein Grundstück gekauft haben und ich wegen meiner Schichtarbeit nur alle zwei Wochen am Training teilnehmen kann. Tim Graf, der Spielertrainer von Schwarz-Weiss, dem ich früher schon mal abgesagt habe, hat noch einmal angefragt. Wir kennen uns, sind befreundet, und so habe ich zugesagt. Zudem hat Schwarz-Weiss in der Vorrunde sehr überzeugend aufgetrumpft.
Glauben Sie, dass die Runde zu Ende gespielt werden kann?
Das ist schwierig zu sagen. In der frischen Luft ist die Ansteckungsgefahr nicht so hoch wie in geschlossenen Räumen. Aber die Inzidenz steigt weiter, deshalb gehe ich von einem Saisonabbruch aus. Man wird sich wohl auf die Spielzeit 2021/22 konzentrieren müssen.
Hatten Sie schon Kontakt zu Ihren neuen Mitspielern?
Vor etwa zwei Wochen hatten wir eine gemeinsame Einheit, als für kurze Zeit kontaktloses Training in Kleingruppen möglich war. Einige Spieler wie David Michalski oder Francisco Cetin kannte ich bereits. Von Ex-Profi Sejad Salihovic, der zur U23 der TSG Hoffenheim gewechselt ist, habe ich die Rückennummer 23 übernommen. Das war meine Wunschnummer, weil ich an einem 23. Geburtstag habe.
Haben Sie auf dem Platz Ihres neuen Klubs an der Frankenstraße schon mal gespielt?
Ja, ich war als Gegner mal hier, und vor sechs, sieben Jahren habe ich nach meiner Zeit in Sandhausen mal ein halbes Jahr für Schwarz-Weiss gekickt.
Wie halten Sie in Corona-Zeiten Kontakt zu Ihrem neuen Verein?
Es läuft alles über Tim. Wir telefonieren regelmäßig miteinander oder schreiben uns WhatsApp-Nachrichten.
Sie haben lange nicht gespielt. Wie fit sind Sie überhaupt?
Ich hatte Probleme mit der Achillessehne, die ins rechte Bein ausgestrahlt haben. Jetzt bin ich verletzungsfrei und laufe im Moment dreimal pro Woche, jeweils zwischen fünf und zehn Kilometer. Mit Tim will ich auf dem Platz Sonderschichten einlegen, wenn es möglich ist. Das ist wichtig, denn die Belastung beim Fußball ist eine andere, als wenn man nur Lauftraining macht.
Sie sind 2019 mit dem SV Ruchheim in die Landesliga aufgestiegen. Warum ging es dort nicht weiter?
Die Ruchheimer wollten unbedingt, dass ich weiterspiele und haben auf mich gesetzt. Doch ich war mental in einem Loch, hatte die Lust auf Fußball verloren. Der Reiz war weg. Ich hatte höherklassig gespielt und konnte mich selbst nicht mehr so richtig motivieren. Mit dem Trainerstab der Ruchheimer wurde dann vereinbart, dass ich spiele, wenn es wegen eines personellen Engpasses notwendig ist. Das war aber nicht der Fall. Jetzt ist die Situation wieder anders.
Wo sehen Sie bei Schwarz-Weiss Ihre Position?
Generell im zentralen Bereich. Ich war Innenverteidiger, fühle mich aber auch im defensiven Mittelfeld gut aufgehoben. Ich sehe meine Stärken im Passspiel, ich möchte das Geschehen an mich ziehen, die Bälle verteilen und kann auch kreativ werden.
Trainer Tim Graf sagt, Sie brauchen Verantwortung. Sind Sie jemand, der auf dem Feld das Heft in die Hand nehmen kann?
Wenn es sein muss, kann ich sehr laut werden und auch zur Sache gehen. Privat bin ich eher ruhig und zurückhaltend. Auf dem Spielfeld blühe ich auf. Manche sagen, ich sei auf dem Platz ein anderer Mensch.
Vielleicht will Sie Tim Graf auch deswegen als Spielmacher einsetzen. Könnte Ihnen diese Rolle gefallen?
Der Spielmacher muss ja nicht zwangsläufig auf der Zehn postiert sein. Im modernen Fußball wird das Spiel oft von einer Station weiter hinten, auf der Sechs, eröffnet und gestaltet. Taktgeber ist vielleicht die richtigere Bezeichnung. Einer, der das Tempo variiert und die Mitspieler mit Pässen einsetzt.
Sie haben namhafte Stationen hinter sich. Wo hat es Ihnen am besten gefallen?
Der SV Waldhof ist mein Herzensverein. Dort habe ich die schönsten Momente erlebt. Aber auch Sandhausen war top. Da hoffte ich, in die „Erste“ zu rutschen, die damals von der Dritten in die Zweite Liga aufgestiegen ist. Doch deren Kader war überbesetzt. Vorher bin ich von der Wormser A-Jugend direkt in den Oberligakader von TuS Mechtersheim gekommen. Ich habe gar nicht gleich realisiert, was das bedeutet. Mit 19 in der Oberliga zu sein, da denkt man sich heute, dass noch etwas mehr hätte kommen können.
Wie lauten Ihre Ziele mit Schwarz-Weiss?
Da gibt es einige: Verletzungsfrei bleiben, Spaß am Fußball haben, meine Erfahrungen einbringen, junge Spieler mitziehen und in die Bezirksliga aufsteigen.
Interview: Thomas Leimert
Zur Person
Dennis Morcinczyk ist in Frankenthal aufgewachsen und hat beim VfR Frankenthal bis zur E-Jugend gespielt. Dann wechselte der heute 29-jährige Abwehr- und Mittelfeldspieler zum SV Waldhof und danach zu Wormatia Worms. Nach seiner Jugendzeit spielte er für TuS Mechtersheim, SV Sandhausen II, SV Waldhof II, VfR Grünstadt und SV Ruchheim. Morcinczyk, der in Lambsheim wohnt und als Anlagenführer in der Automobilbranche arbeitet, wechselte in der Winterpause zur DJK Schwarz-Weiss Frankenthal (A-Klasse Rhein-Pfalz), bei der er vor Jahren ein Kurzgastspiel gab.